Wandern in den Wicklow Mountains

Du stehst am Parkplatz in Glendalough und spürst schon den leichten Nieselregen auf der Haut. Ich habe den Bus von Dublin genommen und bin direkt hier ausgestiegen. Der Fahrer hat mir noch geraten die Karte im Besucherzentrum zu holen. Für fünfzig Cent bekommst du sie und sie zeigt dir alles was du brauchst. Der Spinc Trail liegt gleich vor dir. Dreizehn Kilometer insgesamt mit einem Aufstieg der dir die Beine spüren lässt.

Ich bin losgelaufen und gleich die ersten Meter haben mich überrascht. Die Miner’s Road führt dich flach durch den Wald. Dann kommen die Stufen. Sechshundert Stück zähle ich während ich hochgehe. Mein Puls steigt und die Oberschenkel brennen ein bisschen. Oben auf dem Grat öffnet sich der Blick. Der Upper Lake liegt tief unten. Das Wasser schimmert graugrün. Ich habe mich hingesetzt und einfach nur geschaut. Kein Lärm außer dem Wind der über die Felsen streicht.

Du fragst dich vielleicht ob der Weg zu nass wird. Ich habe das auch gedacht. Der Regen setzt ein und hört wieder auf. In einer Stunde hast du vier Jahreszeiten erlebt. Deshalb trage ich immer die wasserdichte Jacke und die festen Stiefel. Die haben mir geholfen als der Pfad matschig wurde. Ohne sie wäre ich ausgerutscht. Die Stöcke die ich dabei hatte haben mir auf den steilen Abschnitten Stabilität gegeben. Ich habe sie beim Abstieg in die Glenealo Valley benutzt und sie haben mir Kraft gespart.

Unten im Tal siehst du die alten Steinruinen. Ich habe dort gestanden und die runden Türme betrachtet. Die Schafe weiden direkt daneben. Sie schauen dich kurz an und fressen weiter. Einmal habe ich ein Reh gesehen das zwischen den Eichen stand. Es blieb ganz ruhig. Ich habe mich nicht bewegt und es hat mich eine Minute lang beobachtet bevor es verschwand. Solche Momente machen den Weg besonders.

Wenn du den Wicklow Way ausprobierst dann fang klein an. Der Abschnitt von Roundwood nach Glendalough misst dreizehn Kilometer. Ich habe ihn an einem klaren Tag gemacht. Der Pfad führt durch Kiefernwälder und über Boardwalks die den Moor schützen. Du spürst den Boden unter den Schuhen federn. Am Ende des Tages erreichst du die Talsohle und siehst die Poulnanass Waterfall. Das Wasser rauscht achtzig Meter runter. Ich habe dort gestanden und das Spritzen auf der Haut gefühlt. Es war kühl und erfrischend.

Du brauchst nicht die ganzen einhundertdreißig Kilometer auf einmal zu gehen. Ich habe nur Teile genommen und das hat gereicht. Von Marley Park in Dublin aus startest du mit dem Bus Nummer sechzehn. Der bringt dich direkt zum Anfangspunkt. Die ersten zwanzig Kilometer sind sanft. Du gehst durch Wälder und siehst die Powerscourt Waterfall von oben. Ich habe dort oben gestanden und den Dunst gerochen. Der Wind kam plötzlich und hat mir die Kapuze ins Gesicht geweht. Das war ein gutes Gefühl. Es hat mich wach gehalten.

Pack leicht aber klug. Ich habe immer zwei Liter Wasser mitgenommen weil die Quellen nicht überall zuverlässig sind. Ein paar Schokoladenriegel haben mir Energie gegeben als der Hunger kam. Die Mücken können lästig werden besonders an feuchten Tagen. Ich habe ein flüssiges Spray benutzt und es hat geholfen. Die Dose in der Tasche wiegt fast nichts. Die Stiefel müssen wasserdicht sein. Ich habe welche mit guter Sohle und sie haben mich nie im Stich gelassen. Ein Paar Ersatzsocken im Rucksack sind Gold wert wenn der Regen richtig einsetzt.

Du kommst an den Djouce Berg. Siebenhundertfünfundzwanzig Meter hoch. Ich habe die letzten Meter auf dem felsigen Pfad geklettert. Der Atem ging schwer aber oben öffnet sich alles. Du siehst den Lough Tay unten liegen. Das Wasser ist dunkel wie Guinness. Ich habe dort gesessen und ein Stück Brot gegessen. Der Wind hat mir die Haare zerzaust. Es fühlte sich frei an. Kein Druck keine Eile.

Weiter südlich wird der Weg welliger. Die Hügel rollen sanft. Ich habe auf dem Abschnitt nach Tinahely nur zwanzig Kilometer gemacht und dabei die Schafe gezählt die überall standen. Sie bewegen sich langsam und geben der Landschaft etwas Ruhiges. Einmal habe ich einen Fuchs gesehen der über den Pfad huschte. Er war rot und schnell. Ich habe nur kurz hingeschaut und er war weg.

Wenn du in Glendalough übernachtest dann geh früh los. Das Licht am Morgen ist weich. Ich bin um sechs Uhr aufgebrochen und hatte den Trail fast für mich. Der Nebel hing über dem See. Ich habe die Schritte auf dem Boardwalk gehört und sonst nichts. Das war der schönste Teil. Du spürst wie die Beine warm werden und der Kopf klar wird.

