Temple Bar, Dublin
Temple Bar in Dublin hat mich gleich beim ersten Mal erwischt. Ich habe die schmalen Gassen betreten und die unebenen Kopfsteinpflaster unter den Schuhen gespürt. Du merkst sofort wie alles eng zusammenrückt. Die alten Häuser stehen dicht an dicht und aus fast jedem Eingang dringt Musik. Ich bin mir nicht sicher ob es nur der Klang ist oder die Art wie die Leute sich bewegen. Es fühlt sich lebendig an ohne dass jemand es erzwingen muss.
Ich habe das Viertel tagsüber erkundet und da zeigt es eine andere Seite. Du kannst in Ruhe durch die Seitenstraßen laufen. Die Vintage Läden öffnen ihre Türen und du stöberst durch Regale mit alten Kleidern und Platten ohne dass jemand drängt. Ich habe in einem solchen Laden eine Stunde verbracht und bin mit einer kleinen Tasche rausgekommen die genau zu meinem Koffer passte. Praktisch weil du nicht viel schleppen musst wenn du weiterziehst. Die Galerien liegen gleich daneben. Im Temple Bar Gallery and Studios habe ich Arbeiten gesehen die mit Farbe und Form experimentieren. Du bleibst stehen und schaust einfach. Kein großes Programm nur ein stiller Moment der hängen bleibt.
Wenn du von der O Connell Street kommst läufst du einfach los. Der Weg dauert zwanzig Minuten und du siehst schon wie die Stadt sich verändert. Ich habe das gemacht und unterwegs einen Kaffee geholt. Der Übergang fühlt sich natürlich an. Mit der Luas oder dem Bus steigst du am besten in der Nähe aus und gehst die letzten Meter zu Fuß. So verpasst du nichts. Nimm bequeme Schuhe mit. Die Pflastersteine sind tückisch und du läufst mehr als du denkst.
Am Nachmittag wird es in den Pubs schon lebendig. Ich habe mich in The Temple Bar Pub gesetzt als die Musik gerade anfing. Es war kurz nach Mittag und die Band spielte traditionelle Stücke. Die Fiddle und die Bodhrán haben den Raum gefüllt. Du hörst die Töne und spürst sie gleichzeitig im Boden. Ich habe ein Guinness bestellt und zugeschaut wie die Bedienung es mit ruhiger Hand zapft. Der Schaum stand perfekt und der Geschmack passte zur Stimmung. Die Auswahl an Whiskey ist groß aber du musst nichts probieren was du nicht willst. Ich habe einen einzigen genommen und der Barkeeper hat kurz erklärt woher er kommt. Das hat gereicht.
Du solltest die Sessions nicht nur abends suchen. Viele starten früher und dann findest du leichter einen Hocker. Ich habe das in The Auld Dubliner erlebt. Die Musiker haben zwischendurch mit dem Publikum gesprochen und ein Lied erklärt. Es war keine Show nur ein Gespräch zwischen Leuten die Musik mögen. In Merchants Arch Bar habe ich ähnliches gesehen. Die Band hat eigene Stücke mit alten Melodien gemischt und die Gäste haben mitgeklatscht ohne dass jemand sie dazu aufgefordert hat. Das macht den Unterschied. Du bist Teil davon und nicht nur Zuschauer.
Abends füllen sich die Straßen. Ich habe draußen gestanden und beobachtet wie die Lichter angehen. Aus den Fenstern kommt Gesang und Lachen. Die Energie steigt aber sie bleibt freundlich. Ich habe gefühlt wie die Wärme aus den Pubs auf die Gasse strömt. Du kannst von einem Ort zum nächsten wechseln ohne Plan. In Oliver St John Gogarty habe ich eine Runde verbracht. Die Wände hängen voll mit alten Bildern und die Musik lief durch. Die Portion Fish and Chips die ich dort gegessen habe war frisch und die Kartoffeln knusprig. Praktisch weil du nicht lange suchen musst wenn der Hunger kommt.
Die kulturelle Seite geht über die Pubs hinaus. Ich bin ins Irish Film Institute gegangen und habe mir einen Film angesehen. Danach saß ich im Foyer und habe über die Geschichte nachgedacht die im Viertel steckt. Die alten Mauern erinnern an Zeiten die weit zurückreichen und doch fühlt sich alles gegenwärtig an. Du kannst dort eine Vorstellung besuchen und danach direkt in ein Lokal gehen. Die Verbindung passt. Auch das Project Arts Centre liegt nah. Ich habe eine Ausstellung besucht und bin mit einem neuen Blick auf die Stadt rausgekommen. Nichts Aufwendiges nur klare Arbeiten die etwas sagen.
Street Performer machen die Gassen lebendig. Ich habe einen Fiddler gesehen der mitten auf dem Platz stand und spielte. Die Leute blieben stehen und einige haben Geld in den Hut geworfen. Ein anderer hat jongliert und dabei Geschichten erzählt. Du bleibst stehen ohne es zu wollen. Das Spannende ist die Unvorhersehbarkeit. Du weißt nie was als Nächstes kommt und genau das hält die Aufmerksamkeit hoch.
Ich habe mich gefragt ob das alles für jeden passt. Für mich hat es funktioniert weil ich nicht alles auf einmal wollte. Ich habe den Vormittag für die stillen Ecken genutzt den Nachmittag für die Musik und den Abend für die volle Stimmung. Wenn du länger bleibst nimm dir Zeit für die Button Factory. Dort laufen Konzerte in einem kleinen Raum und die Bands spielen nah am Publikum. Ich war bei einem Gig und die Energie hat den ganzen Saal erfasst. Du stehst eng aber es stört nicht weil alle aus dem gleichen Grund da sind.
Ein Tipp der mir geholfen hat: Trink zwischendurch Wasser. Die Pubs haben gutes Bier aber du willst den Abend klar erleben. Ich habe das gemacht und konnte länger bleiben ohne dass es anstrengend wurde. Auch die kleinen Märkte die manchmal auftauchen lohnen sich. Ich habe an einem Stand ein handgemachtes Armband gekauft das nicht teuer war. Du schaust genau hin und nimmst mit was dir gefällt.
Die Dichte der Pubs ist hoch und das macht es einfach. Du gehst ein paar Schritte und bist schon im nächsten. Ich habe in The Porterhouse ein Bier aus der eigenen Brauerei probiert. Es schmeckte kräftig und die Atmosphäre war ruhig genug um sich zu unterhalten. Du kannst zwischen traditionell und modern wählen ohne weit zu laufen. Das Viertel gibt dir die Freiheit zu wechseln wann du willst.
Ich habe gefühlt wie die Straßen am Ende des Abends ruhiger werden. Die Musik klingt noch nach und die Lichter bleiben. Du läufst zurück und nimmst die Eindrücke mit. Für deine eigene Reise lohnt es sich die kleinen Gassen zu suchen. Dort findest du die Details die niemand beschreibt. Eine bunte Tür ein altes Schild oder ein Musiker der nur für sich spielt. Das alles zusammen ergibt mehr als nur ein paar Stunden in der Stadt. Es bleibt hängen weil du selbst dabei warst.

