Rheinromantik

Du steigst in Koblenz aus dem Zug und siehst den Rhein direkt vor dir liegen. Ich habe das vor einiger Zeit gemacht und sofort gemerkt, dass dieser Abschnitt anders ist als der Rest des Flusses. Die Ufer rücken zusammen, die Felsen werden steiler und plötzlich taucht die erste Burg auf. Du nimmst den nächsten Zug Richtung Bingen oder fährst einfach mit dem Schiff weiter. Beides funktioniert. Ich habe beides probiert und fand das Schiff ruhiger, weil du nur dasitzen und schauen musst.

Die Loreley kommt irgendwann in Sicht. Sie steht bei St. Goarshausen und ragt genau 132 Meter hoch aus dem Wasser. Ich habe oben gestanden und den Fluss beobachtet, wie er sich durch die enge Kurve drückt. Die Strömung ist hier stärker als anderswo. Schiffe fahren langsamer und die Kapitäne halten Abstand zum Felsen. Ich habe einen Frachter gesehen, der fast stillzustehen schien, während er die Stelle passierte. Du kannst die Loreley zu Fuß erreichen. Vom Ort aus führt ein Weg mit ein paar hundert Stufen hinauf. Ich habe es einmal gemacht und war danach verschwitzt, aber die Aussicht hat alles ausgeglichen. Unten am Felsen gibt es eine kleine Plattform. Du siehst die Schiffe von oben und hörst nur das Wasser und ab und zu einen Zug auf der anderen Seite.

Ich habe die Sage von der Loreley nie ganz ernst genommen. Sie stammt aus einem Gedicht und wurde später immer weiter erzählt. Trotzdem habe ich gespürt, warum die Geschichte hier entstanden ist. Der Felsen wirkt wie ein Wächter. Du stehst dort und fragst dich unwillkürlich, ob früher wirklich jemand gesungen hat. Ich weiß nicht, ob es die Strömung oder die Enge war, die Schiffe in Schwierigkeiten brachte. Es fühlt sich einfach passend an.

Von der Loreley aus siehst du gleich zwei Burgen auf der anderen Seite. Die Burg Katz und die Burg Maus liegen sich gegenüber. Die Namen sind so direkt, dass ich beim ersten Mal lachen musste. Katz oben, Maus etwas tiefer. Ich habe die Fähre von St. Goar genommen und bin zur Maus rübergefahren. Der Weg hoch ist kurz und steil. Oben bist du fast allein. Die Burg ist klein und gut erhalten. Du gehst durch die alten Räume und siehst, wie eng das Leben früher war. Ich habe mich in einen Fensterbogen gesetzt und den Rhein betrachtet. Kein Lärm, nur der Wind und das Wasser unten.

Etwas weiter flussabwärts liegt die Burg Rheinfels. Sie ist die größte Ruine am ganzen Mittelrhein. Ich bin einmal einen ganzen Nachmittag dort geblieben. Du zahlst einen kleinen Eintritt und kannst frei herumlaufen. Die Keller sind kühl und feucht. Ich habe eine Taschenlampe mitgenommen, weil manche Gänge dunkel sind. Oben auf den Mauern siehst du den ganzen Talabschnitt. Ich habe gezählt, wie viele Schiffe in einer Stunde vorbeikamen. Es waren neun. Die Burg hat früher Schiffe kontrolliert und Zoll kassiert. Du spürst das noch, wenn du auf den alten Wehrgängen stehst.

Ich habe die Marksburg bei Braubach besucht. Sie ist die einzige Burg hier, die nie zerstört wurde. Du fährst mit dem Rad den Rheinradweg entlang oder nimmst den Bus vom Bahnhof. Die Führung dauert knapp eine Stunde. Ich habe sie mitgemacht und danach allein noch einmal durch die Höfe gegangen. Die Kanonen stehen noch da, die Wände sind dick und die Aussicht geht weit. Du siehst, wie strategisch der Platz gewählt wurde. Für mich war das der Moment, wo die Romantik plötzlich greifbar wurde. Nicht kitschig, einfach nur klar und alt.

Praktisch gesehen brauchst du feste Schuhe. Ich habe einmal leichte Turnschuhe angezogen und bereut. Die Wege zu den Burgen sind oft steinig und nach Regen rutschig. Nimm eine leichte Jacke mit, auch wenn die Sonne scheint. Am Fluss ändert sich das Wetter schnell. Ich habe an einem Tag Sonne, Regen und wieder Sonne gehabt. Der Rheinradweg ist gut ausgeschildert. Du kannst dein Fahrrad im Zug mitnehmen. Viele Regionalzüge erlauben das ohne Aufpreis. Ich habe das gemacht und bin von Koblenz bis nach Bacharach gefahren. Unterwegs habe ich in Kaub haltgemacht.

