Limerick City

Ich bin ohne großen Plan nach Limerick gefahren. Ich wollte Wasser sehen, Häuser, Gesichter. Ich hatte ein paar Notizen, sonst nichts. Die Stadt empfing mich ohne Aufregung, fast gleichgültig, aber das war mir recht. Ich mochte, dass nichts sich anstrengte, Eindruck zu machen.

Am ersten Tag bin ich einfach am Shannon entlanggelaufen. Der Fluss ist breit und wirkt träge, als hätte er keine Eile. Ich blieb stehen und sah die Möwen zwischen den Brücken kreisen. Ein Mann fütterte sie mit Brotstücken aus einer Papiertüte. Ich fragte ihn, ob das hier erlaubt sei. Er lachte und sagte, das sei Limerick, hier mache jeder, was er könne. Ich wusste nicht, ob das ironisch gemeint war.

Ich habe eine Unterkunft in der Nähe von King John’s Castle genommen, ein kleines Haus mit knarzenden Dielen. Die Wirtin erzählte mir beim Frühstück von den Überschwemmungen vor ein paar Jahren. Sie zeigte auf die Straße und sagte, das Wasser sei damals bis zum Fenster gestiegen. Ich sah hinaus und versuchte, mir das vorzustellen. Ich glaube, ich hatte erwartet, dass eine Stadt mit so viel Geschichte ernster wirkt, aber sie ist eher leise stolz.

Ich habe mich in den engen Straßen verloren. Catherine Street, Denmark Street, O’Connell Street. Viele Schilder sind alt, manche halb abblätternd. In einem Café hinter einem verregneten Fenster roch es nach frischem Brot. Die Kellnerin sprach mich sofort an, fragte, ob ich zum ersten Mal hier sei. Ich erzählte ihr, dass ich eigentlich nur ein paar Tage bleiben wollte. Sie meinte, das sagten viele, und dann kämen sie wieder. Ich weiß nicht, ob ich das tue, aber ich verstand, was sie meinte.

In den Pubs blieb ich länger sitzen, als ich wollte. Nicht wegen der Musik, sondern wegen der Gespräche. Irgendjemand fragte immer nach meinem Namen, danach nach dem Grund, warum ich hier sei. Ich sagte, ich wisse es nicht genau, und das schien als Antwort zu genügen. Niemand wirkte in Eile. Ich habe selten Orte erlebt, an denen Menschen still trinken, ohne auf ihr Telefon zu schauen.

Wenn du irgendwann nach Limerick kommst, nimm dir Zeit für den Milk Market. Es ist kein großer Markt, aber er hat mir gefallen. Käse, Brot, Seifen, Kleidung, vieles handgemacht. Eine Frau verkaufte Keramikschalen, jede leicht unterschiedlich geformt. Ich fragte, ob sie sie selbst mache. Sie nickte, aber sie klang nicht stolz, eher sachlich. Ich kaufte eine kleine Schale für Münzen, einfach, weil ihre Glasur die Farbe des Flusses hatte.

Ich habe an einem Nachmittag den Bus nach University of Limerick genommen. Es war weiter draußen, ruhiger. Junge Menschen mit Kopfhörern, Fahrräder auf den Wegen, Grünflächen am Ufer. Die Architektur dort ist kantig und kühl, aber der Campus hat etwas Offenes, das mir gefiel. Ich saß lange auf einer Bank und sah zu, wie der Himmel aufriss. Irgendwo in der Ferne spielte jemand Gitarre, und obwohl ich das Lied nicht kannte, klang es vertraut.

Ich habe gemerkt, dass Limerick besser zu Fuß funktioniert als mit dem Auto. Der Verkehr ist eng, aber die Gehwege bringen dich fast überall hin. Wenn du über den Shannon willst, nimm die Matthew Bridge. Ich bin sie mehrmals gegangen, morgens, mittags, abends. Der Blick auf den Fluss verändert sich mit dem Licht. Morgens wirkt er kalt, abends fast schwarz. Ich habe nie gesehen, dass jemand darin schwimmt, vielleicht ist das besser so.

Ich habe ein kleines Museum entdeckt, das Hunt Museum. Es war fast leer, als ich dort war. Skulpturen, Gemälde, alte Werkzeuge. Ich blieb länger vor einem Kreuz aus Elfenbein stehen, weil jemand es aus der Nähe sehen wollte und ich den Platz frei hielt. Eine Wärterin kam vorbei und fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich nickte, aber ich glaube, ich dachte an etwas anderes, vielleicht an die Zeit, die alles sammelt und manchmal nichts erklärt.

Praktisch gesehen ist Limerick überschaubar. Du findest in der Innenstadt alles zu Fuß. Wenn du Geld abheben willst, nimm lieber Automaten in den größeren Banken, die anderen schlucken manchmal Karten. Busverbindungen sind unregelmäßig, vor allem am Sonntag. Das WLAN in Cafés ist oft besser als in Hotels. Regen kommt plötzlich, also lohnt es sich, eine Jacke griffbereit zu haben. Trinkwasser ist sauber, schmeckt leicht mineralisch.

Ich habe gelernt, dass man hier gern früh redet. Schon morgens beim Bäcker grüßt dich jeder, als wärest du Teil der Straße. Manche sagen einfach „Morning, love“, auch wenn sie dich noch nie gesehen haben. Ich mochte das. In anderen Städten wirkt das aufgesetzt, hier nicht. Vielleicht, weil niemand darin ein Ritual sieht.

An einem Abend stand ich auf der Brücke und sah, wie sich die Lichter der Stadt im Fluss spiegelten. Ein paar Jugendliche liefen vorbei, lachten, einer rief etwas Unverständliches. Ich habe nicht fotografiert. Ich wollte mir das merken, genau so, etwas unscharf.

Es gibt Städte, die sofort etwas von dir verlangen, Aufmerksamkeit, Urteile, Beurteilungen. Limerick tat das nicht. Sie ließ mich herumlaufen, beobachten, hören, und das war schon genug. Ich habe selten so deutlich gespürt, dass eine Stadt dich nicht beeindrucken will, sondern einfach da ist. Vielleicht ist das der Grund, warum ich sie nicht vergessen kann.

a blue building with a restaurant on the top of it
a bridge over a body of water with buildings in the background
a bridge over a river in a city