Birr Castle Demesne

Du betrittst Birr Castle Demesne durch den Hof in der kleinen Stadt Birr, und schon spürst du, wie sich der Alltag ein Stück zurückzieht. Ich habe das zum ersten Mal gemacht, an einem Vormittag, als der Nebel noch über dem Gras lag, und ich wusste nicht genau, was mich erwarten würde. Nur dass es mehr als nur ein Schlossgarten sein sollte.

Ich habe die Karte aus dem Hof mitgenommen, die einfache Wege zeigt, und bin losgegangen. Zehn Kilometer Pfade liegen vor dir, flach genug, dass du ohne Anstrengung alles erreichst. Der erste Abschnitt führt am Fluss Camcor entlang. Das Wasser plätschert leise, und ich habe gesehen, wie Enten zwischen den Schilfhalmen schwammen. Kein lautes Rauschen, nur dieses stetige Fließen, das dich langsamer werden lässt.

Im Historischen Wissenschaftszentrum, das in den alten Stallungen untergebracht ist, beginnt für mich immer der eigentliche Besuch. Ich habe dort die alten Kameras betrachtet, die Mary, die Countess of Rosse, benutzt hat. Sie hat Aufnahmen vom Teleskop gemacht, von ihren Kindern, von Besuchern. Die Belichtungszeiten dauerten bis zu zwanzig Sekunden, und doch wirken die Bilder lebendig. Ich habe gefühlt, wie nah hier Wissenschaft und Familie beieinander lagen. Du siehst die Instrumente, die der dritte Earl of Rosse in den eigenen Werkstätten gebaut hat, zusammen mit den Leuten aus Birr. Kein ferner Gedanke, sondern etwas, das hier entstanden ist.

Dann gehst du hinaus zum Großen Teleskop. Es steht mitten im Park, ein riesiges Gebilde aus grauem Stein und Metall. Der Tubus misst über zwanzig Meter, der Spiegel fast zwei Meter im Durchmesser. Ich habe davor gestanden und mir vorgestellt, wie der Earl damit in den Nachthimmel geschaut hat. Er entdeckte die Spiralform von Galaxien, und für Jahrzehnte war dieses Instrument das größte seiner Art weltweit. Menschen kamen aus ganz Europa, um es zu sehen oder selbst durchzuschauen. Heute steht es still da, aber es funktioniert noch. Ich habe mich gefragt, ob es nicht gerade diese Mischung aus Vergangenheit und Präzision ist, die den Ort so besonders macht. Du spürst, dass hier jemand etwas gewagt hat, weit weg von den großen Städten.

Die Gärten umgeben dich dann wie ein eigenes Reich. Über fünftausend Arten von Bäumen und Pflanzen wachsen hier, viele davon haben die Earls von ihren Reisen mitgebracht. Ich bin den Roten-Baum-Pfad gegangen, fünf Kilometer lang, und habe bei einem Mammutbaum angehalten, der so hoch aufragt, dass du den Kopf in den Nacken legen musst. Der Stamm fühlt sich rau an, fast warm. Später habe ich unter einer Wisteria gestanden, deren Ranken schon über hundert Jahre alt sind. Im Mai blüht sie lila und schwer, und ich habe den Duft eingeatmet, ohne dass jemand in der Nähe war.

Du läufst weiter zu den formalen Gärten, die Anne, die sechste Countess, in den Dreißigerjahren angelegt hat. Buchsbaumhecken rahmen Beete ein, in denen Magnolien im Herbst noch einmal blühen. Ich habe gesehen, wie das Licht durch die Blätter fiel und Schattenmuster auf den Kieswegen zeichnete. Es gibt einen See, auf dem sich die Wolken spiegeln, und weiter hinten Wasserfälle, wo der Fluss über Steine stürzt. Der alte Hängebrücke aus dem Jahr 1820 – eine der ältesten in Irland – führt dich hinüber, auch wenn sie manchmal gesperrt ist. Dann nimmst du einfach den anderen Weg, und es ändert nichts am Gefühl von Weite.

