Die erste Radreise
Vor der ersten Radreise stellen sich viele Fragen. Einige Tipps zu Vorbereitung und Durchführung.
Radreise-FAQ
Warum ausgerechnet mit dem Fahrrad verreisen?
- die Geschwindigkeit: du fährst nicht wie mit dem Auto überall vorbei, sondern siehst Dinge, die Fünf-Tage-Italien-TouristInnen nie zu sehen kriegen.
- du wirst nicht nur als TouristIn gesehen, die meisten Menschen sind sehr hilfsbereit und gastfreundlich. Du kommst leicht mit den Menschen in Kontakt und erntest Respekt (wohin fahren Sie denn? was, mit dem Fahrrad?! ;-))
- der sportliche Aspekt: Nach ein, zwei Wochen bist du ziemlich fit, selbst wenn du am Anfang der Reise noch völlig untrainiert warst.
- noch viel mehr: die Nähe zur Natur, kein Stress ... Fahrradfahren macht einfach Spaß!
Welche Route bietet sich an?
Für die erste Radreise bieten sich ausgeschilderte Radwege an (z.B. der Donau-Radweg). Das erspart dir viel Vorbereitung und viele Fragen lösen sich von selbst (Route) oder sind einfacher zu lösen, weil es genug Infrastruktur für Radfahrende gibt (Übernachtung, Werkstatt...).
Sinnvoll ist es, zuerst Wochenendtouren und kürzere Radtouren zu unternehmen. Dabei kannst du deinen persönlichen Reisestil und weißt danach besser, welche Ausrüstung du wirklich brauchst.
Wie weit werd ich pro Tag fahren?
Schwer zu sagen. Ich fahre im allgemeinen so zwischen 75 und 100 km am Tag, bei gemütlichen 17 - 20 km/h. In der Ebene ist man natürlich schneller als im Gebirge. Letzlich hängt es davon ab, wie weit du fahren willst - wenn du die Tour sportlich siehst, und sehen willst, was du kannst, ist sicherlich mehr drin. Wenn du zwischendurch mal baden oder irgendwas besichtigen willst, vielleicht nur den halben Tag fahren willst, planst du eher nur 50 km. Mach vorher ein paar Trainingsfahrten (mit Gepäck!), dann merkst du bald, wie weit du (nicht) fahren willst.
In den Bergen, bei Gegenwind (und der Wind kommt immer aus der falschen Richtung) oder bei großer Hitze fährst du sicherlich weniger als sonst. Die Kilometerleistung hängt auch von deinem Rad und auch von Sattel ab. Am besten überschlägst du nur grob, wie lang du brauchen wirst, bzw. wie weit du fahren wirst. Gerade bei der ersten Radreise würde ich die Etappen lieber kürzer planen. Es passieren immer wieder unhervorgesehene Dinge (Panne am Rad, verfahren, Sitz- oder Knieprobleme...). Berechne auch ein paar Ruhetage oder halbe Ruhetage ein. Danach fährt es sich wieder viel besser.
Wie weit man (pro Tag) fährt, ist nur für eine grobe Tourenplanung relevant und dabei sollte man sehr flexibel bleiben. Ich hab auch schon, als es einige Tage in Strömen geregnet hat, den Zug genommen und bin damit aus den Bergen rausgefahren - und unter sonigem, klaren Himmel weitergefahren.
"Aber ich bin völlig untrainiert!"
Macht doch nichts! Du bestimmst dein Tempo selbst, also fahre am Anfang einfach entsprechend weniger und such dir eine eher flache Strecke aus. Wichtig: Plane deine Tour so, dass du keinen Zeitdruck hast.
Auf was für Straßen soll ich fahren?
In vielen Ländern gibt es keine oder kaum Radwege. Am besten sind asphaltierte Nebenstraßen. Die Qualität von Schotterstraßen hängt stark von der Gegend ab; der Schotter ist oft zu tief, um noch Radfahren zu können, von Schlaglöchern ganz zu schweigen. Ich vermeide Schotterstraßen und unbefestigte Wege soweit wie möglich. In vielen Gegenden gibt es jedoch keine andere Möglichkeit, dort sind Mountainbikes sehr zu empfehlen. Manchmal sind vielbefahrene Straßen nicht zu vermeiden; z.B. beim Rein- und Rausfahren in Großtädte, oder an manchen Grenzübergängen. Augen auf und durch!
Woher krieg ich Karten?
Karten gibt es an Tankstellen und in Buch- und Schreibwarenläden. Gute (genaue) Straßenkarten sind im allgemeinen ausreichend - dichtbesiedelte Gebiete sind da möglicherweise eine Ausnahme, und extra Stadtpläne sind sinnvoll. Wichtig: Höhenunterschiede sollten auf der Karte erkennbar sein. Mehr zu Fahrradkarten.
