Albanien: Ohridsee und Prespasee
Eigentlich sind es drei Seen: der Ohridsee (albanisch: Liqeni i Ohrit, manchmal auch Liqeni i Pogradeci) sowie der Große und der Kleine Prespasee. Sie liegen im Osten Albanien, Teile davon gehören zu Makedonien und Griechenland, und sind umgeben von majestätischen Bergen mit schneebedeckten Gipfeln. 1979 erklärte die UNESCO den Ohridsee zum Weltnaturerbe, 1980 zusätzlich das umliegende Gebiet zum Weltkulturerbe.
Der Ohridsee ist mit 363 Quadratkilometern der zweitgrößte See auf dem Balkan (nach dem Skutarisee im Norden Albaniens). Zudem gehört er zu den ältesten und tiefsten Seen der Welt: Seine tiefste Stelle wurde mit 286 Metern gemessen.
Der Prespasee umfasst etwa 300 Quadratkilometer. Ebenso wie der Prespasee ist der Ohridsee tektonischen Ursprungs. Der Ohridsee wird von 300 Meter höher liegenden Prespasee gespeist: das Wasser fließt unterirdisch durch ein Kalksteingebirge, das als natürlicher Filter fungiert. Das Wasser ist kristallklar, die Wassertemperatur liegt im Sommer zwischen 20 und 23 Grad. Im Ohridsee leben zahlreiche endemische Fischarten (Fischarten, die es sonst nirgends auf der Welt gibt, zum Beispiel die Ohridforelle, auf albanisch Koran), an den Ufern viele Vogelarten, darunter zum Beispiel Komorane, Pelikane und Blesshühner. Leider ist vor allem die Ohridforelle wegen Überfischung vom Aussterben bedroht. Man kann hoffen, dass sich das ändern wird, wenn die Ohridforelle mehr und mehr in Teichen gezüchtet wird. Denn bisher leben viele Albaner am Ohridsee vom Fischen und können auch finanziell nicht darauf verzichten.
Am Ufer des Ohridsees liegt Pogradec, eine Kleinstadt, in der man neben Hotels und Restaurants auch Bauernmärkte mit frischen Obst und Gemüse sowie lokale Spezialitäten wie Honig und Wein kaufen kann. Auch in anderen Orten rund um die Seen gibt es genügend gute und sehr gute Übernachtungsmöglichkeiten. Vor allem das malerische Örtchen Lin (sehenswert ist hier ein Mosaik in einer antiken Basilika aus dem 6. Jahrhundert) und das Feuchtgebiet Drilon sind einen Ausflug wert. Beide Orte haben schöne Badestrände. Auch ein Abstecher nach Makedonien ist sehr zu empfehlen, zum Beispiel zur Stadt Ohrid, dem Kloster Sveti Naum oder dem Nationalpark Galičica zwischen Prespa- und Ohridsee.
Das Gebiet rund um Ohrid- und Prespasee ist schon seit Urzeiten besiedelt, wie Funde aus der Jungsteinzeit von ca. 6000 v. Chr. zeigen. Auch in der Antike war die Seenregion beliebtes Siedlungsgebiet: Das Schloss von Pogradec, auf einem Hügel gelegen, wurde von den Illyrern erbaut. Ein Ausflug dorthin lohnt sich allein wegen der fantastischen Ausblicks auf den Ohridsee und die dahinter aufragenden Berge. Auf dem historischen Friedhof von Selca (bei Mokra) wurden Grabstätten aus dem 5. Jahrhundert vor Christus gefunden. Um einige Dörfer und Wege spinnen sich Legenden, dass Nachfahren von Alexander dem Großen hier gelebt haben sollen, oder dass der Apostel Paulus die Brücke von Goliku überquerte, als er unterwegs nach Konstantinopel war. Und tatsächlich war die Brücke (von Pogradec Richtung Mokra) Teil der historischen Straße Via Egnetia. Am Ohridsee findet man slawische Klöster, die zum großen Teil aus dem 7. bis 9. Jahrhundert stammen und mehr als 800 Ikonen im byzantinischen Stil. Die Ikonen werden als die weltweit zweitwichtigste Sammlung nach der der Tretiakov-Galerie in Moskau angesehen.
Der Prespa-Nationalpark
Der Prespa-Nationalpark umfasst die albanischen Teilflächen von Großem und Kleinem Prespasee sowie dem Ohridsee, umliegende Berge, Wald und Weiden. Die Ufer des Prespasees sind ruhig und idyllisch, auch hier findet man eine beachtliche Zahl seltener Pflanzen und Tiere. Unter anderem lebt hier eine Pelikanart, die es fast nur hier gibt.
Die kleine Insel auf dem Prespasee kann man per Boot erreichen. Sie ist unbewohnt, sehenswert sind aber im Fels eingehauene Überreste einer Kapelle aus dem 14. Jahrhundert und mit ihren byzantinischen Ikonen.
Foto: Jovan Vuković, CC-Lizenz

