Per Interrail durch Italien, Griechenland und die Türkei

Per Interrail durch Italien, Griechenland und die Türkei

Hier findet ihr die gesammelten Tipps aus meiner InterRail-Tour durch Italien, Griechenland und die Türkei, sozusagen alles, was ich gern vorher gewusst hätte. Gute und aktuelle Informationen sind das A und O einer Interrail-Reise. Unterwegs ist es oft schwierig, genaue Auskünfte zu bekommen, man muss erst durch die halbe Stadt laufen, um dann festzustellen, dass die Touristeninformation schon geschlossen ist, und dann wieder zurück, um ein Hostel zu suchen ... am nächsten Morgen verpasst man den Zug, weil man nicht genau wusste, wann er fährt, und der nächste fährt erst gegen Mittag ... kurz gesagt, das kann alles sehr lange dauern und das ist Zeit, die einem für die spannenden Sachen fehlt. Muss aber nicht. Ich hab unten auf der Seite eine Reihe von ↓Informationsquellen zusammengestellt, die einem das meiste davon ersparen.

Allgemeines

  • Unterschätzt die Hitze (im Sommer) nicht. Manchen Leute setzt sie sehr zu, und vielleicht sollte man darüber nachdenken, die Aktivitäten auf den Abend und den Morgen zu verlagern.
  • Nachtzüge sparen Zeit und Geld: keine Übernachtungskosten und morgens am Ziel aufwachen (Achtung, manchmal Zuschläge). Nicht unbedingt geeignet für Leute, die zum Schlafen einen gewissen Komfort brauchen. Tipp: Nackenkissen und Augenbinde helfen, im Zug besser zu schlafen. Ohrenstöpsel würde ich eher nicht empfehlen, sonst wachst man nicht auf, falls jemand versuchen sollte, einen zu beklauen.
  • Für schnelle Züge müssen im allgemeinen Zuschläge bezahlt werden, genauso für einen Platz im Liegewagen. Achtung: Einige Nachtzüge haben nur Liegeplätze. Leider ist es oft schwierig, am Schalter eine vernünftige Auskunft zu bekommen.

Italien

Rom:

Antike Ruine in Rom an einem Sommerabend

  • Im Bahnhof bzw. darunter gibt es Banken, Bankomaten und einen Supermarkt. Um die Ecke gibt es einen Geldwechsel.
  • Die berühmten Sehenswürdigkeiten sollte man früh morgens oder abends anschauen, sonst musst man ewig Schlange stehen (z.B. Kolloseum).
  • Das Forum Romanum ist ein ganzes Stadtviertel aus antiken Gebäuden, Tempeln, Wohnhäusern, ein Marktplatz... lohnt sich. Große Teile davon kann man kostenlos besichtigen.
  • Der Weg in das Stadtviertel Trastevere führte uns am Kapitol mit der spanischen Treppe und dem Theatro Greco vorbei. Trastevere ist ein nettes Viertel, etwas abseits vom größten Touristenrummel, ruhig und gemütlich mit vielen Cafés und bunten Häusern.
  • Züge: In kleineren Orten fahren oft nur wenige Züge (einer frühmorgens, einer mittag und einer abends). Vorher planen! Ein Wecker ist unverzichtbar.
  • Problem Baden: Meistens fährt die Bahn nicht nah genug am Meer entlang, um zum Strand laufen zu können. Bei unseren Versuchen, zum Strand zu gelangen, landeten wir nicht nur in Bella Italia, sondern lernten auch das Kontrastprogramm, den Alltag in einer Industrie- und Hafenstadt kennen. Kleinere Flüsse sind im Sommer oft ausgetrocknet.

Neapel:

  • Neapel hat mir gut gefallen, es ist so lebendig. Die engen Gassen der Altstadt, über denen wirklich Wäsche gespannt hängt, viel Geschrei, fußballspielende Kinder, schwatzende Alte, kleine Obst- und Gemüsemärkte...Vom Bahnhof zur Spaccanapoli (die Hauptstraße der Altstadt) kommt man, wenn mahn vom Ausgang immer geradeaus geht. Die Gassen der Altstadt erstrecken sich links und rechts der Spaccanapoli.
  • !! Wir wurden mehrmals von Einheimischen gewarnt, auf unsere Wertsachen, besonders auf die Fototasche aufzupassen !!
  • Feragosto ist die italienische Ferienzeit. Zwei Wochen im August haben viele Geschäfte und Restaurants außerhalb der Feriengebiete geschlossen, und in kleineren Orten kann es schwierig werden, etwas zu essen zu bekommen.