Kann ich mit meinem alten/billigen Fahrrad losfahren?
Grundsätzlich ja und für den Anfang sicherlich. Ein wirklich gutes Rad brauchst du erst auf Fernreisen. Wichtig ist, dass das Rad vor der Reise durchgecheckt wird. Wenn du dich mit Rädern nicht auskennst, bitte doch eine_n Freund_in, die_der Ahnung hat, dir dabei zu helfen. Mit Fahrradläden hab ich in dieser Beziehung schlechte Erfahrungen gemacht, lass dir keine unnötigen 'Reparaturen' aufdrängen. Noch ein Tipp für Studierende: An vielen Unis gibt es Fahrrad-Selbsthilfewerkstätten, die bei Fahrrad-Checks und Reparaturen helfen.
Wo werd ich übernachten?
Am unabhängigsten bist du mit einem Zelt. Auch wenn du keinen Campingplatz findest, mit einem kleinen, unauffälligen Zelt findest du immer einen Platz, wo du für eine Nacht "wild" zelten kannst. Natürlich kannst du auch in Jugendherbergen, Hotels, Bed & Breakfasts oder ähnlichem übernachten. Dafür kann, je nach Gegend, eine etwas genauere Vorausplanung nötig sein, bzw. die Reise erleichtern.
Und was gibts zu essen?
Besonders wenn es heiß ist, musst du auf jeden Fall genug trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Auch mit leerem Magen solltest du nicht fahren. Eine besondere Sportler_innen-Ernährung brauchst du nicht, du willst ja keine Hochleistungen erbringen. Traubenzucker und Cola sind beim Radeln meiner Meinung nach eher eine psychologische Hilfe - was nicht zu unterschätzen ist ;-) Also iss einfach, was du willst. Achte im Sommer darauf, Essen mitzunehmen, dass sich bei Hitze hält. Überleg dir, ob du einen Kocher mitnehmen willst, um evtl. abends ein warmes Essen oder morgens einen Kaffee zu machen.
Ist eine Tour mit viel Gepäck sehr anstrengend?
In der Ebene spielt das Gepäck keine so große Rolle. Sobald das Rad einmal in Bewegung ist, ist der Kraftaufwand mit oder ohne Gepäck fast gleich. Bergauf spürst du aber jedes Kilo, also nimm möglichst wenig mit.
Was nehm ich mit?
Noch mal: Möglichst wenig. Nimm nur einmal Wechselklamotten mit, und wasch das Zeug, wenn es dreckig ist. Siehe auch die Packliste mit Vorschlägen. Und natürlich muss das Werkzeug mit.
Wohin mit dem Gepäck?
Das Gepäck lädst du in Packtaschen und auf den Gepäckträger. Lowrider (Packtaschen vorne an der Gabel) solltest du nur bei Fernreisen mit viel Gepäck brauchen. Sehr wichtig ist ein stabiler Gepäckträger.
Und wenn das Fahrrad kaputtgeht, mitten in der Pampa...?
Einige einfache, häufig notwendigen Reparaturen, wie z.B. Plattenflicken, solltest du vorher lernen und das notwendigste Werkzeug mitnehmen. Die meisten Probleme lassen sich zumindest provisorisch beheben. Je unbewohnter die Gegend, desto mehr Reparaturen solltest du selbst durchführen können. Wenn du ein Handy besitzt, nimm es mit, dann kannst du notfalls Hilfe oder ein Taxi rufen.
Schadet das Gerüttel meinem Fotoapparat?
Durch das ständige Gerüttel können sich Schrauben im Innern des Fotoapparats lösen. Ich trage den Fotoapparat deshalb immer am Körper, wo das Rütteln etwas abgefangen wird. Ideal ist das auch nicht, besonders bei empfindlichen Spiegelreflexkameras. Es hat aber den weiteren Vorteil, dass ich den Fotoapparat immer zur Hand habe.
Kann ich das Fahrrad in Zug, Bus und Flugzeug mitnehmen?
In manchen Ländern kann das Fahrrad in allen Zügen mitgenommen werden, in anderen nur in Regionalzügen. Allerdings kann die Fahrradmitnahme auf eine bestimmte Anzahl Fahrräder pro Zug beschränkt sein. Erkundige dich, ob du ein Fahrradticket brauchst.
Die Mitnahme in Fernbussen ist problematisch, aber mit etwas Überredungskunst, Demontage von Vorderreifen, Lenker, Sattel usw. und 10 EUR Zuzahlung konnte ich mein Fahrrad bisher immer mitnehmen. Verlassen kannst du dich darauf nicht, aber Fernbusse haben den Vorteil, dass du nicht ständig umsteigen musst, was mit einem vollbepacktem Fahrrad anstrengend sein kann.