Nimm dir Zeit für die kleinen Dinge. Ich habe am Glenmacnass Waterfall Pause gemacht. Das Wasser fällt in Kaskaden runter. Ich habe die Hände ins kalte Nass gehalten und es hat mich erfrischt. Danach ging es leichter weiter. Die Karte zeigt dir die Abzweigungen. Du verläufst dich nicht wenn du sie liest.

Du fragst dich vielleicht ob der Regen alles verdirbt. Ich habe das anfangs auch gedacht. Aber er macht die Farben intensiver. Das Grün leuchtet danach stärker. Die Luft riecht nach Erde und Moos. Ich habe das auf dem Weg nach Ballyteige gespürt. Der Pfad war nass aber ich bin trocken geblieben weil ich die Jacke richtig angezogen hatte.

Die Stöcke helfen wirklich. Ich habe sie auf dem Abstieg von der Spinc Ridge benutzt. Der Weg ist steinig und rutschig nach dem Regen. Ohne sie wäre ich langsamer gewesen. Mit ihnen kam ich sicher runter und habe sogar noch Energie für den Rest gehabt.

Wenn du den ganzen Wicklow Way planst dann rechne mit sieben bis zehn Tagen. Ich habe nur Stücke genommen und das hat mir gereicht um die Berge zu spüren. Die Höhenunterschiede summieren sich auf zweitausendfünfhundert Meter. Du merkst das in den Beinen am Abend. Aber es ist ein guter Muskelkater. Der sagt dir dass du etwas geschafft hast.

Du siehst unterwegs die alten Steinmauern. Sie trennen die Weiden. Ich habe dort gestanden und mir vorgestellt wie die Leute früher hier gelebt haben. Keine großen Gedanken nur das Bild im Kopf. Die Schafe weiden immer noch dort. Sie sind das Einzige was sich kaum verändert.

Pack die Handschuhe ein auch im Sommer. Ich habe sie gebraucht als der Wind oben auf dem Grat stärker wurde. Sie wiegen nichts und halten die Finger warm. Ein kleiner Verbandskasten gibt dir Sicherheit. Ich habe ihn nie gebraucht aber er lag im Rucksack und das war beruhigend.

Der Bus zurück nach Dublin fährt regelmäßig. Ich habe ihn am Ende des Tages genommen und die Beine ausgestreckt. Die Landschaft zog vorbei und ich habe noch einmal die Höhen gesehen die ich gelaufen bin. Das Gefühl blieb.

Du kannst das alles in einem Tag schaffen wenn du nur Glendalough nimmst. Oder du dehnst es aus und nimmst mehrere Abschnitte. Ich habe beides gemacht und beide Arten haben mir gefallen. Der kurze Weg gibt dir die schnelle Belohnung. Der längere lässt dich tiefer eintauchen.

Die Boardwalks schützen den Boden. Ich habe darauf gestanden und gemerkt wie stabil sie sind. Sie federn leicht und du gehst sicher. Ohne sie wäre der Moor kaputtgetreten. So bleibt alles erhalten und du kannst immer wieder kommen.

Ich habe einmal mitten im Wald angehalten weil ein Vogel rief. Ein Rabe flog über mir. Sein Schrei hallte nach. Ich habe hochgeschaut und die Wolken ziehen sehen. Das war nur eine Minute aber sie hat den ganzen Tag geprägt.

Du brauchst keine teure Ausrüstung. Gute Stiefel und die Jacke reichen. Ich habe das ausprobiert und es hat funktioniert. Die Stöcke habe ich mir geliehen und zurückgegeben. Sie machen den Unterschied auf den steilen Teilen.

Der Weg nach Glenmalure führt dich durch ein langes Tal. Ich habe dort die Stille gespürt. Keine Autos nur der Wind und meine Schritte. Am Ende des Tages hast du zwanzig Kilometer hinter dir und fühlst dich leicht.

Du siehst die alten Minenruinen am Weg. Ich habe sie berührt und die kalten Steine gefühlt. Die Geschichte steckt noch drin. Keine Erklärungen nötig. Du gehst einfach weiter.

Nimm genug Proviant mit. Ich habe Sandwiches und Obst eingepackt. Die Pubs sind unterwegs aber nicht immer. Ein Apfel hat mir einmal den Tag gerettet als der Hunger kam.

Der Regen hört nie ganz auf aber er hält nie lange. Ich habe das gelernt. Du ziehst die Kapuze hoch und gehst weiter. Nach fünf Minuten scheint wieder die Sonne und alles glänzt.

Ich habe auf dem Sugar Loaf den letzten Anstieg gemacht. Der Pfad ist felsig aber machbar. Oben stehen ein paar Leute und teilen den Blick. Ich habe mich dazugesetzt und nichts gesagt. Das reichte.

Du kommst zurück und die Beine sind müde. Aber der Kopf ist frei. Ich habe das jedes Mal so empfunden. Die Wicklow Mountains lassen dich etwas mitnehmen das bleibt. Die Wege die Seen die Schafe und der Wind. Du gehst hin und kommst verändert zurück.

brown and gray mountains under white sky during daytime
a body of water surrounded by mountains and trees
a body of water with mountains in the background
a view of a mountain range with clouds in the sky