Garmisch-Partenkirchen und die Partnachklamm

Ich bin vor ein paar Wochen in Garmisch-Partenkirchen angekommen und habe gleich gemerkt wie die Berge direkt über dem Ort stehen. Die Luft fühlt sich anders an hier. Du steigst aus dem Zug oder dem Auto und spürst schon den Zug der Alpen. Ich habe mir ein Zimmer in einer kleinen Pension genommen nicht weit vom Zentrum. Morgens bin ich losgelaufen ohne großen Plan.

Der Ort selbst ist kein reines Ausflugsziel. Du siehst normale Leute die zur Arbeit gehen und daneben Wanderer mit Rucksäcken. Die Häuser haben diese bemalten Fassaden die man aus dem Bayerischen kennt aber es wirkt nicht aufgesetzt. Ich habe einen Vormittag einfach durch die Straßen gestreift und habe gesehen wie der Fluss Partnach durch den Ort fließt. Das Wasser ist klar und kalt. Es hat mich beruhigt einfach nur dazustehen und zuzuhören.

Was mich wirklich hingezogen hat war die Partnachklamm. Ich habe davon gehört und dachte ich probiere es aus. Du kommst am besten zum Skistadion. Dort gibt es Parkplätze und von da aus läufst du etwa zwanzig Minuten zu Fuß. Der Weg ist ausgeschildert und erst breit und asphaltiert. Ich bin ihn gegangen und habe gemerkt wie die Umgebung ruhiger wird. Nach der ersten halben Stunde erreichst du den Eingang. Du zahlst Eintritt und dann beginnt es.

Die Klamm ist etwa siebenhundert Meter lang und bis zu achtzig Meter tief. Das sind keine leeren Zahlen. Du siehst es sofort. Die Felswände ragen senkrecht auf und der Bach drängt sich hindurch. Ich habe den schmalen Steig betreten und habe sofort die Feuchtigkeit gespürt. Das Wasser sprüht hoch. Du gehst direkt am Fels entlang und manchmal durch kurze Tunnel. An manchen Stellen musst du den Kopf einziehen. Ich habe mich gefragt ob der Weg bei starkem Regen zu glatt wird aber mit festen Schuhen ist es machbar.

Der Lärm des Wassers nimmt zu. Du hörst es bevor du die großen Stellen siehst. An einer Stelle biegt der Pfad und plötzlich steht der Bach fast senkrecht vor dir. Die Kraft ist spürbar. Ich habe die Hand ausgestreckt und den Sprühnebel auf der Haut gefühlt. Es ist kalt aber nicht unangenehm. Du gehst langsam weil du immer wieder stehen bleibst und schaust. Die Felsen sind glatt geschliffen vom Wasser über lange Zeit. Moos wächst in den Ritzen wo es feucht bleibt. Licht fällt von oben herein und macht alles ein bisschen heller als erwartet.

Ich habe die Jacke angezogen die wasserdicht ist. Ohne die wäre ich nass geworden. Regenschirme lassen sie nicht zu weil der Weg eng ist und du anderen Leuten entgegenkommst. Gute Wanderschuhe mit Profil sind wichtig. Der Untergrund ist nass und an manchen Stellen rutschig. Ich habe das bei einem Paar gesehen das Turnschuhe trug und vorsichtig gehen musste. Mit den richtigen Schuhen läufst du entspannt.

Der Steig führt dich durch die ganze Klamm. Am Ende kommst du raus und der Bach wird wieder ruhiger. Du kannst weitergehen wenn du willst oder umkehren. Ich bin zurückgelaufen und habe den gleichen Weg genommen. Es war anders beim zweiten Mal weil ich schon wusste was kommt. Die Geräusche haben sich vertraut angefühlt. Auf dem Rückweg zum Skistadion habe ich gemerkt wie die Beine leicht werden nach der Anstrengung die eigentlich keine war. Die Klamm ist nicht anstrengend. Sie ist kurz und der Höhenunterschied hält sich in Grenzen.

Wenn du von weiter her kommst nimmst du die Autobahn bis Garmisch oder den Zug. Vom Bahnhof aus fährt ein Bus direkt zum Skistadion. Das spart Zeit und du musst nicht selbst fahren. Ich habe das gemacht und es hat gepasst. Parken am Stadion kostet etwas aber es lohnt sich. Du bist nah dran und sparst den langen Anmarsch.

