Howth Head
Ich habe den Zug von Dublin nach Howth genommen und gleich gemerkt dass diese halbe Stunde Fahrt schon etwas verändert. Du sitzt da und die Häuser werden weniger die Küste taucht auf und plötzlich bist du draußen. Der Bahnhof liegt direkt am Hafen. Ich bin ausgestiegen und habe die Boote gesehen die schaukeln und die Fischer die Kisten schleppen. Kein großes Aufheben einfach so.
Von dort aus bin ich losgelaufen. Der Weg zum Head führt erst durch das Dorf. Du kommst an kleinen Läden vorbei und an Leuten die ihre Einkäufe erledigen. Ich habe mir Zeit gelassen und einen Kaffee geholt bevor es richtig losging. Dann folgst du den Schildern für den Cliff Walk. Der Pfad steigt langsam an und du merkst wie die Luft salziger wird. Ich habe feste Schuhe angezogen weil ich schon gehört hatte dass der Boden wechseln kann. Gras Stein und manchmal rutschig nach Regen. Das hat sich bewährt.
Oben auf dem Head spürst du den Wind sofort. Er kommt vom Meer und drückt gegen dich. Ich bin ein Stück gegangen und habe angehalten um zu schauen. Die Bucht liegt unter dir Dublin in der Ferne und die Berge dahinter. An dem Tag war die Sicht klar genug dass ich die Konturen erkannt habe. Ich weiß nicht ob es immer so ist aber mir hat es gereicht um den Moment zu nehmen wie er kam.
Der Leuchtturm von Baily steht weiter draußen auf dem Punkt. Ich bin hingelaufen und habe ihn von der Seite betrachtet. Weiß mit roten Streifen und fest gegen die Wellen. Du kannst nicht hinein aber du kommst nah genug um zu sehen wie die Position gewählt wurde. Die Felsen fallen steil ab und das Wasser schlägt dagegen. Ich habe da gestanden und den Klang gehört. Es ist kein lautes Donnern eher ein stetiges Rollen das den ganzen Weg begleitet.
Der Rundweg misst ungefähr zwölf Kilometer. Ich habe vier Stunden gebraucht mit Pausen. Du kannst kürzer machen wenn du nur bis zum Leuchtturm gehst und zurück. Es gibt Abzweigungen die das erlauben. Ich habe den vollen Kreis genommen weil ich sehen wollte wie sich die Landschaft dreht. An manchen Stellen führt der Pfad nah an den Rand. Ich habe hinuntergeschaut und die Tiefe gespürt ohne dass es unangenehm wurde. Die Klippen sind hoch genug dass du Respekt hast aber der Weg bleibt breit genug.
Unterwegs habe ich Vögel beobachtet die über dem Wasser kreisen. Möwen und kleinere Arten die ich nicht alle kenne. Sie tauchen ab und kommen wieder hoch. Ich habe eine Weile zugeschaut und gemerkt wie ruhig es wird wenn du nur dastehst. Du hörst dann nur den Wind und die Wellen. Keine Autos keine Stimmen aus der Stadt. Das hat mir gefallen.
Zwischen den Felsen wachsen Büsche und Blumen die sich halten. Gelbe Flecken und violette Tupfer. Ich bin mir nicht sicher wie lange sie blühen aber an dem Morgen waren sie da und haben den Boden lebendig gemacht. Der Pfad wechselt ständig. Mal gehst du auf weichem Gras mal auf steinigem Grund. Nach ein paar Kilometern habe ich eine Pause eingelegt und etwas gegessen was ich mitgenommen hatte. Brot Käse und Wasser. Es gibt nichts zu kaufen oben auf dem Head. Das solltest du dir merken und selbst etwas einpacken.
Auf der Rückseite des Heads wird der Weg etwas flacher und du siehst die Insel Ireland’s Eye gegenüber. Sie liegt da wie ein grüner Block im Meer. Boote fahren manchmal hin aber ich bin nicht rübergefahren. Ich habe nur die Linie betrachtet und mir vorgestellt wie die Vögel dort nisten. Du kannst das alles von hier aus sehen ohne dass du extra etwas planen musst.
Ich bin weitergegangen und habe gemerkt wie die Beine müde werden aber auf eine gute Art. Nicht erschöpft eher belebt. Der Wind hat nicht nachgelassen und ich habe die Jacke enger gezogen. Du solltest mehrere Schichten tragen weil das Wetter hier schnell kippt. Einmal hat die Sonne kurz durchgekommen und alles heller gemacht. Dann war der Himmel wieder grau und das Meer hat die Farbe gewechselt.
Als ich zurück ins Dorf kam habe ich den Hafen wieder gesehen. Die Boote lagen jetzt anders da und die Fischer waren mit dem Abladen fertig. Ich bin in einen der kleineren Pubs gegangen und habe Fisch bestellt. Frisch aus dem Wasser und mit Pommes. Es schmeckte genau so wie es sollte nach dem langen Gehen. Du wirst hungrig sein nach dem Weg und das Essen dort passt dann perfekt.
Was mir aufgefallen ist wie nah das alles an der Stadt liegt. Du fährst mit dem Zug raus und bist in einer Landschaft die sich anfühlt als wäre sie weit weg. Ich habe das auf dem Rückweg noch einmal gedacht als der Zug wieder in Dublin einfuhr. Die Leute um mich herum hatten Kopfhörer drin und schauten auf ihre Telefone. Ich hatte noch den Salzgeschmack im Mund und die Bilder von den Klippen.
Wenn du mit dem Auto kommst dann parke am besten beim Bahnhof oder etwas höher am Summit. Der Zug ist aber einfacher. Du kaufst das Ticket am Automaten und steigst ein. Kein Suchen nach Parkplätzen kein Stress mit dem Verkehr. Ich habe das so gemacht und es hat alles entspannt.
Manche Leute laufen mit Kindern den Weg. Ich habe eine Familie gesehen die langsam ging und an den steilen Stellen aufgepasst hat. Es ist machbar wenn du die Zeit nimmst. Du musst nur aufpassen wo der Pfad eng wird und die Kinder an der Hand halten. Ich bin allein gegangen und habe die Stille genossen aber ich kann mir vorstellen dass es auch mit anderen schön ist.
Der Boden kann nach Regen matschig werden. Ich hatte Glück dass es trocken blieb aber du solltest die Vorhersage anschauen bevor du losziehst. Ein leichter Regen macht den Pfad nicht unmöglich nur etwas weicher. Ich habe trotzdem trockene Füße behalten weil die Schuhe gut waren.
Auf dem letzten Stück zurück habe ich noch einmal angehalten und die Bucht überblickt. Die Sonne stand schon tiefer und das Licht fiel anders auf das Wasser. Ich habe den Moment genommen ohne dass ich viel darüber nachgedacht habe. Es war einfach da.
Wenn du in Dublin bist und einen Tag freihast dann nimm den Zug nach Howth. Geh den Pfad hoch und lass den Wind machen was er will. Du kommst mit eigenen Bildern zurück und mit Beinen die sich bewegt haben. Ich habe das so erlebt und denke du wirst es ähnlich finden wenn du es ausprobierst. Der Head wartet nicht auf große Pläne. Du gehst einfach hin und siehst was passiert.
