Bodensee und die Blumeninsel Mainau

Du steigst in Konstanz aus dem Zug und der Bodensee liegt einfach da. Groß und still. Ich habe das erste Mal nicht damit gerechnet, wie weit das Wasser reicht. Über zweihundertsiebzig Kilometer Uferlinie. Du spürst sofort die Weite. Kein Meer, aber doch etwas Eigenes. Der Wind kommt vom Wasser her und du merkst, wie der Alltag zurückbleibt.

Ich habe mir ein Fahrrad geliehen und bin losgefahren. Der Radweg folgt dem Ufer fast überall. Zweihundertsechzig Kilometer insgesamt, durch drei Länder. Ich habe nur einen Abschnitt gemacht, von Konstanz Richtung Überlingen. Flach. Asphalt. Kaum Steigungen. Nach drei Stunden war ich in Meersburg. Die Beine schwer, aber der Kopf leer. Du kannst das auch so machen. Nimm dir kein Rennrad, ein normales reicht. Viele Verleiher haben Helme und Taschen dabei. Ich habe unterwegs angehalten und Brot gekauft, direkt am Weg. Die Bäckereien in den Dörfern sind klein und die Verkäuferinnen erzählen dir, wo der beste Apfelsaft herkommt.

Von Meersburg aus nimmst du das Schiff zur Mainau. Fünfzehn Minuten Fahrt. Ich habe das Ticket am Schalter gekauft, Kombi mit Eintritt. Das spart Wartezeit. Du sitzt oben an Deck und siehst den See von der Seite. Die Insel taucht auf wie ein grüner Fleck. Kein großes Hallo, einfach da. Die Anlegestelle ist nah am Eingang. Du gehst durch das Tor und die Gärten fangen an.

Ich habe stundenlang durch die Beete gelaufen. Die Wege sind breit und eben. Blumen in Reihen, aber nicht streng. Tulpen im Frühling, später Rosen und Dahlien. Ich habe nicht mitgezählt, aber es müssen Tausende sein. Du riechst sie, bevor du sie siehst. Feucht und süß. Ich bin an einem Beet mit weißen Narzissen vorbeigekommen und habe angehalten. Kein Grund. Einfach stehen bleiben und schauen. Die Sonne hat die Blätter hell gemacht. Du kannst das nachmachen. Nimm keine Karte mit. Lass dich treiben.

Das Schmetterlingshaus liegt etwas weiter drinnen. Eines der größten seiner Art hier. Drinnen ist es warm und feucht wie in einem Treibhaus. Schmetterlinge fliegen frei. Blau und orange und durchsichtig. Einer hat sich auf meinen Arm gesetzt. Ich habe die Flügel gezählt, sechs Sekunden lang, dann ist er weggeflogen. Du bleibst länger, als du denkst. Es gibt Bänke zum Setzen. Die Kinder rennen nicht, sie stehen still und strecken die Hände aus. Ich habe das beobachtet. Es funktioniert bei jedem Alter.

Weiter oben steht das Schloss. Die Familie wohnt noch teilweise dort. Du siehst es von außen, die Gärten drumherum sind gepflegt. Kein Prunk, aber Ordnung. Ich bin um das Gebäude herumgegangen und habe den Blick auf den See gehabt. Die Alpen hinten, wenn das Wetter passt. An manchen Tagen sind sie scharf, an anderen nur ein Strich. Du spürst, wie klein du bist.

Für Kinder gibt es einen Spielplatz. Über tausend Quadratmeter. Murmelbahn, Wasserwelt, Klettergerüste. Ich habe eine Familie gesehen, die den ganzen Vormittag dort verbracht hat. Die Eltern saßen auf der Bank und haben Kaffee getrunken. Praktisch. Du nimmst dir Proviant mit oder kaufst etwas im Café. Die Preise sind normal, nichts Übertriebenes. Ich habe einen Apfelkuchen gegessen und dabei den Wind gehört.

Der See verbindet alles. Du fährst mit dem Rad und wechselst einfach die Grenze. Kein Stempel, kein Aufwand. Ich habe das in Lindau probiert. Die Insel dort ist klein, die Häuser eng. Du gehst durch die Gassen und landest am Hafen. Ähnlich wie in Konstanz, aber ruhiger. Ich habe in einer kleinen Bar gesessen und dem Wasser zugeschaut. Die Boote schaukeln leise. Du kannst von dort aus weiterfahren oder zurück mit der Fähre.

Einmal bin ich bei stärkerem Wind am Ufer gelaufen. Die Wellen haben gegen die Steine geschlagen. Nicht dramatisch, aber spürbar. Ich habe nasse Schuhe bekommen und gelacht. Du nimmst feste Schuhe mit. Und eine Wasserflasche. Die Sonne brennt manchmal stärker, als du denkst. Ich habe das unterschätzt und bin rot geworden.

In Uhldingen habe ich die Pfahlbauten besucht. Holzhäuser auf Stelzen im Wasser. Du lernst, wie die Menschen früher gelebt haben. Einfache Führung, keine langen Vorträge. Ich habe mir vorgestellt, wie es im Winter dort war. Kalt und nass. Der See gibt dir das Gefühl von Beständigkeit. Er ist immer da, egal was du machst.

Du planst den Tag am besten so: Morgens Schiff nach Mainau, Gärten zuerst, dann Schmetterlinge. Mittags Pause. Nachmittags zurück oder weiter zum nächsten Ort. Ich habe das Auto einmal stehen lassen und nur Fähren und Rad genommen. Weniger Stress. Die Busse fahren auch, aber das Rad ist freier. Du hältst an, wo du willst.

Ich habe auf einer Bank unter einem alten Baum gesessen. Die Blüten dufteten. Ein Schmetterling flog vorbei. Nichts Besonderes. Und doch. Der See lag ruhig da. Du siehst das und denkst, hier passt etwas zusammen. Die Blumen, das Wasser, die Leute, die einfach nur schauen.

Ein andermal bin ich spät am Tag zurückgefahren. Die Lichter in Meersburg gingen an. Der See spiegelte sie schwach. Ich war müde vom Radeln, aber zufrieden. Du nimmst dir Zeit. Ein Tag reicht für viel, aber du kommst wieder. Der Bodensee und die Mainau lassen dich nicht los. Sie bleiben in Erinnerung, wie ein Bild, das du selbst gemalt hast. Mit eigenen Schritten und eigenem Blick.

a city with a river running through it
a pier in the middle of a body of water