Skellig Michael

Du sitzt im kleinen Boot, das von Portmagee aus losfährt. Die Wellen schlagen gegen den Rumpf und du hältst dich fest. Ich habe das selbst erlebt und mich gefragt, ob die Überfahrt wirklich so kurz ist wie angekündigt. Vierzig bis sechzig Minuten später taucht die Insel auf. Skellig Michael steht da wie ein steiler Felsen mitten im Atlantik. Du siehst sofort die scharfen Kanten und die wenigen grünen Flecken. Kein großer Hafen wartet auf dich. Nur ein paar Steinstufen führen vom Wasser hoch.

Ich bin damals mit einer der erlaubten Bootstouren hingefahren. Die Kapitäne kennen die Strömungen genau. Sie sagen dir vorher, dass du feste Schuhe brauchst und eine Jacke, die den Wind aushält. Das habe ich unterschätzt. Der Wind kommt von allen Seiten und du spürst ihn schon auf dem Boot. Trotzdem hat es sich gelohnt. Du landest und die Gruppe verteilt sich langsam. Es gibt keine Schilder oder Absperrungen. Nur die alten Steinwege der Mönche.

Du gehst los und zählst die Stufen. Es sind genau sechshundertachtzehn. Manche sind hoch, manche niedrig und keine hat ein Geländer. Ich habe auf halber Höhe angehalten und nach unten geschaut. Das Meer lag tief unter mir und die Wellen sahen klein aus. Oben angekommen merkst du erst, wie still es wird. Der Wind pfeift zwar weiter, aber die Geräusche der Welt bleiben zurück. Die sechs Bienenkorbhütten stehen noch fast unversehrt. Die Mönche haben sie ohne Mörtel aus den Steinen der Insel gebaut. Jede Hütte ist rund und die Wände laufen nach oben spitz zu. Ich habe meine Hand auf einen der Steine gelegt. Er fühlte sich kühl an und gleichzeitig fest, als hätte er Jahrhunderte einfach nur gewartet.

Zwölf Mönche plus ein Abt sollen hier gelebt haben. Sie kamen irgendwann zwischen dem sechsten und achten Jahrhundert her. Ich stelle mir vor, wie sie jeden Tag die gleichen Stufen hoch und runter gestiegen sind. Wasser holen, beten, den kleinen Garten pflegen. Sie haben Oratorien gebaut, winzige Gebetsräume, und sich von der Welt abgeschottet. Ich weiß nicht genau, ob sie das aus reiner Frömmigkeit taten oder weil sie einfach Ruhe suchten. Aber es muss hart gewesen sein. Kein Holz für Feuer, kein frisches Essen außer dem, was der Ozean hergab. Und trotzdem haben sie durchgehalten, bis das Klima im dreizehnten Jahrhundert sie zurück ans Festland trieb.

Du stehst zwischen den Hütten und schaust über das Meer. Die Aussicht geht endlos. Ich habe dort oben gesessen und den Vögeln zugeschaut. Tausende Papageientaucher nisten hier. Sie fliegen so nah vorbei, dass du ihre bunten Schnäbel erkennst. Auch Gannets und andere Seevögel kreisen. Die Insel ist voll von ihnen. Die Mönche haben das sicher auch gesehen. Vielleicht hat es ihnen geholfen, die Einsamkeit auszuhalten.

Dann denkst du plötzlich an die Filme. Die Regisseure haben genau diese Insel als Ort für Luke Skywalkers Exil ausgesucht. Sie haben die alten Steine und die Bienenkorbhütten einfach so gelassen, wie sie waren. Du erkennst die Plätze sofort wieder. Die Stelle, wo Rey ankam, die Felsen, auf denen die Szenen gedreht wurden. Ich habe mich gefragt, ob die Mönche das komisch gefunden hätten. Ein Ort, der jahrhundertelang nur für Gebet und Stille stand, wird plötzlich Teil einer Geschichte über Jedi und die Macht. Es passt aber irgendwie. Die Isolation, die Suche nach etwas Größerem, die Stille, die dich zwingt, nach innen zu hören. Ich habe dort oben gestanden und kurz das Gefühl gehabt, als würde die Luft anders sein. Nicht magisch oder so. Einfach anders. Ruhiger.

Praktisch gesehen solltest du die Tour früh buchen. Die Plätze sind begrenzt und die Boote klein. Die meisten starten in Portmagee. Manche Kapitäne nehmen nur zwölf Leute mit. Ruf ein paar Tage vorher an oder lass dir von deiner Unterkunft helfen. Die Saison läuft nur von Mai bis Oktober. Davor oder danach fährt nichts. Und selbst dann kann das Wetter alles kippen. Ich habe erlebt, wie eine Tour am Morgen abgesagt wurde, weil der Wind zunahm. Nimm dir deshalb keinen engen Plan für den Nachmittag vor. Pack Proviant ein. Es gibt nichts auf der Insel außer dem, was du mitbringst. Und feste Schuhe mit gutem Profil. Die Stufen sind glatt, wenn es feucht wird.

Auf dem Rückweg sitzt du wieder im Boot und schaust zurück. Die Insel wird kleiner und du spürst, wie die Welt dich wieder aufnimmt. Ich habe das Gefühl mitgenommen, dass man solche Orte nicht einfach abhakt. Man nimmt etwas mit, das man nicht genau benennen kann. Die Mischung aus alter Mönchsgeschichte und dem, was die Filme daraus gemacht haben, macht Skellig Michael einzigartig. Du siehst die Hütten und denkst an die Mönche. Dann siehst du die gleichen Hütten und denkst an die Jedi. Beides passt zusammen, ohne dass eins das andere verdrängt.

Ich habe auf dem Boot mit einem anderen Besucher gesprochen. Er kam nur wegen der Filme. Nach dem Aufstieg sagte er, dass die alten Steine ihn mehr beeindruckt haben als erwartet. Mir ging es ähnlich. Die Vögel, der Wind, die Steine. Du merkst, wie klein du bist und wie lange diese Insel schon da steht. Die Mönche haben das gewusst. Sie haben sich bewusst dafür entschieden. Und du, der du nur für ein paar Stunden kommst, nimmst ein Stück davon mit nach Hause.

Wenn du planst hinzufahren, achte auf die Wettervorhersage am Tag davor. Die Kapitäne entscheiden früh. Nimm Wasser mit und etwas Warmes zum Anziehen. Die Sonne kann scheinen und der Wind trotzdem beißen. Und lass dir Zeit beim Aufstieg. Es geht nicht um Schnelligkeit. Es geht darum, oben anzukommen und einfach da zu sein. Zwischen den alten Hütten, mit dem Meer ringsum. Ich habe das gemacht und es hat sich angefühlt, als würde die Insel mir etwas zeigen. Nicht laut. Nicht dramatisch. Einfach still und klar. Du spürst es selbst, wenn du dort stehst.

a grassy area with a body of water in the background
A scenic view of a grassy hill with a body of water in the distance
a group of birds sitting on top of a rock