Ich habe den Park an verschiedenen Tagen besucht, und jedes Mal war es anders. Einmal regnete es leicht, und ich habe die Kapuze hochgezogen und bin trotzdem weitergegangen. Die Wege bleiben gut begehbar, und du brauchst keine besonderen Schuhe, nur feste Sohlen. Ein anderes Mal war es sonnig, und die Wildblumenwiese leuchtete gelb und weiß. Du kannst den ganzen Tag bleiben, ohne dass es langweilig wird. Es gibt ein Café im Hof, wo du einen Tee trinkst und Brot mit lokaler Marmelade isst. Ich habe dort gesessen und beobachtet, wie Familien mit Kindern vorbeizogen. Der Spielplatz ist offen, mit Schaukeln und Klettergeräten, und du hörst das Lachen bis in die Gärten hinein.

Was mich immer wieder überrascht, ist die Ruhe. Du bist nicht allein, aber es fühlt sich so an. Ich habe nur wenige andere Besucher getroffen, selbst an einem Wochenende. Die meisten bleiben bei den ersten Wegen oder beim Teleskop. Wenn du weiter gehst, gehörst du den Pfaden. Hunde sind erlaubt, solange sie an der Leine bleiben und du die Regeln einhältst. Ich habe einen Labrador gesehen, der zufrieden neben seinem Besitzer hertrabte und ab und zu am Fluss trank.

Praktisch gesehen kommst du am besten mit dem Auto. Parkplätze gibt es direkt am Hof. Von Dublin aus dauert die Fahrt etwa zwei Stunden, und du kannst den Besuch mit einem Spaziergang durch Birr verbinden. Die Stadt hat enge Gassen und alte Häuser, die zum Schlendern einladen. Nimm dir Zeit für den Science Centre zuerst. Die Ausstellung gibt dir den Rahmen, und danach siehst du den Park mit anderen Augen. Tickets kaufst du am Eingang oder vorher online. Der Eintritt lohnt sich, weil du den ganzen Tag frei bewegen kannst. Wenn du mehrmals kommen willst, gibt es Jahreskarten, die günstiger sind und dich wie einen Einheimischen fühlen lassen.

Ich habe einmal einen ganzen Vormittag nur am Fluss verbracht und Steine übers Wasser springen lassen. Kein besonderes Ziel, nur das Geräusch und die Bewegung. Später bin ich zum Teleskop zurückgekehrt und habe mir die Konstruktion genauer angeschaut. Die Seile und Kräne, mit denen es bewegt wurde, sind noch da. Es zeigt, dass Wissenschaft hier nicht abstrakt war, sondern Handarbeit. Du spürst den Respekt vor dem, was Menschen mit ihren Händen und ihrem Kopf schaffen können.

Die Pflanzen erzählen ihre eigene Geschichte. Manche Magnolien blühen spät im Jahr, andere Bäume stammen aus fernen Ländern. Ich habe eine Tafel gelesen, die erklärt, woher ein bestimmter Strauch kommt, und habe mich gefragt, wie es wohl war, ihn als Setzling herzubringen. Der Park ist kein Museum, sondern ein lebendiger Ort. Er verändert sich mit dem Wetter, mit den Jahreszeiten, mit dir selbst.

Wenn du Kinder dabei hast, freuen sie sich über den Spielplatz und die offenen Wiesen. Wenn du allein kommst, findest du Stille. Ich habe beides erlebt und jedes Mal etwas Neues entdeckt. Einmal habe ich einen Fuchs am Waldrand gesehen, nur kurz, bevor er verschwand. Ein anderes Mal habe ich einfach auf einer Bank gesessen und den Wind in den Blättern gehört.

Birr Castle Demesne lässt dich nicht mit großen Worten zurück. Es zeigt dir einfach, was möglich ist, wenn Neugier und Sorgfalt zusammenkommen. Du gehst hinaus, nimmst den Geruch von feuchter Erde mit und denkst vielleicht schon darüber nach, wann du wiederkommst. Ich habe das getan. Und ich werde es wieder tun.

black brick