Sizilien:

  • Agricento: In der Tourismusinformation holten wir einen (kostenlosen) Übersichtsplan und machten uns damit auf den Weg ins Tal der Tempel. In der Mittagshitze kam es uns ziemlich weit vor. Es hat sich aber gelohnt, die Tempel waren beeindruckend, trotz der vielen Touris. Der Strand ist übrigens noch zehn Kilometer entfernt, aber es fährt ein Bus dorthin.
  • Landschaft in SizilienVon Catania aus nahmen wir einen Bus zur Bergstation auf dem Ätna. Dort sind wir über rutschendes Lavagestein einige kleine (inaktive) Krater hochgeklettert. Insgesamt war es nicht so spannend, wie ich gehofft hatte, weil wir nicht bis zum Hauptkrater hinauf sind - dass war uns zu teuer (Seilbahn) bzw. zu anstrengend und auch gefährlich (allein hochkraxeln). Es hat aber Spaß gemacht und war eine schöne Abwechslung zu antiken Tempeln und schattenlosen Ständen in der Mittagssonne. Auf dem Ätna war es eher kühl; wir hatten unsere Pullis an.
     
  • In Süditalien (an der "Stiefelsohle") fährt die Bahn lange direkt am Strand entlang, wir sind einfach irgendwo ausgestiegen, wo es uns gefallen hat. Kleine Dörfer, relativ einsame Strände, leider auch ohne Schatten.
  • Die Zugverbindungen in Süditalien sind mies. Plant voraus, sonst hängt ihr ewig auf Bahnhöfen rum. Die Busverbindungen sind übrigens nicht besser, und unter den vielen Bushaltestellen die richtige zu finden, scheint selbst Insider_innen zu überfordern.
  • Die Odysee nach Matera bzw. dort wieder weg lohnt sich nur, wenn du viel Zeit hast. Obwohl Matera wirklich schön ist. Die Sassi (die "Höhlenstadt" - mir ist nicht ganz klar, warum das so heißt) sind wirklich faszinierend. Von weitem sahen sie aus wie auf den Fotos, die ich gesehen hatte: Irgendwie merkwürdig, aber nicht besonders spannend. Aber es gibt Dinge, die muss man live sehen und die Sassi gehören dazu. Das ziellose Durchschlendern ist ein Teil des Erlebnisses. Winzige alte Häuser dicht an dicht, verwinkelte Gassen, die immer enger werden. Und immer, wenn man davon überzeugt ist, in einer Sackgasse gelandet zu sein, taucht eine schmale Treppe oder ein Tunnel aus dem Nichts auf. Kleine Brunnen, Tauben, das von der Benutzung glattgewordene Pflaster. Ich kann es nicht richtig beschreiben, aber ich fand es wunderschön.
  • Die Fähre: Im InterRail-Ticket ist die HML-Fähre enthalten, allerdings nicht die ca. 6 EUR Hafengebühr (ich weiß nicht, wie das nach den neuen Interrail-Tarifen ist). Die Hafengebühr zahlt man pro Schiff, also jeweils für Hin- und Rückfahrt, wenn du noch die Touri-Insel Korfu sehen willst, nochmal. Die Fähre braucht 18 Stunden von Brindisi nach Patras. Die Tickets sollte man vormittags im Fährbüro der HML holen. Dort zahlt man auch die Hafengebühr. Ab fünf Uhr darf man auf die Fähre, Abfahrt ist um halb acht. Tipp: Es gibt keinen Grund, den ganzen Tag in Brindisi rumzuhängen. Lecce ist einen Abstecher wert.

Griechenland

Landschaft in Sizilien

  • Am Bahnhof in Patras gibts einen (kostenlosen) Fahrplan aller griechischen Zugverbindungen. Sehr praktisch. Und man lernst das kyrillische Alphabet ;-)
  • Lecker: Pita (gefülltes Fladenbrot), Souflaki (Spieße), griechischer Joghurt...
  • Kaiaphos: südlich von Patras, der Bahnhof liegt fast am Strand. Ein kleines Stück Richtung Süden laufen, dort ist der Strand nicht so voll (bzw. je nach Wochentag fast leer). Ein Pinienwald spendet Schatten, freies Zelten wird geduldet, und einkaufen kannst du in einem kleinen Laden im Kurbad (am See).
  • Olympia ist mit dem Zug gut erreichbar, es ist interessant.
  • Falls du einen Schüler- oder Studentenausweis hast, nimm ihn mit. Der Eintritt zu antiken Stätten und Museen ist für Schüler_innen kostenlos, Studierende bekommen eine Ermäßigung.
  • Mykene (nicht die Insel, sondern nochmal antike Überreste auf dem Peloponnes): Aussteigen musst du am Bahnhof Fithia. Dort ist auch die "Anna Station", wo du übernachten, essen, kochen, duschen oder dein Gepäck da lassen, während du Mykene besuchst. Wieviel man dafür bezahlt, bleibt jedem selbst überlassen. Die Anna Station wird geführt von Annas Vater und eben Anna, sie sind beide sehr sehr nett. Der Weg ist vom Bahnhof ausgeschildert, es ist nicht weit.
  • Nach Mykene sind es etwa vier Kilometer. Wenn man sein Gepäck in der Anna Station lässt und sich entweder möglichst früh morgens oder abends auf den Weg macht, ist das eine nette kleine Wanderung (es fährt aber auch ein Bus). Ich fand die Landschaft jedenfalls faszinierend.
  • Und auch Mykene ist spannend - ganz anders als die Säulenreste, die ich bisher gesehen habe. Vor Ort konnte ich keine näheren Informationen darüber finde und wünschte, ich hätte einen Reiseführer mitgenommen. Das gleiche gilt übrigens auch für Olympia und die anderen antiken Gemäuer, die ich bisher besichtigt habe.
    • Von Athen war ich ein bisschen enttäuscht. Die Stadt war dreckig, die Luft voller Abgase. Die Akropolis war schön, aber sie ertrank in Touristen (außerdem hatte ich inzwischen einfach zuviel alte Säulen gesehen), auch die Plaka (die Altstadt) war sehr touristisch. Athen besucht man besser außerhalb der Hauptsaison. Schöne Ecken gibt es sicher auch hier, man sollte sich vorher genau informieren.

