Bunratty Castle

Ich habe Bunratty Castle zum ersten Mal vom Auto aus gesehen, als ich aus Richtung Shannon kam. Du biegst von der Hauptstraße ab, parkst auf dem großen Platz direkt daneben und stehst plötzlich vor diesem Turm aus grauem Stein. Kein riesiges Märchenschloss, sondern ein fester Block, der seit Jahrhunderten da steht. Ich habe den Motor ausgemacht und einen Moment gewartet. Die Luft roch nach Gras und ein bisschen nach Torf.

Du gehst los und merkst schnell, dass der ganze Ort aus zwei Teilen besteht. Zuerst das Freilichtmuseum, das Folk Park. Ich bin durch die schmalen Gassen gelaufen, zwischen den nachgebauten Häusern aus dem 19. Jahrhundert. Manche haben Reetdächer, andere weiße Wände und kleine Fenster. In einem Cottage brannte ein Torffeuer. Die Wärme schlug mir entgegen, obwohl draußen frischer Wind wehte. Ich habe eine Frau beobachtet, die Wolle spann, genau so, wie es früher gemacht wurde. Sie hat mir kurz zugelächelt und weitergemacht. Du kannst hier stundenlang bleiben und einfach zuschauen. Es gibt einen Schmied, der Eisen bearbeitet, und eine alte Schule, in der noch Tafeln hängen. Kinder rennen herum und füttern die Hühner. Ich habe gesehen, wie ein Junge eine Ziege streichelte und dabei lachte. Das ist kein Museum mit Glasvitrinen. Es fühlt sich an, als ob das Leben einfach weitergeht.

Ich bin dann weiter zum Schloss selbst. Der Eingang liegt ein Stück erhöht. Du kaufst das Ticket am Schalter, und schon bist du drin. Die unteren Räume sind kühl und dunkel. Ich habe die Hand an die Wand gelegt. Der Stein war rau und kalt, genau wie man es erwartet. Die Treppe nach oben ist eng und gewunden. Jede Stufe ist unterschiedlich hoch. Ich habe mich an der Seilschlaufe festgehalten und Schritt für Schritt genommen. Oben in der großen Halle hängen Wandteppiche und alte Möbel. Ein langer Tisch steht da, als ob gleich jemand zum Essen käme. Ich habe mich gefragt, wie viele Mahlzeiten hier schon stattgefunden haben. Die Fenster sind klein und tief eingelassen. Durch sie siehst du hinaus auf die Wiesen und den Fluss in der Ferne.

Ich bin die Treppe weiter nach oben gestiegen, bis ganz aufs Dach. Der Wind hat mir ins Gesicht geweht. Von dort oben erkennst du, warum der Ort früher wichtig war. Das Land liegt flach, der Fluss schlängelt sich durch. Ich habe ein paar Minuten gestanden und einfach geschaut. Keine Menschenmassen, nur ein paar andere Besucher, die leise redeten. Du merkst, dass die Stufen steil sind und die Absätze rutschig werden können, wenn es feucht ist. Ich trage immer feste Schuhe mit gutem Profil. Das hat mir geholfen, als ich wieder runterging. Manche Leute haben Turnschuhe an und kommen langsamer voran. Nimm dir Zeit. Es lohnt sich, in jedem Stockwerk kurz stehen zu bleiben und die Details anzuschauen. Die Möbel sind nicht nachgemacht, sie stammen aus der Zeit. Ein Stuhl mit hoher Lehne, ein Bett mit schweren Vorhängen. Ich habe die Hand über das Holz gleiten lassen und gedacht, dass hier wirklich jemand gesessen hat.

Wenn du den Tag planst, komm am besten vormittags. Dann hast du das Folk Park fast für dich. Die Busse treffen meist später ein. Ich habe den Parkplatz nie voll erlebt, auch wenn viele Leute kommen. Das Ticket gilt für beides, Schloss und Freilichtmuseum. Du kannst zwischen den Teilen hin und her wechseln, wie es dir passt. Es gibt Bänke, wo du eine Pause machen kannst. Ich habe mein Brot dort gegessen und den Vögeln zugeschaut. In der Nähe gibt es ein altes Pub, direkt am Eingang. Manche Besucher gehen dort mittags hin. Ich habe das auch einmal gemacht. Das Essen war einfach und gut, und man sitzt draußen, wenn das Wetter mitspielt.

