Guinness Storehouse, Dublin

Ich habe lange gezögert, ob ich überhaupt über das Guinness Storehouse schreiben soll. Es ist so ein Ort, den fast jeder in Dublin besucht, und ich wollte nicht einfach wiederholen, was schon tausendmal gesagt wurde. Aber dann dachte ich: vielleicht hilft genau diese Unsicherheit, wenn ich dir erzähle, wie es wirklich war.

Das erste Mal stand ich davor und habe mich gefragt, ob ich wirklich reingehen soll. Der Eingang sieht aus wie ein riesiges Pintglas aus Glas und Stahl, sieben Stockwerke hoch. Ich habe online ein Ticket gekauft, weil die Schlange sonst ewig ist. Das hat sich gelohnt. Ohne Vorbuchung stehst du schnell eine Stunde oder länger an, besonders nachmittags.

Drinnen fängt es mit den Zutaten an. Wasser, Gerste, Hopfen, Hefe. Sie zeigen dir in großen Behältern, wie viel von jedem in eine Charge kommt. Ich habe mich hingestellt und versucht, mir vorzustellen, dass das alles aus einem 9000-Jahre-Vertrag von Arthur Guinness stammt. Klingt verrückt, ist aber wahr. Er hat 1759 für 9000 Jahre St. James’s Gate gemietet. Ich habe das Schild gesehen und musste grinsen.

Die Etagen bauen aufeinander auf. Irgendwann kommst du in einen Raum, wo du lernst, wie man ein Pint richtig zapft. Ich habe es ausprobiert, in der Guinness Academy. Der Schaum muss genau 45 Grad geneigt sein, dann zwei Phasen: Füllen und Settlen. Meine erste war schief, die zweite schon besser. Am Ende bekommst du ein Zertifikat, wenn du es schaffst. Ich habe meins aufgehoben.

Der Weg nach oben wird immer lauter. Viele Leute bleiben an den Werbeplakaten hängen, den alten Plakaten mit dem Toucan oder dem NoitulovE-Spot. Ich habe mich länger davor aufgehalten, als ich dachte. Die Plakate sind clever gemacht, ohne viel Text.

Oben im Gravity Bar war es dann voll. Ich bin an einem Vormittag hingegangen, gegen 10 Uhr, und trotzdem standen schon Leute Schlange für den Aufzug. Der Ausblick ist beeindruckend. 360 Grad über Dublin, die Berge im Süden, Howth Head im Norden. Ich habe mein Pint genommen und mich ans Fenster gestellt. Der Schaum hat sich langsam gesetzt, während ich die Stadt gesehen habe. Es war einer dieser Momente, in denen du merkst: das ist der Ort, für den die meisten herkommen.

Wenn du hingehst, nimm dir Zeit. Mindestens anderthalb Stunden, besser zwei. Renn nicht durch. Die Tasting-Sessions sind gut, wenn du mehr als nur trinken willst. Dort lernst du die Unterschiede zwischen den Varianten schmecken. Ich habe Guinness 0.0 probiert und war überrascht, wie nah es dran ist.

Praktisch: Geh früh, am besten zur ersten Öffnung um 9:30 oder 10 Uhr. Dann ist es ruhiger, der Aufzug schneller frei. Trag bequeme Schuhe, du läufst viel. Und wenn der Gravity Bar zu voll ist, geh eine Etage runter. Dort ist oft noch Platz, und der Blick ist fast genauso gut.

Ich habe danach noch einmal hingegangen, mit Freunden am späten Nachmittag. Da war es voller, lauter, aber die Stimmung anders. Jeder hat Fotos gemacht, mit dem Pint in der Hand und der Stadt im Hintergrund. Manche haben geheiratet dort oben, habe ich gelesen. Zwölf Paare in den letzten Jahren.

Es ist touristisch, ja. Über eineinhalb Millionen Besucher im Jahr, aus fast allen Ländern. Trotzdem habe ich mich nicht gehetzt gefühlt. Vielleicht weil das Bier am Ende wirklich schmeckt, wenn du weißt, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Wenn du in Dublin bist, geh hin. Nicht weil es muss, sondern weil es sich lohnt. Und nimm dir Zeit für den Moment oben, mit dem Pint in der Hand und der Stadt unter dir. Das bleibt hängen.

A building with a sign on the side of it
black steel fence
a brick building with a window