Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Ich bin an einem frühen Morgen in die Schorfheide gefahren, ohne klaren Plan. Ich hatte nur eine Karte, auf der die großen Seen und ein paar Wege eingezeichnet waren. Der Rest war leer. Genau das hat mich gereizt. Du kommst dort nicht an, um etwas abzuhaken. Du bist eher damit beschäftigt, dich zu orientieren, langsam.

Ich habe mein Auto am Rand von Groß Schönebeck stehen lassen. Es gibt einen Parkplatz nahe dem Schloss. Von dort führt ein Weg in den Wald. Der Boden war trocken, sandig, stellenweise weich. Ich habe schnell gemerkt, dass feste Schuhe sinnvoll sind. Du sinkst an manchen Stellen leicht ein. Ich hatte Turnschuhe an und habe es gespürt.

Der Wald ist nicht gleichmäßig. Kiefern wechseln sich mit Buchen ab. Es gibt offene Flächen, dann wieder dichte Abschnitte. Ich habe Vögel gehört, die ich nicht zuordnen konnte. Später habe ich gelesen, dass dort über zweihundert Arten leben. Das passt zu dem Eindruck. Es ist nicht still, aber auch nicht laut. Eher ein gleichmäßiges Hintergrundgeräusch.

Nach etwa einer Stunde bin ich auf den Werbellinsee gestoßen. Das Wasser ist klar. Ich habe am Ufer gestanden und gesehen, wie tief man schauen kann. An einigen Stellen gibt es kleine Badestellen, oft ohne Infrastruktur. Du musst damit rechnen, dass es keine Umkleide, keine Toilette gibt. Ich hatte ein Handtuch im Rucksack und war froh darüber. Das Wasser war kühl, auch an warmen Tagen.

Ich habe mich für einen Weg entschieden, der nicht markiert war. Das war nicht klug. Die Beschilderung ist insgesamt gut, aber nur wenn du auf den ausgewiesenen Routen bleibst. Ich habe mein Handy benutzt, um zurückzufinden. Der Empfang ist nicht überall stabil. Du solltest dir vorher eine Offline-Karte laden. Ich habe das später gemacht und es hat mir Zeit gespart.

Was mich überrascht hat, war die Größe des Gebiets. Es sind über tausend Quadratkilometer. Du kannst mehrere Tage dort verbringen und immer noch neue Ecken entdecken. Ich habe nur einen kleinen Teil gesehen. Es hat sich trotzdem vollständig angefühlt, vielleicht weil die Wege lang sind und du nicht ständig abgelenkt wirst.

Ich habe am nächsten Tag das Kloster Chorin besucht. Es liegt etwas außerhalb, aber es gehört für mich dazu. Der Backsteinbau wirkt schlicht, fast streng. Ich habe mich auf eine Bank gesetzt und eine Weile nichts gemacht. Es kommen Besucher, aber es verteilt sich. Du kannst dir Zeit lassen. Es gibt Führungen, doch ich bin allein gegangen. Die Tafeln reichen, wenn du nicht alles im Detail brauchst.

Essen ist ein Thema, das ich unterschätzt habe. Es gibt nicht viele Möglichkeiten direkt im Wald. In den umliegenden Orten findest du kleine Gasthäuser. Ich habe in Joachimsthal gegessen. Die Portion war groß, einfach gekocht. Wenn du länger unterwegs bist, nimm dir genug mit. Wasser, etwas Salziges, etwas Süßes. Ich hatte zu wenig dabei und habe es am Nachmittag gemerkt.

Ich habe auch Fahrräder gesehen, viele sogar. Die Wege sind oft breit genug, aber nicht immer eben. Ein Trekkingrad reicht. Ein Rennrad ist schwierig. Du musst mit Sand rechnen und mit Wurzeln. Es gibt ausgeschilderte Routen, die dich durch verschiedene Landschaften führen. Ich habe mit zwei Leuten gesprochen, die eine Rundtour von etwa sechzig Kilometern gemacht haben. Sie waren müde, aber zufrieden.

Ein Punkt, der mir wichtig wurde, ist der Umgang mit Ruhe. Du bist nicht allein dort, aber du hast Abstand. Ich habe mein Telefon oft im Flugmodus gehabt. Nicht aus Prinzip, eher aus Gewohnheit, die sich dort eingestellt hat. Du merkst, wie sich dein Tempo verändert. Ich habe langsamer gegessen, langsamer gegangen. Es war kein Ziel dahinter.