    Türkei

    Istanbul, Blick auf die Hagia Sofia und das umliegende Stadtviertel Sultanahmed
    • Nach Athen war Istanbul umso schöner. Das InterYouth-Hostel ist empfehlenswert: Es liegt zentral (neben der Hagia Sofia), ich hab dort nette Leute getroffen und billig ist es auch (noch billiger, wenn man einen Schlafsack dabei hast und auf dem Balkon ("on the roof") schläft, dann zahlt man nur die Hälfte und es ist sehr schön).
    • Ankara: Das Archäologische Museum (Museum für anatolische Kulturen/Hethiter-Museum) ist eins der besten Museen, die ich gesehen habe. In der Nähe des Museums ist die Schwarze Burg, die man bei der Gelegenheit auch ansehen kann. In der Hauptstadt der Türkei findet man auch das riesige Atatürk-Mausoleum. Es wirkte auf mich sehr merkwürdig, allein aufgrund seiner Riesenhaftigkeit bzw. dem großen leeren Platz in der Mitte, aber eigentlich ist es gerade aufgrund dieser Merkwürdigkeit sehenswert. Atatürk wird in der Türkei wie eine Art weltlicher Heiliger verehrt.
    • Kappadokien sollte man sich nicht entgehen lassen - von Kayseri aus fahren Busse dorthin.
    • Diyarbarkir war super. Im Tigris zu baden und Wassermelonen zu essen.
    • Die Rückreise aus der Türkei dauert einige Tage - entweder genug Zeit einplanen oder per Flug.

    Weitere Informationen

    Reiseführer

    Ich komme nicht umhin, hier ein Loblied auf Lonelyplanet zu singen, die »Bibel« der Backpacker. Die meisten haben irgendwo ihren Lonely Planet und sind froh darüber. Andere Reiseführer stellen Interrailer oft vor das Problem, dass günstige Hostels nur sporadisch genannt werden und/oder dass die Informationen zu vage sind, eher auf Gruppenreisende oder Autofahrer ausgelegt. Deshalb:
    • Lonely Planet Italien - auf Deutsch, wie üblich mit einer Fülle von Informationen.
    • Lonely Planet Griechenland - ebenfalls auf Deutsch. Wie die übrigen Lonely Planet Bände vereint "Lonely Planet Griechenland" praktische Reiseinformationen mit ausführlichen Informationen zu kulturellen Hintergründen und vielen Sehenswürdigkeiten.
    • Lonely Planet Türkei - von Basaren und trendigen Cafes in Istanbul über wunderschöne Mittelmeerstrände bis in den wilden Osten der Türkei - hier ist alles drin.
    • Lonely Planet Mediterranean Europe - leider nur auf Englisch erhältlich, befasst sich mit Italien, Griechenland, Malta, Zypern und den Küstenregionen der Türkei, Kroatien, Slowenien, Frankreich, Spanien, Portugal und Marokko.
    • Lonely Planet: Europe on a Shoestring. Big Trips on small budgets - ebenfalls auf Englisch, dafür ganz Europa.

    Fahrplan und Bahnkarte

    Als sehr nützlich auf Interrail-Touren haben sich auch der European Rail Timetable, Summer edition und die Rail Map of Europe erwiesen.

    Sprachführer

    Wer die Sprachprobleme schon kommen sieht, ist mit den kleinen, feinen Reise-Sprachführern von Kauderwelsch gut bedient. In der Kauderwelsch-Reihe wird jeder Satz zweimal übersetzt: einmal in korrektes Deutsch und einmal Wort für Wort. Auf diese Weise kann jeder die Beispielsätze leicht anpassen, zudem sie sehr realitätsnah gewählt sind. Die meisten Menschen freuen sich, wenn sie sehen, dass man sich die Mühe macht, ihre Sprache zu lernen, und wenn es nur wenige Sätze sind.

    Lesefutter für unterwegs

    Und wer im Zug etwas zu Lesen haben will, dürfte hiermit gut bedient sein: