Schwarzwald
Der Schwarzwald hat mich beim ersten Besuch gleich gepackt. Ich bin mit dem Zug nach Freiburg gefahren und von dort mit dem Bus weiter in die Hügel. Du steigst aus und spürst sofort die Luft anders. Kühler. Feuchter. Ich habe den Rucksack geschultert und bin losgelaufen, ohne genauen Plan.
Ich habe den Feldberg hochgewandert. Der Weg von der Talstation aus hat knapp fünfhundert Höhenmeter. Auf der Karte sah das harmlos aus. In Wirklichkeit zieht es sich. Ich habe Pausen gemacht, wo die Bänke standen, und habe das Moos gerochen. Oben am Gipfel war es windig. Ich habe mich an das Geländer gelehnt und über die Baumkronen geschaut. Du siehst dort nichts als Grün in allen Schattierungen. Ich bin mir nicht sicher, ob der Ausblick immer so klar ist, aber an meinem Tag hat er gereicht, um den ganzen Aufstieg zu rechtfertigen.
Wenn du selbst hinwillst, nimm die Regionalbahn bis Titisee und steig dort um. Die Konus-Karte kostet nicht viel und deckt Busse und Bahnen ab. Ich habe sie einmal gekauft und bin damit tagelang kreuz und quer gefahren. Kein Auto nötig. Das spart Nerven und Benzin.
Am Titisee habe ich ein Boot gemietet. Zwanzig Minuten auf dem Wasser. Die Ruder haben geknarrt. Ich habe die Wellen beobachtet, wie sie gegen die Holzstege schlagen. Du kannst dort auch einfach am Ufer entlanglaufen. Der Weg ist flach und breit. Kinder laufen voraus, Hunde rennen. Ich habe gesehen, wie Leute Brot mitgebracht haben und die Enten gefüttert haben. Niemand hat gedrängelt.
In Triberg bin ich in eine Uhrenwerkstatt gegangen. Der Mann dort hat mir gezeigt, wie er die Räder einsetzt. Handarbeit. Kein Fließband. Ich habe eine Kuckucksuhr gekauft, die klein genug war, um sie im Rucksack zu tragen. Zuhause hängt sie jetzt und schlägt jede Stunde. Du hörst den Kuckuck und denkst sofort an den Wald.
Ich habe den Westweg ausprobiert. Nur ein Stück davon. Der Pfad führt von Pforzheim bis Basel, zweihundertachtzig Kilometer insgesamt. Ich bin bei Hinterzarten eingestiegen und habe zwölf Kilometer gemacht. Die Markierungen sind rot-weiß-rot. Du kannst sie kaum verfehlen. Unterwegs habe ich eine Hütte gefunden, die Brotzeit verkauft. Wurst, Käse, Brot. Ich habe mich hingesetzt und gegessen. Der Schinken hat nach Rauch geschmeckt. Nicht wie das Zeug aus dem Regal im Supermarkt.
Du solltest feste Wanderschuhe tragen. Ich habe das einmal ignoriert und bin mit normalen Turnschuhen los. Nach zwei Stunden waren meine Socken nass und die Zehen wund. Seitdem packe ich immer zwei Paar ein. Auch Regenkleidung. Der Wald kann schnell nass werden. Ein leichter Schauer reicht und die Wege glänzen.
Am Schluchsee habe ich eine Radtour gemacht. Die Strecke um den See ist vierzig Kilometer. Ich habe mir ein Rad geliehen. Die Steigungen sind sanft. Du kommst an kleinen Buchten vorbei, wo niemand badet, weil das Wasser zu kalt ist. Ich habe trotzdem die Füße reingehalten. Es hat gezogen. Schön gezogen.
In einer Gaststätte in St. Märgen habe ich die Kirschtorte probiert. Der Kellner hat gesagt, die Kirschen kommen aus dem eigenen Garten. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber der Geschmack war anders. Saftiger. Weniger süß. Du bestellst ein Stück und ein Glas Wasser dazu. Das reicht für den Nachmittag.
Ich bin einmal bei Regen losgegangen. Der Pfad zur Wutachschlucht war rutschig. Ich habe langsam gemacht und die Wurzeln gemieden. Unten im Tal hat der Fluss gerauscht. Die Felsen waren dunkel und nass. Du hörst nur Wasser und Vögel. Keine Autos. Keine Musik aus Lautsprechern. Ich habe dort zehn Minuten gestanden und einfach nur zugehört.
Praktisch gesehen lohnt es sich, die App der Schwarzwald Tourismus zu laden. Sie zeigt die aktuellen Buszeiten und die Wanderwege. Ich habe sie benutzt, als ich den Anschluss in Freiburg verpasst habe. Fünf Minuten später kam der nächste Bus. Kein Stress.
