Ballinastoe Woods

Ich war in Ballinastoe Woods an einem Morgen, an dem der Nebel tief hing. Der Parkplatz war fast leer, nur ein paar Autos mit Rädern auf dem Dach. Ich hatte den Ort vorher auf einer Karte gesehen, in einer dieser grünen Zonen zwischen Hügeln, die man leicht übersieht. Ich wollte laufen, nicht weit, einfach ein Stück hinein.

Der erste Abschnitt des Weges war steil. Der Boden weich, fast federnd. Der Duft von Nadelbäumen lag in der Luft, nicht stark, eher wie eine Erinnerung. Ich ging langsamer, als ich dachte. An manchen Stellen lag Laub, das seit Wochen nass war und kaum mehr Form hatte. Wenn man hintritt, klingt es stumpf.

Die Wege sind gut markiert, mit Farben, die kaum auffallen. Manchmal hängt ein Pfeil an einem Baum, verblasst, halb verdeckt von Moos. Ich hatte mich trotzdem einmal verlaufen, weil ich einer Abzweigung zu früh gefolgt war. Man merkt es erst, wenn man niemanden mehr hört. Kein Fahrrad, kein Schritt. Nur Tropfen von den Ästen. Es ist kein gefährlicher Wald, aber einer, in dem man das Gefühl haben kann, weit weg zu sein.

Ich hatte gelesen, dass Ballinastoe früher Teil eines größeren Forstgebiets war, aber vieles wurde neu bepflanzt. Fichten vor allem. Manche Flächen sind so gerade, dass sie wirken, als hätte jemand sie mit einem Lineal gezogen. Es gibt Stellen, an denen man sieht, wie alt die Bäume sind: dünn, gleichmäßig, ohne Brüche. Daneben stehen alte Stämme mit Flechten, krumm und breit. Dieser Kontrast hat mir gefallen.

Du kannst dort gut Mountainbike fahren, die Wege sind bekannt dafür. Ich hatte nur meine Schuhe und einen Rucksack. Auf manchen Abschnitten hörte ich die Reifen der Räder, bevor ich die Fahrer sah. Sie kamen lautlos aus der Kurve, verschwanden wieder. Wenn du gehen willst, solltest du auf die Richtungsschilder achten. Fußgänger teilen sich viele Wege mit den Radfahrern.

Ich blieb mehrmals stehen. Es gibt Aussichtspunkte mit Blick auf das Tal und weiter bis zum Meer. An einem dieser Punkte saßen zwei Leute auf einem Felsen. Ich setzte mich etwas weiter unten, aß Brot und sah zu, wie Wolken Schatten über die Hänge zogen. Ich hatte keinen Plan für den Rest des Tages, und das fühlte sich selten gut an.

Praktisch ist, früh zu kommen. Der Wind wird stärker im Lauf des Tages, vor allem oben, wo der Wald lichter wird. Eine Jacke ist sinnvoll, auch wenn es unten mild ist. Essen und Wasser mitzunehmen lohnt sich, da gibt es keine Stände oder Einkehrmöglichkeiten direkt im Wald. Wenn du mit dem Auto kommst, ist der obere Parkplatz oft besetzt, aber weiter unten gibt es Platz, von dort führt ein Weg hinauf.

Manche Bäume tragen Markierungen, kleine weiße Punkte oder Nummern. Ich denke, sie gehören zu einem Forstprojekt. Es gibt auch kleine Abschnitte mit umgestürzten Stämmen, die einfach liegen bleiben. Der Boden dort ist bedeckt von altem Holz. Ich mochte das – nichts ist gleichmäßig, alles hat Spuren.

Ich hatte erwartet, dass es lauter sein würde. Aber selbst wenn Leute unterwegs sind, verliert sich der Klang. Nur in der Nähe der Radstrecke hört man Rufe, sonst ist es still. Ich hörte meinen eigenen Schritt und das Klicken meiner Flasche im Rucksack.

Irgendwann traf ich einen älteren Mann mit einem Hund. Wir gingen ein Stück denselben Weg. Er erzählte, dass er fast jeden Tag hierherkommt. Er kennt die Stellen, an denen Pilze wachsen und wo manchmal Rehe zu sehen sind. Ich sah keine, aber ich achtete danach mehr auf Bewegungen im Unterholz.

Wenn du gern Fotografierst, lohnt sich das Licht am späten Nachmittag. Dann fällt es schräg durch die Kronen. Ich hatte nur mein Handy, und die Fotos wurden besser, als ich dachte. Weitwinkel funktioniert gut, vor allem, wenn du unten am Weg stehst und die Linien der Bäume nach oben laufen lässt.

Ich habe gemerkt, dass Ballinastoe nicht durch große Höhe oder dramatische Landschaft beeindruckt. Eher durch das Gleichgewicht. Der Wald ist gepflegt, aber nicht glatt. Kein touristischer Ort, obwohl viele ihn kennen. Die Schilder sind dezent, fast bescheiden.

Einmal kam ich an eine Lichtung, wo das Gras höher stand und der Wind gegen die Richtung des Waldes ging. Ich blieb dort einige Minuten, ohne etwas zu tun. Es war dieser Moment, in dem man merkt, dass man nichts erklären muss. Ich ging danach weiter, ohne nachzusehen, wie viele Kilometer es waren.

Wenn du dorthin willst, kannst du die Route schon vorab auf der Karte planen. Es gibt mehrere Schleifen in unterschiedlicher Länge. Eine mittlere dauert zwei bis drei Stunden in gemütlichem Tempo. Die Höhenmeter verteilen sich gut, und du hast regelmäßig offene Abschnitte, wo du den Himmel siehst.

Das Wetter ändert sich schnell. Ich war einmal in Sonne losgegangen und am Ende völlig durchnässt. Ein leichter Regenmantel reicht. Bei starkem Wind schließen manche Wege, weil sie zu rutschig werden. Am besten vorher prüfen, ob alle Abschnitte offen sind.

Ich würde beim nächsten Mal vielleicht ein Rad mieten, um den oberen Trail zu fahren. Nach allem, was ich gesehen habe, lohnt sich das. Wer lieber läuft, findet aber genauso genug Pfade ohne Verkehr.

Es gibt in der Nähe ein kleines Café, fünf Minuten mit dem Auto. Ich habe dort Suppe gegessen, als ich zurückkam. Es war warm, der Tisch wackelte ein wenig. Draußen regnete es weiter, aber leise. Ich sah aus dem Fenster auf das Tal. Der Gedanke, dass der Wald gleich da oben weiterging, machte mich ruhig.

Ich habe später gelesen, dass die Gegend früher Torfgebiet war und viele Drainagegräben noch aus der Zeit stammen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man sie als Linien zwischen den jungen Fichten. Es ist kein wilder Wald, eher ein Bereich, der wieder wächst.

Ich habe den Weg wiedergefunden, an dem ich am Anfang falsch abgebogen war. Er sah auf dem Rückweg völlig anders aus. Das Licht war weicher, und aus irgendeinem Grund roch der Boden stärker. Ich blieb kurz stehen, drehte mich noch einmal um. Dann ging ich weiter.

Stone bridge over a rocky stream with vegetation
a dirt path in the middle of a forest