Esslingen am Neckar
Als ich das erste Mal seit vielen Jahren in Esslingen am Neckar aus dem Zug gestiegen bin habe ich den Rucksack geschultert und bin losgelaufen. Der Bahnhof liegt so nah dass du in zehn Minuten mitten in der Altstadt stehst. Ich habe das ohne Karte gemacht und es hat sofort gepasst. Du siehst die ersten Häuser mit ihren sichtbaren Balken und merkst wie kompakt alles ist.
Ich bin durch die schmalen Gassen gegangen und habe bemerkt wie die Gebäude eng zusammenstehen. Manche überragen die Straße leicht andere bleiben zurück. Es fühlt sich nicht geplant an sondern gewachsen. Du brauchst keine großen Pläne. Einfach weiterlaufen und schauen was kommt. Mir ist aufgefallen dass du hier nie lange geradeaus gehst. Die Wege biegen immer wieder ab und führen dich zu neuen Ecken.
Auf dem Marktplatz habe ich mich auf eine Bank gesetzt. Das Rathaus steht da mit seinem Innenhof den du einfach betreten kannst. Ich bin durch den Torbogen gegangen und habe die ruhigen Wände gesehen. Keine Absperrungen keine Schilder die dich drängen. Du stehst einfach da und nimmst es auf. Später habe ich dort einen Kaffee getrunken. Die Tische stehen draußen und die Leute reden leise miteinander. Es hat mir gefallen wie normal das alles wirkt.
Von dort bin ich zur Kirche gelaufen. Die Türen waren offen und ich bin hineingegangen. Die Bänke sind alt und das Licht fällt durch die Fenster. Ich habe ein paar Minuten gesessen und die Stille gespürt. Du kannst das auch tun wenn du einen ruhigen Moment brauchst. Es kostet nichts und es verändert den Rest des Tages.
Danach bin ich zum Neckar hinunter. Der Fluss liegt direkt neben der Altstadt und das Wasser fließt ruhig. Ich habe am Ufer gestanden und zugeschaut wie Boote vorbeiziehen. Ein praktischer Tipp von mir: Nimm dir Brot oder Obst mit und setz dich auf einen der Steine. Du bleibst trocken und hast den Blick frei. Ich habe das mehrmals gemacht und jedes Mal war es anders je nach Licht.
Der Weg zur Burg dauert zu Fuß etwa zwanzig Minuten bergauf. Ich habe ihn genommen und bin nicht gerannt. Der Pfad ist breit genug und du kommst an Gärten vorbei. Oben stehst du bei den Ruinen und schaust über die Dächer. Die Stadt liegt unter dir der Neckar schlängelt sich durch und die Weinberge beginnen gleich dahinter. Ich weiß nicht ob das die höchste Stelle ist aber für mich reicht die Aussicht völlig. Du siehst genug um zu verstehen wie alles zusammenhängt.
Esslingen liegt in einer Gegend wo Wein wächst. Ich bin in eine kleine Weinstube gegangen und habe einen Trollinger bestellt. Der Wein kommt von den Hängen ringsum und er schmeckt herb und klar. Dazu habe ich Schupfnudeln genommen. Die Portion war reichlich und der Wirt hat kurz erklärt wo der Wein herkommt. Du findest solche Lokale in den Gassen der Altstadt. Sie sind nicht teuer und du sitzt meist mit Leuten aus der Gegend zusammen. Ich habe das Gefühl gehabt dass der Wein hier zum Alltag gehört nicht nur zum Feiern.
Am Samstag bin ich zum Wochenmarkt gegangen. Die Stände stehen auf dem Platz und es gibt frisches Gemüse Brot und Käse. Ich habe Äpfel gekauft und später am Fluss gegessen. Die Verkäufer reden mit dir wenn du fragst und sie erklären gern woher die Sachen kommen. Du brauchst nicht viel Geld um etwas Gutes mitzunehmen. Ein paar Euro reichen und du hast etwas Echtes in der Tasche.
Ich habe die Stadt mehrmals zu Fuß durchquert und immer wieder neue Wege genommen. Einmal bin ich über die alte Brücke gegangen und habe den Blick zurück auf die Türme geworfen. Die Brücke ist schmal und du spürst den Fluss unter dir. Dann bin ich in eine Seitengasse abgebogen und habe einen kleinen Platz gefunden mit einer Bank und einem Baum. Dort habe ich gesessen und einfach nur geschaut. Keine Menschenmassen keine laute Musik. Nur die Stadt die ihren Tag lebt.
Wenn du mit dem Auto kommst dann lass es besser außerhalb stehen. Die Altstadt ist für Fußgänger gedacht und Parkplätze sind knapp. Ich bin immer mit dem Zug gekommen und das hat alles einfacher gemacht. Von Stuttgart aus brauchst du keine halbe Stunde und der Zug fährt regelmäßig. Du sparst dir die Suche und kannst direkt loslaufen.
Einmal habe ich ein Fahrrad gemietet und bin am Neckar entlanggefahren. Die Wege sind flach und gut ausgeschildert. Du kommst an Wiesen vorbei und siehst die Weinberge von unten. Ich habe angehalten wo es mir gefallen hat und habe das Wasser gehört. Der Ausflug hat nicht länger als zwei Stunden gedauert und ich war zurück bevor es dunkel wurde. Du kannst das auch machen wenn du Bewegung brauchst ohne große Anstrengung.
Mir ist aufgefallen dass die Abende hier besonders ruhig sind. Die Lichter gehen in den Fenstern an und du hörst Schritte auf dem Pflaster. Ich bin durch die Gassen gegangen und habe die beleuchteten Fassaden gesehen. In einem Café habe ich noch einen Apfelsaft getrunken und die Kellnerin hat kurz mit mir geredet über das Wetter und den Fluss. Es war nichts Besonderes und genau deshalb hat es mir gefallen.
Du kannst hier einen ganzen Tag verbringen ohne dass es zu viel wird. Morgens am Markt mittags am Fluss nachmittags auf dem Berg und abends in der Weinstube. Ich habe das so gemacht und nie das Gefühl gehabt etwas zu verpassen. Alles liegt nah beieinander und du entscheidest selbst wie schnell du bist.
Die Häuser in der Altstadt haben Details die du erst beim zweiten Hinsehen bemerkst. Manche Balken sind geschnitzt andere tragen alte Zeichen. Einige der ältesten erhaltenen Fachwerkhäuser stehen hier. Ich habe vor einem Haus gestanden und die Jahreszahl über der Tür gelesen ohne Druck etwas zu tun. Es hat gereicht einfach da zu sein. Du nimmst mit was du siehst und lässt den Rest liegen.
Ich bin mir nicht sicher ob jeder Besucher das Gleiche fühlt aber für mich hat Esslingen am Neckar etwas Ruhiges und Festes. Der Fluss die alten Gassen der Wein und die Möglichkeit alles zu Fuß zu erreichen. Du kommst an und gehst wieder und nimmst ein paar klare Bilder mit. Den Kaffee auf dem Marktplatz den Blick von oben den Geschmack des Weins.
Wenn du das nächste Mal in der Gegend bist dann steig aus dem Zug und lauf los. Du wirst sehen was ich meine. Die Stadt wartet nicht auf dich aber sie lässt dich gern herein.


