Eine Wanderung im Hunsrück
Ich habe vor Kurzem eine Wanderung im Hunsrück gemacht und dabei gemerkt wie wenig ich eigentlich von dieser Region wusste. Du kennst das vielleicht auch. Man plant eine Tour und denkt sich das wird schon gehen. Dann stehst du da am Startpunkt und fragst dich ob die Schuhe wirklich reichen oder ob du nicht doch mehr Wasser hättest mitnehmen sollen. Bei mir war es eine Runde von knapp vierzehn Kilometern mit dreihundert Höhenmetern. Sie führte durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald und hieß Traumschleife Felsenweg. Ich bin in Losheim am See losgelaufen. Der Parkplatz liegt direkt an der Straße und kostet nichts. Das hat mir gleich gefallen. Kein langes Suchen kein Ticketautomat.
Der Weg beginnt flach durch Buchenwald. Ich habe den Rucksack zurechtgerückt und bin einfach los. Nach ein paar Minuten ging es schon bergauf. Nicht steil aber stetig. Meine Beine haben sich erinnert wie schwer dreihundert Meter Aufstieg eigentlich sind. Du spürst jeden Schritt. Der Boden war weich von Laub und Nadeln. An manchen Stellen lagen noch Reste von Schnee in den Senken obwohl der Rest schon weg war. Ich habe mich gefragt ob das immer so ist oder nur an diesem Tag. Später habe ich gelernt dass der Hunsrück im Frühjahr oft feucht bleibt. Die Markierungen sind weiße Schilder mit einer schwarzen Schleife. Sie hängen zuverlässig an Bäumen und Pfosten. Einmal habe ich trotzdem gezögert weil eine Abzweigung unklar wirkte. Dann kam das Schild doch noch. Solche kleinen Momente halten dich wach.
Nach einer Stunde erreichte ich die ersten Felsformationen. Große Sandsteinblöcke lagen da als hätte jemand sie hingelegt. Ich bin ein paar Schritte abseits gegangen und habe mich auf einen gesetzt. Von da aus sah man hinunter ins Tal. Keine dramatische Aussicht aber eine ruhige. Bäume so weit das Auge reichte. Dazwischen ein paar Wiesen und ein Bach der leise plätscherte. Ich habe eine Handvoll Nüsse gegessen und das Wasser getrunken das ich dabeihatte. Tipp von mir: Nimm immer mindestens einen Liter mit. Es gibt unterwegs kaum Möglichkeiten nachzufüllen. Die nächste Bank kam erst nach weiteren drei Kilometern.
Der Pfad führte dann in eine kleine Schlucht. Hier wurde es enger. Wurzeln kreuzten den Weg und Steine lagen lose. Ich habe die Stöcke rausgeholt die ich sonst selten nutze. Sie haben geholfen. Du merkst schnell dass der Hunsrück keine Alpen sind aber auch keine flachen Wiesen. Die Steigungen kommen in Etappen. Ich habe eine Stelle gesehen wo ein Bach über Felsen floss. Das Wasser war klar und kalt. Ein paar Meter weiter stand eine alte Köhlerhütte. Sie war nachgebaut und mit Infotafeln versehen. Ich habe gelesen dass hier früher Holzkohle gebrannt wurde. Die Tafeln waren knapp und sachlich. Kein Schnickschnack. Genau richtig für jemanden der weiterwill.
Mittags war ich am höchsten Punkt der Runde. Etwa vierhundert Meter über dem Ausgangspunkt. Von dort ging es leicht abwärts durch Mischwald. Ich habe zwei Rehe gesehen die sofort wegsprangen. Sie waren so nah dass ich ihren Atem hören konnte. Solche Begegnungen passieren hier öfter als man denkt. Du läufst leise und plötzlich sind sie da. Ich habe angehalten und gewartet bis sie weg waren. Dann ging es weiter. Die Sonne kam durch die Bäume und wärmte den Rücken. Nicht zu heiß. Genau richtig zum Gehen.
Du fragst dich vielleicht warum ich das alles so genau aufschreibe. Weil ich will dass du siehst wie praktisch so eine Tour sein kann. Die Traumschleifen sind alle als Rundwege angelegt. Du startest und endest am selben Punkt. Das spart Zeit und Nerven. Viele sind zwischen sechs und zwanzig Kilometer lang. Ich habe mir vorher auf einer Tafel am Parkplatz die Karte angeschaut. Die Schleife war mit einer Nummer versehen. Kein GPS nötig obwohl ich es trotzdem dabeihatte. Die App hat nur bestätigt was die Schilder schon sagten. Unterwegs habe ich eine Pause an einer Bank gemacht die direkt am Weg stand. Jemand hatte dort eine kleine Holztafel angebracht mit dem Hinweis dass man hier gut Vögel beobachten kann. Ich habe keinen gesehen aber das Zwitschern war laut genug.