Ich habe an einem Abend Rehe gesehen. Sie standen am Rand einer Wiese, vielleicht fünfzig Meter entfernt. Ich habe mich nicht bewegt. Sie haben mich wahrgenommen und sind dann weitergezogen. Ich habe später gelesen, dass es dort auch Wölfe gibt. Ich habe keinen gesehen. Es bleibt eine Information, die im Hinterkopf ist.

Übernachten geht auf verschiedene Arten. Es gibt Campingplätze, einfache Pensionen und einige Ferienwohnungen. Ich habe in einer kleinen Unterkunft geschlafen, die von einem älteren Paar geführt wird. Das Zimmer war schlicht. Das Frühstück bestand aus Brot, Käse, Marmelade. Es hat gereicht. Du solltest früh buchen, wenn du am Wochenende kommst. Die Auswahl ist begrenzt.

Ich habe mir am dritten Tag Zeit für den Parsteiner See genommen. Er liegt etwas abgelegen. Der Weg dorthin führt durch Felder und kleine Dörfer. Der See ist groß, offen, weniger bewaldet als der Werbellinsee. Ich habe am Ufer gesessen und den Wind gespürt. Es gab kaum andere Menschen. Du musst damit rechnen, dass du ein Stück laufen musst, um ans Wasser zu kommen.

Ein praktischer Punkt ist die Anreise. Mit dem Zug kommst du bis Eberswalde oder Angermünde. Von dort brauchst du Bus oder Fahrrad. Die Verbindungen sind nicht dicht. Ich habe mein Auto genutzt und war flexibel. Wenn du ohne Auto reist, plane mehr Zeit ein. Es lohnt sich trotzdem, aber du musst deine Strecke vorher festlegen.

Ich habe auch gelernt, auf den Boden zu achten. Es gibt Zecken. Ich habe nach jedem Tag meine Beine kontrolliert. Eine kleine Routine, die wenig Zeit kostet. Ich hatte keine Probleme, aber ich habe es ernst genommen. Lange Hosen helfen, vor allem in dichterem Gras.

Müll habe ich kaum gesehen. Das hat mich gefreut. Es gibt wenig Abfallbehälter im Wald. Du nimmst alles wieder mit. Ich habe mir einen kleinen Beutel eingepackt und alles darin gesammelt. Das funktioniert ohne Aufwand. Du musst nur daran denken.

Ich habe mich gefragt, warum mich dieser Ort so ruhig gemacht hat. Ich habe keine klare Antwort. Vielleicht liegt es an der Weite, vielleicht an der Struktur der Wege. Du gehst lange geradeaus, ohne ständig Entscheidungen zu treffen. Das entlastet. Ich habe das erst am Ende gemerkt, als ich wieder auf der Straße war und der Verkehr dichter wurde.

Ein Tipp, der banal wirkt, aber mir geholfen hat: Starte früh. Am Morgen ist das Licht anders, die Luft kühler. Du triffst weniger Menschen. Ich habe an einem Tag um sechs Uhr begonnen und war drei Stunden allein unterwegs. Das hat den Ton für den ganzen Tag gesetzt.

Ich habe mir auch kleine Ziele gesetzt. Einen See erreichen, eine Lichtung finden, eine bestimmte Strecke schaffen. Nicht zu viele. Du kannst dich sonst verzetteln. Die Karte zeigt vieles, aber nicht alles ist gleich gut erreichbar. Ich habe Wege gewählt, die miteinander verbunden sind. Das hat mir Umwege erspart.

Wenn du dich für Natur interessierst, nimm ein Fernglas mit. Ich hatte keins und habe es bereut. Du siehst mehr, wenn du Abstand hältst. Vögel, Bewegungen am Waldrand, Details am Wasser. Es ist kein Muss, aber es erweitert deinen Blick.

Ich bin mit dem Gefühl gefahren, dass ich nur an der Oberfläche war. Das klingt nach wenig, ist es aber nicht. Es reicht, um zurückzukommen. Ich habe mir schon notiert, welche Wege ich beim nächsten Mal gehe. Andere Seen, andere Abschnitte. Du kannst dort anfangen, ohne viel zu wissen, und trotzdem etwas finden, das bleibt.

a field with tall grass and trees in the background
a body of water surrounded by tall grass and trees
green trees and green grass during daytime