Dort liegt die Pfalzgrafenstein mitten im Rhein. Eine Burg auf einer Insel. Du nimmst die kleine Fähre für Fußgänger. Sie kostet wenig und fährt alle paar Minuten. Ich bin rübergefahren und habe die Burg fast für mich allein gehabt. Du stehst auf dem Turm und der Fluss fließt um dich herum. Es gibt keinen anderen Ort, wo du so mitten im Rhein bist. Ich habe dort ein Brot gegessen, das ich in Kaub gekauft hatte, und einfach nur zugeschaut.

In den Dörfern am Ufer findest du Gasthäuser, die Zimmer vermieten. Ich habe einmal in einem alten Haus in Oberwesel geschlafen. Das Fenster ging direkt zum Fluss. Nachts hörte ich die Schiffe vorbeifahren, leise und gleichmäßig. Am Morgen gab es frischen Kaffee und Brot aus der Bäckerei nebenan. Du kannst von dort aus zu Fuß zur nächsten Burg gehen. Kein Auto nötig. Das hat mir am besten gefallen. Die Distanzen sind überschaubar. Zwischen zwei Burgen liegen oft nur ein paar Kilometer.

Der Wein gehört dazu. Die Hänge sind steil und die Reben wachsen direkt über dem Fluss. Ich habe in einem kleinen Weingut bei Rüdesheim eine Probe gemacht. Der Riesling schmeckt mineralisch, weil der Boden Schiefer hat. Du trinkst ihn zu einem Stück Käse oder zu gebratenem Fisch. Ich habe das draußen auf einer Bank gemacht und den Rhein gesehen. Es passt zusammen, ohne dass jemand es extra erklären muss.

Du kannst die ganze Strecke in zwei Tagen schaffen, wenn du dich auf drei Burgen und die Loreley konzentrierst. Ich habe mir mehr Zeit genommen und war danach ruhiger. Der Radweg ist flach, die Schiffe fahren langsam genug, dass du alles siehst. Wenn du wandern willst, gibt es den Rheinsteig. Er führt direkt an vielen Aussichtspunkten vorbei. Ich bin ein Stück davon gelaufen und habe Weinberge durchquert. Die Trauben hingen schwer an den Stöcken. Ein Winzer hat mir eine Handvoll gegeben, als ich vorbeikam.

Die Burgen verändern sich je nach Licht. Morgens liegen sie noch im Schatten, mittags leuchten sie hell und abends werden sie rot. Ich habe das von einem Schiff aus gesehen und später vom Ufer. Beides ist gut. Vom Schiff aus wirken sie wie eine Kette. Du siehst eine nach der anderen auftauchen und wieder verschwinden. Ich habe versucht, sie zu zählen. Es sind mehr als zwanzig allein auf diesem Abschnitt. Manche sind nur Ruinen, andere sind bewohnt oder zu Hotels umgebaut.

In Stolzenfels bei Koblenz steht eine Burg, die später umgebaut wurde. Die Gärten sind gepflegt und du kannst durch die Räume gehen. Ich war dort an einem ruhigen Wochentag. Keine Gruppen, nur ein paar andere Besucher. Du spürst die verschiedenen Epochen. Mittelalter unten, späterer Ausbau oben. Das hat mich mehr beeindruckt als jede einzelne Geschichte.

Du packst am besten leicht. Ein Rucksack reicht. Wasser, etwas zu essen, eine Karte oder die App für den Radweg. Ich habe die App benutzt und bin nie falsch abgebogen. Die Züge fahren regelmäßig, die Fähren auch. Wenn du mit dem Auto kommst, parkst du in den Orten und nimmst die Fähren. Es ist einfacher als du denkst. Die Parkplätze sind meist klein, aber ausreichend.

Ich habe den Mittelrhein jetzt schon ein paar Mal bereist. Jedes Mal habe ich etwas Neues gesehen. Einmal war das Wasser besonders hoch, ein anderes Mal niedrig und die Felsen schärfer. Die Loreley bleibt gleich. Sie steht einfach da und schaut hinunter. Du schaust hoch und fühlst dich für einen Moment ganz klein. Das ist es, was bleibt. Nicht die Sage, nicht die Burgen allein, sondern dieses Gefühl, dass der Fluss und die Felsen schon lange hier sind und noch lange bleiben werden. Du fährst weiter und nimmst es mit.

a scenic view of a city with a winding road
a couple of people walking down a cobblestone street