Powerscourt Gardens

Ich bin das erste Mal durch das Tor von Powerscourt Gardens gegangen und habe sofort gemerkt wie groß die Fläche eigentlich ist. Die 47 Hektar liegen vor dir ausgebreitet und du siehst gleich die breiten Terrassen die sich nach unten ziehen. Ich habe die Stufen genommen und dabei den Wind gespürt der vom Sugarloaf Mountain herüberkommt. Der Berg steht im Hintergrund und rahmt alles ein ohne dass du ihn je vergisst.

Du kommst am besten mit dem Bus Nummer 44 aus Dublin. Die Fahrt dauert knapp eine Stunde und kostet wenig. In Enniskerry steigst du aus und läufst zwanzig Minuten durch den Ort bis zum Eingang. Ich habe das so gemacht und fand es entspannt. Wenn du mit dem Auto kommst parkst du direkt am Gelände. Der Eintritt liegt bei etwa vierzehn Euro für die Gärten und du kannst den ganzen Tag bleiben. Ich rate dir früh am Morgen zu starten. Dann sind die Wege noch leer und das Licht fällt weich auf die Rasenflächen.

Von der Terrasse aus siehst du zuerst den Triton Lake. In der Mitte steht ein Brunnen und das Wasser plätschert ruhig. Ich habe dort gestanden und zugeschaut wie die Oberfläche sich leicht kräuselt. Statuen flankieren den Weg und sie wirken nicht aufdringlich sondern einfach da. Eine davon zeigt geflügelte Pferde und ich habe mich gefragt wer sie wohl aufgestellt hat. Die italienischen Gärten beginnen hier. Die Beete sind streng angelegt mit niedrigen Hecken und Blumen die in Reihen wachsen. Ich habe gezählt dass es Hunderte verschiedene Pflanzenarten gibt und jede Ecke hält eine andere Kombination bereit.

Du gehst weiter und kommst in den japanischen Garten. Hier ändert sich alles. Die Pfade werden schmaler und schlängeln sich zwischen kleinen Bäumen und Steinen hindurch. Ich habe mich hingesetzt und einfach nur zugehört. Kein lautes Rauschen nur das leise Plätschern eines Bachs. Die Ruhe dort hat mich überrascht. Es fühlt sich abgeschieden an obwohl du nur ein paar Minuten von den Terrassen entfernt bist. Nimm dir Zeit für diesen Teil. Wenn du schnell durchläufst verpasst du wie die Blätter sich im Wasser spiegeln.

Danach habe ich die ummauerten Gärten gefunden. Ein großer Rasen liegt in der Mitte und Blumen säumen die Wege. Ich habe dort Blumen gesehen die ich nicht kannte und deren Farben sich im Sonnenlicht veränderten. Praktisch gesehen ist das ein guter Ort um eine Pause zu machen. Du kannst eine Kleinigkeit aus dem Café im Haus holen und dich auf eine Bank setzen. Das Haus selbst hat einen Laden und eine Terrasse wo du etwas isst. Die Preise sind okay für das was geboten wird.

Ich bin weiter in das Tower Valley gelaufen. Dort steht der Pepperpot Tower. Er sieht aus wie ein kleiner steinerner Turm der einfach so in die Landschaft gestellt wurde. Ich habe ihn umrundet und die Aussicht genossen. Der Weg führt durch Waldstücke und du hörst Vögel die du in der Stadt nie bemerkst. An manchen Stellen gibt es versteckte Mulden wo du allein bist. Ich habe eine gefunden und mich gefragt wie viele Besucher sie wohl übersehen.

Der Haustierfriedhof liegt etwas abseits. Kleine Grabsteine mit Namen und Daten stehen zwischen Rosen und Rhododendren. Ich habe die Inschriften gelesen und gemerkt dass sie sehr persönlich klingen. Es ist kein trauriger Ort sondern einer der zeigt wie sehr die Familie den Garten gelebt hat. Du gehst dort langsam und lässt die Details auf dich wirken.