In Baden-Baden bin ich in die Therme gegangen. Das Wasser ist warm. Du sitzt draußen und siehst die Hügel. Ich habe eine Stunde dort verbracht und nichts getan. Danach habe ich mich leichter gefühlt. Die Eintrittskarte kostet nicht die Welt. Du kannst auch nur für zwei Stunden gehen.
Ich habe in einer kleinen Pension in Todtnau übernachtet. Das Zimmer war einfach. Holzboden, ein Bett, ein Fenster zum Wald. Morgens hat der Wirt Kaffee gemacht. Wir haben über die Pilze gesprochen, die er im Herbst sammelt. Ich habe keinen Vergleich, aber es hat sich angefühlt wie zu Hause.
Du kannst auch einfach nur sitzen. Auf einer Bank am Feldberg. Oder am Ufer des Titisees. Ich habe das gemacht und die Wolken beobachtet, wie sie über die Tannen ziehen. Manchmal ist das genug. Kein Gipfel muss erobert werden.
Einmal habe ich den Bus nach Hinterzarten genommen und bin den Panoramaweg gegangen. Drei Stunden. Die Aussicht wechselt ständig. Mal siehst du die Vogesen, mal nur den nächsten Hang. Ich habe eine Flasche Wasser mitgenommen und alle zwanzig Minuten getrunken. Der Weg ist gut markiert. Du brauchst keine Karte extra.
Die Leute dort grüßen. Nicht jedes Mal, aber oft. Ich habe das gemerkt, als ich an einer Gruppe vorbeigekommen bin. Ein kurzes Nicken. Das reicht. Du fühlst dich nicht fremd.
Ich habe den Schinken in einer Metzgerei in Wolfach gekauft. Drei Scheiben für unterwegs. Er hält sich gut im Rucksack. Du kannst ihn mit Brot essen, das du in der Bäckerei nebenan holst. Frisch gebacken.
Wenn du mit dem Zug kommst, steig in Offenburg aus und nimm die Schwarzwaldbahn. Die Strecke schlängelt sich durch die Täler. Die Fenster sind groß. Ich habe den Kopf ans Glas gelehnt und die Kurven genossen.
Ich bin mir nicht sicher, ob der Schwarzwald für jeden passt. Manche wollen Action. Hier gibt es die nicht. Du gehst, du schaust, du isst. Das war für mich genau richtig. Die Wege sind nicht überlaufen. Die Orte bleiben überschaubar.
In Freiburg habe ich den Markt besucht. Käse, Obst, Brot. Ich habe ein Stück Ziegenkäse mitgenommen. Er hat nach Kräutern geschmeckt. Du kannst dort auch einen Kaffee trinken und die Leute beobachten. Niemand hetzt.
Einmal habe ich den Bus verpasst und bin einfach gelaufen. Fünf Kilometer zurück zum nächsten Ort. Es hat geregnet. Meine Jacke hat gehalten. Ich habe den Rhythmus meiner Schritte gehört und die Tropfen auf den Blättern.
Du kannst das auch machen. Nimm nur das Nötigste mit. Gute Schuhe. Eine Regenjacke. Etwas zu essen. Den Rest findest du unterwegs. Die Bänke stehen bereit. Die Hütten haben Wasser. Die Busse kommen.
Ich habe den Wald gerochen, als ich morgens aus der Pension getreten bin. Feucht und grün. Das hat mich wach gemacht. Besser als jeder Kaffee. Du spürst das auch, wenn du früh losgehst. Vor neun Uhr sind die Wege noch leer.
In Triberg habe ich den Wasserfall gesehen. Hundertsechzig Meter Fallhöhe. Das Wasser donnert. Ich habe oben gestanden und zugeschaut. Unten war es kühl. Die Steine glänzten. Du kannst den Weg hinunterlaufen. Es gibt Treppen. Sie sind nass. Langsam gehen lohnt sich.
Ich habe eine Karte gekauft und die Route für den nächsten Tag eingezeichnet. Mit Bleistift. Keine App. Das hat funktioniert. Du siehst die Linien und weißt, wo du hinwillst.
Der Schwarzwald bleibt bei dir. Nicht weil er laut ist. Sondern weil er leise ist. Du nimmst die Stille mit nach Hause. Die Schritte auf dem Waldboden. Den Geschmack des Schinkens. Den Wind am Feldberg.
Ich habe das alles erlebt. Du kannst es auch. Nimm den Zug. Steig aus. Geh los.

