Regensburg

Ich bin vor ein paar Monaten wieder nach Regensburg gefahren und habe mir diesmal bewusst mehr Zeit genommen als sonst. Du kommst vielleicht mit dem Zug an und steigst am Bahnhof aus, und schon nach fünf Minuten Fußweg merkst du, dass die Stadt anders ist. Nicht laut, nicht hektisch. Ich habe den Rucksack abgesetzt und bin einfach losgelaufen, ohne Plan, und das hat sich gelohnt.

Die Altstadt zieht sich hin wie ein altes Labyrinth. Ich habe gesehen, wie du in einer der schmalen Gassen plötzlich vor einem Haus stehst, dessen Fassade leicht schief wirkt, weil sie seit Jahrhunderten so steht. Kein Makel, eher ein Zeichen, dass hier nichts künstlich glattgebügelt wurde. Du kannst stundenlang durch diese Straßen gehen, ohne dass dir langweilig wird. Ich habe das gemacht, an einem Nachmittag, der eigentlich nur kurz sein sollte, und bin erst bei Einbruch der Dämmerung wieder rausgekommen.

Die Steinerne Brücke ist für mich der Punkt, an dem alles zusammenläuft. Ich bin frühmorgens rübergegangen, als noch kaum jemand unterwegs war. Der Stein unter den Schuhen fühlt sich rau an, fast lebendig. Das Wasser der Donau fließt darunter durch, und du hörst es richtig, weil die Brücke so niedrig liegt. Ich habe mich hingehockt und zugeschaut, wie ein paar Enten gegen die Strömung ankämpften. Praktischer Tipp von mir: Geh bei Sonnenaufgang hin. Dann hast du die Brücke fast für dich allein und kannst später in Ruhe frühstücken, ohne dass du dich durch Gruppen drängeln musst.

Gleich daneben liegt der Dom. Ich habe ihn schon oft von außen gesehen, aber diesmal bin ich rein und habe mich einfach auf eine Bank gesetzt. Die hohen Gewölbe schlucken die Geräusche von draußen. Du spürst die Kälte der Steine, auch im Sommer. Ich habe gefühlt, wie ruhig es plötzlich wird. Kein Museum, kein Ticketzwang, einfach ein Raum, in dem du atmen kannst. Wenn du später rausgehst, nimm den kleinen Weg rechts rum. Dort steht ein winziger Laden, der frische Brezen verkauft. Ich habe mir eine geholt und sie noch warm gegessen, während ich weiterlief.

Abends wird es lebendig, aber nie übertrieben. Ich habe in einer der Wurstküchen direkt am Fluss gesessen. Die Bänke sind eng, die Kellnerin hat mir ohne große Worte eine Portion Bratwurst mit Kraut hingestellt. Dazu ein Bier aus der Region. Nichts Besonderes auf den ersten Blick, aber genau das hat gezogen. Du isst und schaust auf die Donau, und plötzlich merkst du, dass du seit einer halben Stunde nicht mehr aufs Handy geschaut hast. Ich habe das schon dreimal gemacht und jedes Mal gedacht, dass ich das zu Hause auch öfter so halten sollte.

Wenn du länger bleibst, lohnt es sich, ein Fahrrad zu mieten. Ich habe das getan und bin den Donauweg entlanggefahren. Nach zehn Minuten bist du schon außerhalb der Stadt, aber die Türme bleiben im Blick. Der Weg ist flach, der Wind kommt vom Wasser. Du siehst Jogger, Hundebesitzer, ein paar Angler. Keine großen Schilder, keine Touristenfallen. Einfach ein Stück Fluss, das du für dich hast. Ich habe angehalten, wo es mir passte, und habe Brot aus dem Rucksack gegessen. Das reicht.

Die Menschen hier haben eine eigene Art. Ich habe mit einem älteren Mann gesprochen, der jeden Morgen auf der Brücke steht und die Tauben füttert. Er hat mir erzählt, wo man am besten Kaffee bekommt, ohne dass ich gefragt habe. Solche Begegnungen passieren öfter. Du fragst nach dem Weg und bekommst eine Geschichte dazu. Nicht aufdringlich, einfach so. Ich habe das gemerkt, als ich in einem kleinen Buchladen stand und der Verkäufer mir drei Bücher über die Stadtgeschichte in die Hand drückte, weil er sah, dass ich mich umschaute.

Für Übernachtungen gibt es keine großen Ketten in der Altstadt. Ich habe in einer Pension geschlafen, die nur acht Zimmer hat. Das Fenster ging auf einen Hinterhof raus, wo morgens die Tauben gurrten. Günstig, sauber, und der Besitzer hat mir am ersten Abend eine Karte mit seinen Lieblingsplätzen gegeben. Du kannst das auch machen. Such dir etwas Kleines, zentral. Dann sparst du Zeit und läufst mehr.

Einmal bin ich mit dem Schiff rausgefahren. Nicht die große Tour, sondern die kurze, die nur eine Stunde dauert. Ich habe oben an Deck gestanden und zugeschaut, wie die Stadt langsam kleiner wird. Die Brücke, der Dom, die Dächer. Du siehst alles noch einmal aus einer anderen Perspektive. Danach bin ich zurück und habe mich in einen der Parks am Ufer gesetzt. Dort spielen Kinder, Leute lesen, jemand spielt Gitarre. Nicht perfekt, aber echt.

Wenn du Hunger auf etwas anderes hast, gibt es einen Markt am Neupfarrplatz. Ich war samstags dort. Frisches Obst, Käse, Brot. Ich habe mir ein Stück Käse und ein paar Äpfel gekauft und bin damit weitergezogen. Du kannst dort essen, ohne dass es teuer wird. Die Händler reden mit dir, wenn du fragst. Ich habe einen gefragt, welcher Käse am besten zu dem Bier passt, das ich am Abend trinken wollte, und er hat mir zwei Sorten eingepackt.

Die Stadt ist nicht riesig. Du kannst sie in ein paar Tagen gut erfassen, aber du wirst merken, dass du immer wieder etwas Neues siehst. Ich habe beim dritten Besuch plötzlich einen kleinen Innenhof entdeckt, den ich vorher nie bemerkt hatte. Mit einem Brunnen und zwei Bänken. Niemand war da. Ich habe mich hingesetzt und einfach nur dagesessen. Das klingt vielleicht nach wenig, aber genau das hat mir gefallen.

Zum Schluss noch ein Tipp für den Rückweg. Nimm den Zug zurück, wenn du kannst. Ich habe das gemacht und bin am Fenster gesessen, während die Donau noch eine Weile neben den Schienen herlief. Du siehst die Brücke noch einmal aus der Ferne. Ich habe gedacht, dass ich bald wieder hinfahren werde. Nicht weil es neu ist, sondern weil es vertraut geworden ist. Du wirst das vielleicht auch so empfinden, wenn du erst mal dort warst. Es ist kein Ort, den man abhakt. Es ist einer, zu dem man zurückkehrt.

a boat traveling down a river next to tall buildings