The Burren
Ich bin das erste Mal durch den Burren gefahren und habe nicht damit gerechnet, dass der Boden so direkt unter die Haut geht. Du biegst von der Straße ab, die von Doolin heraufkommt, und plötzlich liegt da dieses graue Steinmeer. Kein Gras wie anderswo, nur Platten und Risse, die sich endlos hinziehen. Ich habe die Hände auf den Kalk gelegt und ihn warm gefühlt, obwohl der Wind kühl vom Atlantik herüberweht. Das ist kein Ort für große Worte. Es ist einfach da.
Du brauchst feste Schuhe, wenn du hier rausgehst. Ich habe einmal Turnschuhe angezogen und nach zwanzig Minuten gemerkt, warum das keine gute Idee war. Die Platten heißen Clints, die Spalten Grikes, und dazwischen ist es uneben. Ein falscher Tritt und du knickst um. Aber genau in diesen Spalten passiert das Spannende. Ich habe mich hingekniet und zugeschaut, wie Pflanzen wachsen, die eigentlich nicht zusammenpassen. Arktische Arten neben mediterranen. Orchideen, die ich sonst nur aus Büchern kannte. Es gibt hier mehr als siebzig Prozent der irischen Blütenpflanzen, und ich habe einige davon gefunden, ohne zu suchen. Im Frühjahr schieben sie sich einfach durch den Stein. Du musst nur genau hinschauen.
Ich bin den Burren Way ein Stück weit gelaufen, von Ballyvaughan aus Richtung Carran. Der Pfad führt dich über offenes Gelände, wo Schafe grasen und Ziegen die Hänge hochsteigen. Die Ziegen sind wild, manche altirische Rassen, die hier seit Ewigkeiten leben. Ich habe eine Herde beobachtet, wie sie sich an den Felsen festkrallen, als wäre es das Normalste der Welt. Du kannst den Weg in Etappen gehen, ohne gleich die ganze Strecke zu machen. Nimm dir Wasser mit und einen leichten Rucksack. Der Wind kann auffrischen, und Schatten gibt es wenig. Aber die Luft ist so klar, dass du meilenweit siehst. Einmal habe ich angehalten, weil ein Schmetterling auf einem Stein landete. Später habe ich gelesen, dass hier achtundzwanzig der dreißig irischen Schmetterlingsarten vorkommen. Ich weiß nicht, ob es genau der war, aber er war da.
In Poulnabrone steht der Dolmen. Ich habe ihn an einem ruhigen Vormittag besucht. Die Steine sind aus dem gleichen Kalk wie der Boden drumherum. Menschen haben sie vor langer Zeit aufgerichtet. Du stehst davor und spürst, dass hier jemand gelebt hat, gearbeitet, gestorben. Keine Infotafel erzählt dir alles. Du siehst einfach die Konstruktion und denkst nach. Ich habe dort gesessen und den Wind in den Ritzen pfeifen gehört. Später bin ich weiter zu Caherconnell, einer Steinburg. Die Mauern sind noch gut erhalten. Du kannst herumgehen und dir vorstellen, wie die Leute dort ihre Schafe gehalten haben. Es gibt Führungen, bei denen du Schafe treiben siehst wie früher. Das hat mir gefallen, weil es nicht inszeniert wirkt. Es ist einfach Alltag hier.
Die Höhlen habe ich auch erkundet. In Aillwee bin ich mit einer kleinen Gruppe hinuntergegangen. Der Gang ist breit genug, dass du nicht klaustrophobisch wirst. Drinnen siehst du Tropfsteine und hörst Wasser tropfen. Der Führer hat uns auf die Bärenknochen hingewiesen, die dort gefunden wurden. Ich habe sie angeschaut und gedacht, dass hier vor langer Zeit Tiere lebten, die heute niemand mehr erwartet. Du kommst wieder raus und blinzelst ins Licht, und der Kontrast zum Stein draußen ist stark. Nimm eine Jacke mit, es ist kühler unten. Die Tour dauert nicht lange, aber sie lohnt sich, weil du den Untergrund des Burren direkt erlebst.
Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, fahr die Küstenstraße von Doolin nach Ballyvaughan langsam. Ich habe das mehrmals gemacht und jedes Mal etwas Neues gesehen. Die Straße schlängelt sich durch das Karstgelände, und an manchen Stellen kannst du anhalten und einfach stehen. Die Fossilen im Stein sind deutlich zu erkennen. Korallen, Seeigel. Ich habe mit dem Finger über eine davon gestrichen und mir vorgestellt, wie das Meer hier früher war. Du brauchst keinen Führer dafür. Schau einfach hin. In Ballyvaughan gibt es ein paar Läden, wo du Brot und Käse kaufst. Ich habe dort immer eingekauft, bevor ich weitergewandert bin. Der Ort ist klein, aber die Leute kennen sich aus. Frag ruhig nach einem Tipp für eine kurze Wanderung. Sie wissen, wo es gerade trocken ist.
Ich habe einmal bei Regen dort gestanden. Der Kalk saugt das Wasser auf, und plötzlich sind kleine Pfützen in den Grikes. Dann blühen die Pflanzen noch mehr. Es ist kein Drama, nur eine Veränderung. Du lernst, dass der Burren nicht starr ist. Er verändert sich ständig, nur langsam. Die Schafe finden immer Futter, die Vögel nisten in den Klippen weiter draußen. Ich habe Falken gesehen, die über den Felsen kreisen. Sie gehören dazu wie der Stein selbst.
Du kannst den Burren Nationalpark besuchen, wenn du eine kürzere Route suchst. Dort gibt es markierte Wege, die nicht zu anspruchsvoll sind. Ich bin einen davon gegangen und habe auf einer Anhöhe gesessen. Von da aus siehst du, wie das Land wellenförmig zum Meer abfällt. Keine dramatischen Gipfel, aber eine Weite, die dich ruhig macht. Nimm dir Zeit. Ich habe gelernt, nicht alles an einem Tag zu machen. Ein Morgen im Stein, ein Nachmittag am Wasser, das reicht.
Was mich immer wieder hinzieht, ist diese Mischung aus Härte und Leben. Der Boden sieht karg aus, aber unter der Oberfläche und in den Ritzen pulsiert es. Ich habe das nicht erwartet, als ich das erste Mal kam. Jetzt plane ich meine Reisen so, dass ich wenigstens ein paar Tage einplane. Du kannst von Galway oder Limerick aus kommen, aber lass das Auto in einem der Dörfer stehen und geh zu Fuß. Die Stille ist das Beste. Kein Lärm, nur Wind und Schritte auf Stein.
Einmal habe ich eine Schnecke gefunden, die sich durch eine Spalte schob. Es gibt hier über siebzig Arten davon, weil der Kalk ihnen hilft. So etwas merkt man erst, wenn man langsam geht. Du musst nicht alles wissen. Ich habe auch nicht alles verstanden. Aber ich habe gefühlt, wie der Ort funktioniert. Die Leute hier leben mit dem Stein, nicht gegen ihn. Sie halten Schafe, bauen Zäune aus dem gleichen Material, das überall liegt. Das hat etwas Praktisches, das mir gefällt.
Wenn du das nächste Mal planst, nimm eine gute Karte mit. Die Wege sind nicht immer ausgeschildert, aber sie sind da. Und probier den lokalen Käse. Er schmeckt nach dem Gras, das zwischen den Platten wächst. Ich habe das in einem kleinen Hofladen in der Nähe von Corofin gekauft. Nicht teuer, einfach gut. Der Burren gibt dir nicht alles auf einmal. Du musst zurückkommen, um mehr zu sehen. Und jedes Mal ist es ein bisschen anders. Der Wind dreht, die Blumen blühen woanders, aber der Stein bleibt. Das ist es, was ich mitnehme.


