Freiburg im Breisgau
Ich habe Freiburg das erste Mal betreten und sofort gemerkt wie die Stadt einen nicht überfordert. Du steigst aus dem Zug und bist schon fast da wo du hinwillst. Kein langes Suchen nach dem Zentrum. Die Bächle laufen rechts und links der Straßen entlang und das Wasser plätschert so leise dass du es erst hörst wenn du stehen bleibst. Ich habe gesehen wie Leute einfach drüber springen und wie Touristen manchmal hineintreten obwohl sie wissen dass das nicht geht. Die Regel ist alt und ich habe nie herausgefunden ob sie wirklich gilt aber sie bringt einen zum Lächeln.
Das Münster ragt einfach so in den Himmel. Ich bin den Turm hochgestiegen und habe auf jeder Plattform kurz durchgeatmet. Oben angekommen siehst du die Dächer der Altstadt und dahinter den Schwarzwald. Du erkennst die Linie der Berge und spürst wie nah die Natur hier ist. Ich habe den roten Sandstein unter den Fingern gespürt und mich gefragt warum so viele Städte ihre alten Bauten nicht so gut erhalten. Hier wirkt alles als ob es einfach weiterlebt. Unten auf dem Platz habe ich mir an einem Stand Brezeln gekauft und sie noch warm gegessen während die Glocken schlugen.
Du kannst die Altstadt zu Fuß in einer Stunde durchqueren aber das würde dir die besten Ecken nehmen. Ich habe mir Zeit gelassen und bin durch die schmalen Gassen zwischen dem Schwabentor und dem Martinstor gegangen. Die Häuser stehen so eng dass du fast das Gefühl hast sie lehnen sich zu dir herüber. An manchen Stellen riecht es nach frischem Brot aus einer Bäckerei die seit Generationen dieselbe Adresse hat. Ich habe dort einen Kaffee getrunken und den Leuten zugeschaut die mit ihren Fahrrädern vorbeifahren. Fast jeder zweite hat eins. Die Stadt hat mehr Radwege als du brauchst und das macht das Fortkommen einfach. Du mietest dir eins am Bahnhof und bist in zehn Minuten am Fluss.
Die Dreisam fließt durch die Stadt und ich bin einmal entlanggelaufen bis zum Vauban-Viertel. Dort haben sie Häuser gebaut die fast ohne Autos auskommen. Ich habe gesehen wie Kinder auf der Straße spielen und Eltern ihre Einkäufe mit dem Lastenrad nach Hause bringen. Die Solarzellen auf den Dächern glänzen und du merkst dass hier jemand ernsthaft darüber nachgedacht hat wie man leben kann ohne alles kaputt zu machen. Ich bin mir nicht ganz sicher ob das Modell überall funktioniert aber hier fühlt es sich natürlich an. Du kannst dort in einem Café sitzen und die Ruhe genießen die trotzdem lebendig bleibt.
Wenn du Hunger hast gehst du am besten zum Münsterplatz wenn Markt ist. Ich habe frische Erdbeeren aus der Region gekauft und sie sofort probiert. Daneben stehen Stände mit Käse aus dem Schwarzwald und Brot das noch nach Holzofen riecht. Einmal habe ich in einer kleinen Wirtschaft Zwiebelkuchen bestellt und dazu einen Weißwein aus dem Kaiserstuhl getrunken der nur zwanzig Kilometer entfernt liegt. Der Wirt hat mir erklärt welche Traube er verwendet und ich habe genickt obwohl ich die Hälfte nicht verstanden habe. Es hat trotzdem geschmeckt und das reicht.
Du kannst von Freiburg aus schnell in den Schwarzwald kommen. Ich habe den Bus genommen und war nach einer halben Stunde in einem Tal wo nur noch Wanderwege weiterführen. Der Pfad war gut ausgeschildert und ich bin hoch bis zu einer Lichtung wo du die ganze Rheinebene siehst. Unten in der Stadt hast du das Gefühl von Leben und oben bist du allein mit dem Wind. Ich habe dort oben gesessen und ein Brot gegessen das ich mir eingepackt hatte. Die Kombination aus Stadt und Wald macht Freiburg besonders. Du brauchst keine langen Planungen. Ein Ticket für den Nahverkehr reicht und du bist draußen.
Die Universität hält die Stadt jung. Ich habe abends am Bertoldsbrunnen gesessen und die Studenten beobachtet die von Vorlesungen kommen. Sie tragen Rucksäcke und diskutieren laut und du spürst die Energie ohne dass es hektisch wird. Einmal habe ich in einer Buchhandlung in der Nähe gestöbert und ein Buch über die Geschichte der Bächle gefunden. Der Verkäufer hat mir erzählt dass die Kanäle schon im Mittelalter angelegt wurden um die Straßen sauber zu halten. Heute erfüllen sie denselben Zweck und noch viel mehr. Du kannst stundenlang zuschauen wie das Wasser fließt und vergisst die Zeit.