Der Abstieg zog sich länger hin als gedacht. Meine Knie haben gemerkt dass dreihundert Höhenmeter auch abwärts anstrengend sind. Ich habe langsamer gemacht und die Stöcke wieder benutzt. An einer Stelle führte der Weg über eine kleine Brücke aus Holz. Der Bach darunter war breit genug dass man nicht springen konnte. Ich habe kurz gestanden und zugeschaut wie das Wasser floss. Solche Momente sind es die hängen bleiben. Nicht die großen Gipfel sondern die kleinen Dinge am Rand.
Zwei Stunden später war ich wieder am Auto. Die Füße taten weh aber auf eine gute Art. Ich habe die Schuhe ausgezogen und die Socken gewechselt. Tipp Nummer zwei: Immer Ersatzsocken einpacken. Der Hunsrückboden ist oft matschig und die Feuchtigkeit zieht schnell ein. Danach bin ich noch in das nächste Dorf gefahren. Dort gab es einen kleinen Gasthof der einfache Gerichte anbot. Ich habe eine Suppe genommen und ein Bier. Nichts Besonderes aber genau das was man nach vier Stunden Laufen braucht. Die Wirtin hat erzählt dass viele Wanderer hier vorbeikommen. Sie kannte die Schleife und hat gesagt dass sie im Herbst besonders schön sei wenn das Laub sich färbt.
Ich habe auf dem Rückweg noch einmal über den Weg nachgedacht. Die Mischung aus Wald und offenen Stellen hat mir gefallen. Mal dicht mal weit. Mal steil mal flach. Das hält den Kopf frei. Du brauchst keine extreme Kondition aber du solltest fit genug sein um vier Stunden am Stück zu gehen. Ich habe vorher zwei kürzere Touren gemacht um mich vorzubereiten. Das hat geholfen. Auch die Packliste war einfach. Rucksack mit zwölf Kilo. Regenjacke weil der Wetterbericht unsicher war. Sie blieb im Rucksack. Trotzdem gut dass sie da war.
Wenn du selbst hinwillst dann schau dir die Traumschleifen an. Sie sind alle gut ausgeschildert und die meisten haben Parkplätze direkt am Start. Manche starten auch an Bushaltestellen falls du mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommst. Ich bin mit dem Auto gekommen weil es einfacher war. Die Straßen sind schmal aber gut befahrbar. Tankstellen gibt es in den größeren Orten. Idar-Oberstein oder Morbach zum Beispiel. Dort findest du auch Supermärkte für Proviant.
Auf dieser Wanderung habe ich gemerkt dass der Hunsrück nicht laut schreit. Er flüstert. Du hörst es nur wenn du langsam genug gehst. Die alten Wege die früher für Kohle und Eisen genutzt wurden sind heute für uns da. Ich habe einen Abschnitt gesehen wo der Pfad noch die Spuren von Fuhrwerken trug. Kleine Rillen im Stein. Solche Details bleiben hängen. Du läufst und plötzlich verstehst du ein bisschen mehr von der Geschichte die unter deinen Schuhen liegt.
Ich bin nicht der Typ der jede Tour plant bis ins letzte Detail. Deshalb habe ich auch nicht alles gesehen was möglich gewesen wäre. Die Römerburg die auf einer anderen Schleife liegt habe ich ausgelassen. Nächstes Mal vielleicht. Stattdessen habe ich mich auf diesen einen Weg konzentriert und das hat gereicht. Du musst nicht alles machen. Ein Stück reicht oft aus um zu spüren was die Region ausmacht.
Am Ende des Tages habe ich die Karte noch einmal aufgefaltet. Die Schleife war ein Kreis auf Papier. In echt war sie voller Kurven und Überraschungen. Ich habe den Zettel eingesteckt und bin nach Hause gefahren. Die Beine waren schwer aber der Kopf war leicht. Das ist es was ich mitnehme. Und den Rat an dich: Geh einfach los. Nimm genug zu trinken mit. Bleib auf den Markierungen. Und lass dir Zeit an den Stellen wo der Weg es verdient. Der Rest ergibt sich von allein.