In der Stadt selbst findest du nach der Klamm leicht etwas zu essen. Ich habe in einem Gasthaus eingekehrt und habe eine Brotzeit genommen. Das Brot war frisch und der Käse schmeckte nach den Bergen. Du sitzt draußen wenn das Wetter mitspielt und siehst die Leute vorbeigehen. Viele kommen von der Klamm zurück und erzählen davon. Es entsteht so eine kleine Gemeinsamkeit ohne dass jemand viel redet.

Ich habe an einem anderen Tag noch einmal die Klamm besucht nur früher am Morgen. Da waren weniger Menschen unterwegs. Der Nebel hing noch in den Felsen und das Licht war weicher. Du siehst dann Details die dir beim ersten Mal entgangen sind. Kleine Wasserfälle die seitlich herunterlaufen. Stellen wo der Fels fast schwarz wird vom ständigen Nass. Es hat mich überrascht wie ruhig es trotz des Rauschens sein kann wenn du allein bist.

Du kannst die Klamm mit einer längeren Tour verbinden. Vom Ausgang aus führt ein Weg hinauf zum Graseck. Dort gibt es eine Brücke die über die Klamm führt. Ich bin nicht ganz hochgegangen aber der Anfang hat mir gezeigt dass es möglich ist ohne große Vorbereitung. Nimm Wasser mit und etwas zu essen. Der Weg ist gut markiert und du verläufst dich nicht.

Was ich an Garmisch-Partenkirchen schätze ist dass alles nah beieinander liegt. Du machst die Klamm am Vormittag und hast am Nachmittag noch Zeit für den Ort. Ich habe den Friedhof besucht und die alten Grabsteine angeschaut. Die Geschichten die dort stehen sind kurz und echt. Danach bin ich zurück in die Straßen und habe ein Geschäft gefunden das lokale Produkte verkauft. Honig aus der Region und kleine geschnitzte Figuren. Nichts Übertriebenes einfach Dinge die hierher passen.

Ich bin mir nicht ganz sicher warum genau diese Kombination aus Ort und Klamm so gut funktioniert. Vielleicht liegt es daran dass du die Natur direkt vor der Haustür hast ohne lange Anfahrt. Du gehst los und bist mittendrin. Die Partnachklamm zeigt dir die Kraft des Wassers auf eine Art die du spüren kannst. Nicht nur sehen. Du fühlst die Feuchtigkeit im Gesicht und den Boden unter den Schuhen. Das bleibt hängen.

Wenn du planst hinzufahren nimm dir feste Schuhe mit und eine Jacke die dicht hält. Starte früh wenn du Ruhe suchst. Die Wege sind gut gepflegt und die Beschilderung klar. Du brauchst keine besondere Ausrüstung nur die Bereitschaft ein paar Stunden draußen zu sein. Ich habe es mehrmals gemacht und jedes Mal etwas Neues entdeckt. Mal war das Wasser lauter mal ruhiger je nach Wetter. Es ändert sich und genau das macht es interessant.

Der Rückweg vom Skistadion in den Ort dauert wieder zwanzig Minuten. Du kommst an und merkst wie die Beine sich entspannen. Ich habe dann oft noch einen Kaffee getrunken und über den Tag nachgedacht. Die Klamm bleibt im Kopf weil sie so direkt ist. Kein großer Aufwand und doch etwas das du nicht vergisst. Garmisch-Partenkirchen gibt dir den Rahmen dafür. Die Berge drumherum die Straßen die zum Laufen einladen und die Möglichkeit einfach loszugehen.

Ich habe auf dem Weg zur Klamm einmal eine Gruppe gesehen die mit Kindern unterwegs war. Die Kinder sind vorausgelaufen und haben gelacht. Es war möglich ohne Stress. Du passt das Tempo an und es klappt. Für mich war es genau richtig so. Nicht zu einfach nicht zu schwer. Einfach ein Stück Natur das du betreten kannst und das dir zeigt was Wasser über Zeit schafft.

Wenn du in der Gegend bist lohnt es sich den Ort und die Klamm zusammen zu nehmen. Du sparst Wege und bekommst beides. Ich habe das getan und bin mit dem Gefühl heimgefahren dass ich etwas Echtes erlebt habe. Die Erinnerung an das Rauschen und die kühle Luft bleibt. Du kannst es nachmachen. Nimm die Schuhe mit und geh los. Der Rest ergibt sich.

A grassy field with houses and mountains in the background
a group of cows graze in a field
landscape photo of a stream