Wenn du noch Energie hast lohnt sich der kurze Weg zum Wasserfall. Er liegt sechs Kilometer entfernt und gehört zum Gelände. Ich bin mit dem Auto hingefahren und habe den 121 Meter hohen Fall gesehen. Das Wasser stürzt herunter und der Nebel bleibt in der Luft hängen. Es ist ein guter Kontrast zu den gepflegten Gärten. Du kannst ihn mit dem Gartenticket kombinieren und sparst Zeit.

Ich habe die Gärten schon zu verschiedenen Jahreszeiten besucht und jedes Mal etwas Neues entdeckt. Im Frühling blühen über fünfzigtausend Zwiebeln und die Farben leuchten. Im Sommer stehen die Hecken hoch und du findest Schatten unter den Bäumen. Im Herbst wechseln die Blätter und der Berg im Hintergrund wird noch deutlicher. Ich bin mir nicht sicher ob es einen perfekten Zeitpunkt gibt aber ich würde dir raten feste Schuhe anzuziehen. Die Wege haben Kies und manchmal kleine Steigungen.

Du kannst den Tag so planen dass du drei bis vier Stunden in den Gärten verbringst. Ich habe das gemacht und bin nicht gehetzt. Starte bei den Terrassen dann geh zum See weiter in den japanischen Teil und schließe mit dem ummauerten Garten ab. Nimm Wasser mit und vielleicht eine leichte Jacke. Das Wetter in Wicklow wechselt schnell und ein Regenschauer kommt ohne Vorwarnung.

Was mich immer wieder beeindruckt hat ist wie gut alles zusammenpasst. Die strengen Linien der italienischen Anlage gehen in die freieren japanischen Pfade über und beides fügt sich in die Wicklow Landschaft ein. Ich habe das Gefühl gehabt dass der Garten nicht gegen die Natur arbeitet sondern mit ihr. Die Statuen und Brunnen sind da aber sie übernehmen nicht. Du siehst sie und gehst weiter.

Einmal habe ich eine Bank am Rand des Sees gefunden und einfach nur gesessen. Der Brunnen plätscherte und ein paar Enten schwammen vorbei. In dem Moment habe ich gedacht dass solche Orte selten sind. Du zahlst Eintritt und bekommst dafür Ruhe und Weite. Ich habe keine Lust auf große Worte aber ich sage dir ehrlich dass ich dort entspannt bin wie sonst selten.

Wenn du mit Kindern kommst gibt es genug Platz zum Laufen. Die Wege sind breit genug und der Spielplatz beim Wasserfall ist nah. Ich habe Familien gesehen die Picknickkörbe mitgebracht haben und auf den Wiesen saßen. Es funktioniert auch für Paare oder allein. Du bestimmst dein Tempo.

Ich bin zurückgekommen und habe noch einmal die Terrassen hinaufgeschaut. Der Blick nach oben zeigt das Haus und die Berge dahinter. Es schließt den Kreis. Du hast alles gesehen und nimmst doch nicht alles mit. Ein paar Details bleiben hängen wie die Form einer Hecke oder der Klang des Wassers im japanischen Garten.

Powerscourt Gardens geben dir das was du brauchst wenn du aus der Stadt kommst. Bewegung frische Luft und Momente wo du einfach nur schaust. Ich habe das mehrmals erlebt und jedes Mal war es anders. Du kannst den Besuch planen aber lass Raum für Überraschungen. Die Wege führen dich und du folgst ihnen.

Ich habe den Bus zurück nach Dublin genommen und die Bilder im Kopf mitgenommen. Die Terrassen der See die Türme und der Berg. Wenn du die Chance hast fahr hin. Du wirst sehen was ich meine und vielleicht noch mehr.

white concrete building near green trees and body of water during daytime
waterfalls on rocky mountain under blue sky during daytime
A scenic fountain flows in a lush, green garden.