Ich habe einmal einen Regentag in Freiburg erlebt und gedacht dass es langweilig werden würde. Stattdessen bin ich ins Augustinermuseum gegangen und habe mir die alten Skulpturen angeschaut. Die Räume sind ruhig und du kannst in Ruhe stehen bleiben ohne dass jemand drängelt. Danach habe ich mich in einer Konditorei verkrochen und einen Kuchen gegessen der so buttrig war dass ich ihn noch Tage später geschmeckt habe. Der Regen hat die Bächle lauter gemacht und die Stadt hat plötzlich anders gerochen. Frisch und grün.
Wenn du mit dem Auto kommst lass es am besten stehen. Die Parkplätze am Rand sind günstig und von dort läufst du oder nimmst die Straßenbahn. Ich habe das gemacht und nie bereut. Die Innenstadt ist sowieso für Fußgänger gedacht und du kommst schneller voran als mit dem Wagen. Nimm dir eine Karte mit oder frag einfach jemanden. Die Leute hier geben dir gerne Auskunft auch wenn du nur ein paar Brocken Deutsch sprichst. Ich habe einmal einen Mann gefragt wie ich zum Schlossberg komme und er hat mich fast den ganzen Weg begleitet weil er denselben Weg hatte.
Abends wird es stiller aber nicht tot. Ich bin durch die Gerberau gegangen und habe in einer Bar ein Bier getrunken das aus einer kleinen Brauerei ein paar Straßen weiter stammt. Die Gespräche um mich herum waren leise und ich habe mich gefragt warum mehr Städte nicht so entspannt wirken. Du kannst dort sitzen und einfach nur sein. Kein Druck irgendetwas zu erleben. Das Erleben passiert von allein wenn du die Augen offen hältst.
Ich habe Freiburg mehrmals besucht und jedes Mal etwas Neues entdeckt. Einmal war es der Wochenmarkt mit den Kräutern aus dem Umland. Ein anderes Mal der Blick vom Lorettoberg wenn die Sonne untergeht. Du siehst die Lichter der Stadt und die Dunkelheit des Waldes dahinter. Die Mischung bleibt spannend. Du kannst einen Tag lang durch die Straßen laufen und am nächsten Tag nur im Café sitzen und die Leute beobachten. Beides fühlt sich richtig an.
Praktisch gesehen lohnt es sich eine Mehrtageskarte für den Nahverkehr zu kaufen. Damit kommst du in den Schwarzwald und zurück ohne extra zu zahlen. Ich habe das gemacht und bin bis nach Titisee gefahren nur um den See zu sehen und wieder zurück. Der Zug war pünktlich und die Fahrt hat keine Stunde gedauert. Wenn du Rad fahren willst gibt es Stationen wo du eins ausleihen kannst. Die App ist einfach und du zahlst nur für die Zeit die du brauchst.
Die Märkte sind nicht nur für Touristen da. Ich habe gesehen wie Einheimische ihre Einkäufe erledigen und mit den Händlern reden als ob sie sich seit Jahren kennen. Das schafft eine Vertrautheit die du spürst auch wenn du nur zuschaust. Nimm dir Zeit für den Fischmarkt am Samstag. Die Auswahl ist klein aber frisch und du kannst direkt etwas mitnehmen für ein Picknick am Fluss.
Ich habe einmal in einer Pension nahe der Altstadt übernachtet. Das Zimmer war klein und das Bett quietschte aber morgens hast du den Duft von frischem Kaffee aus der Küche gerochen und alles war gut. Die Wirtin hat mir erzählt wo ich den besten Kuchen finde und ich habe ihren Tipp befolgt. Solche kleinen Hinweise machen den Unterschied. Du brauchst keine großen Pläne. Nur offene Augen und die Bereitschaft ein paar Schritte zu gehen.
Freiburg bleibt in Erinnerung weil es nicht versucht perfekt zu sein. Die Gassen haben Ecken die nicht aufgeräumt wirken. Die Bächle sind manchmal schmutzig nach einem starken Regen. Und trotzdem funktioniert alles. Du gehst weiter und findest immer wieder etwas das dich zum Stehenbleiben bringt. Ich habe das gefühlt und ich denke du wirst es auch fühlen wenn du hinfährst. Die Stadt lässt dich einfach machen und zeigt dir dabei mehr als du erwartet hast.