Am Abend bin ich zurückgekommen, für das Bankett. Du musst das im Voraus buchen. Die Plätze sind begrenzt, und es füllt sich schnell. Ich habe meinen Platz in der großen Halle eingenommen. Lange Tische, Kerzenlicht, keine Stühle mit Lehnen. Die Bedienung trug Kleidung aus der alten Zeit und hat uns begrüßt, als wären wir Gäste des Lords. Zuerst gab es Honigmet in Bechern. Ich habe den ersten Schluck genommen und gemerkt, wie süß und stark er ist. Dann kamen vier Gänge. Suppe, Fleisch, Gemüse, Brot. Alles wurde auf Platten serviert, und wir haben gemeinsam gegessen. Kein feines Porzellan, sondern Holz und einfache Teller. Die Sänger standen auf und haben angefangen. Ihre Stimmen füllten den Raum. Sie sangen alte Lieder, ohne Mikrofon. Ich habe den Bass gespürt, wie er von den Wänden zurückkam. Zwischendurch haben sie Witze gemacht und uns einbezogen. Ein Mann neben mir wurde auf die Bühne geholt und musste ein Lied mitsingen. Er hat gelacht und es versucht. Die Stimmung war warm, obwohl die Steine kalt blieben.

Ich habe während des Essens gemerkt, wie die Leute sich entspannten. Zuerst saßen alle ein bisschen steif da, dann redeten sie miteinander, prosteten sich zu. Die Musiker wechselten zwischen Harfe, Geige und Gesang. Es dauerte etwa drei Stunden, und ich habe keine Sekunde gelangweilt. Du bekommst keinen Luxus, sondern ein Stück Alltag aus einer anderen Zeit. Die Portionen waren groß genug, dass niemand hungrig blieb. Ich habe den Met nicht zu Ende getrunken, weil er mir zu süß wurde, aber das Wasser und der Tee danach waren genau richtig. Am Schluss spielte ein Dudelsack, als wir hinausgingen. Die Nachtluft war frisch. Ich bin zum Auto gegangen und habe noch einmal zurückgeschaut. Der Turm stand dunkel da, nur ein paar Lichter brannten.

Wenn du mit Kindern kommst, achte auf die Treppen. Die sind nichts für kleine Beine ohne Begleitung. Ich habe Eltern gesehen, die ihre Kinder trugen. Für Erwachsene ist es machbar, solange du keine Knieprobleme hast. Nimm eine Jacke mit. Im Schloss zieht es, auch im Sommer. Im Folk Park kannst du länger draußen sein. Es gibt einen Spielplatz und Wege, die mit Kinderwagen befahrbar sind. Ich habe eine Familie getroffen, die den ganzen Tag blieb und abends zum Bankett ging. Sie sagten, das sei der perfekte Einstieg in Irland nach dem Flug.

Du kannst den Ort auch mit einem Mietwagen erkunden. Von Shannon aus ist es der einfachste erste Stopp. Die Straße ist gut ausgeschildert. Ich habe den Tank in Limerick gefüllt und war rechtzeitig da. Wenn du länger bleiben willst, gibt es Hotels und Gästehäuser in der Nähe. Manche liegen nur fünf Minuten zu Fuß entfernt. Ich habe einmal in einem davon übernachtet und am nächsten Morgen noch einmal durch den Park gelaufen, als alles still war. Die Nebel hingen über den Wiesen. Das war ein anderes Bild als am Tag.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich alles gesehen habe, was es dort gibt. Es gibt immer wieder neue Ecken, neue Geschichten, die die Mitarbeiter erzählen. Jemand hat mir von den früheren Besitzern berichtet, von Kämpfen und Bündnissen. Ich habe nur zugehört und genickt. Die Fakten bleiben im Hintergrund. Was bleibt, ist das Gefühl, einen Ort zu betreten, der echt ist. Kein Nachbau, kein Filmset. Du gehst durch Räume, in denen Menschen gelebt haben. Du isst, wo sie gegessen haben. Und du nimmst etwas mit, das du später noch spürst, wenn du an Irland denkst.

Der Parkplatz war nie ein Problem. Die Wege sind gut gepflegt. Du brauchst keinen Guide, aber die freiwilligen Helfer im Folk Park erklären gern Details, wenn du fragst. Ich habe einen alten Bauernhof besichtigt und erfahren, wie die Leute früher Kartoffeln lagerten. Solche kleinen Dinge bleiben hängen. Wenn du das nächste Mal in der Gegend bist, nimm dir den halben Tag. Oder den ganzen. Und wenn es abends passt, buche das Bankett. Es lohnt sich, die Halle bei Kerzenlicht zu sehen. Ich habe es getan und würde es wieder tun. Nicht weil es spektakulär ist, sondern weil es einfach passt. Der Stein, die Stimmen, das Essen, der Wind draußen. Alles zusammen ergibt einen Tag, den du nicht so schnell vergisst.

an old castle with a gate and trees around it
A castle with a bench in front of it