Speicherstadt Hamburg
Ich war vor einiger Zeit in Hamburg und habe mir vorgenommen die Speicherstadt richtig zu Fuß zu erkunden. Du weißt schon wie das ist wenn man in einer Stadt ankommt und plötzlich merkt dass man mehr Zeit braucht als gedacht. Ich bin von der U-Bahn-Station Meßberg aus losgelaufen und schon nach wenigen Metern standen diese hohen Backsteingebäude vor mir. Die Fassaden mit ihren Erkern und Giebeln wirken so solide dass man fast vergisst wie alt sie sind. Ich habe nicht damit gerechnet dass der erste Eindruck so ruhig ausfällt obwohl man mittendrin ist.
Du solltest dir bequeme Schuhe mitnehmen denn die Wege bestehen aus Kopfsteinpflaster und das zieht sich. Bei meinem Besuch habe ich das unterschätzt und nach zwei Stunden gespürt wie die Füße protestieren. Aber es lohnt sich weil man so langsam gehen kann und die Details sieht. Die Kanäle dazwischen heißen Fleete und sie ziehen sich wie Adern durch das ganze Viertel. Überall Brücken die teilweise schmal sind und manchmal knarren wenn man drübergeht. Ich habe gezählt wie viele es auf einer Strecke von vielleicht fünfhundert Metern sind und bin bei acht gelandet bevor ich aufgehört habe. Das gibt dir eine Vorstellung wie verwinkelt es hier ist.
Was mich sofort angesprochen hat war wie die Gebäude gebaut sind. Sie stehen auf Eichenpfählen im Wasser und das merkt man an manchen Stellen wenn man nah rangeht. Die Lagerböden sind hoch und hatten früher große Tore für die Schiffe die direkt anlegen konnten. Heute sind viele davon umgenutzt aber die Struktur ist geblieben. Ich bin an einem Morgen los und es war noch nicht viel los. Die Sonne kam gerade durch und das Wasser hat die roten Ziegel reflektiert. Das hat mir gefallen weil es so unaufgeregt wirkte. Nicht wie ein Museum unter freiem Himmel sondern wie ein Ort der einfach da ist und funktioniert.
Du kommst dann automatisch am Wasserschloss vorbei das auf einer kleinen Insel im Fleet steht. Es sieht aus wie ein kleines Schloss und ich habe dort eine Weile gestanden und zugeschaut wie ein paar Enten vorbeischwimmen. Praktisch gesehen ist das ein guter Punkt um Pause zu machen. Es gibt Bänke in der Nähe und man kann einfach stehen bleiben ohne dass jemand drängelt. Ich habe mir einen Kaffee aus der Speicherstadt Kaffeerösterei geholt die ganz in der Nähe liegt. Dort rösten sie vor Ort und der Duft zieht durch die Gassen. Das hat mich an meine eigene Küche erinnert nur viel intensiver. Wenn du Kaffee magst dann probierst du dort einen und nimmst vielleicht eine Packung mit. Ich habe das getan und es war eine gute Entscheidung weil der Geschmack zu Hause noch nachgewirkt hat.
Dann bin ich weiter zum Miniatur Wunderland. Ich hatte vorher gelesen dass es die größte Modelleisenbahn der Welt ist und war trotzdem überrascht wie viel Platz es einnimmt. Du kaufst dir besser ein Ticket im Voraus weil es voll werden kann. Bei mir hat es drei Stunden gedauert bis ich alles gesehen habe und ich bin mir nicht sicher ob ich wirklich alles erfasst habe. Die Züge fahren durch Szenen aus verschiedenen Ländern und die Details sind verrückt. Ein winziger Bergsteiger an einer Felswand oder ein kleiner Stau auf einer Autobahn. Ich habe mich hingekniet um besser zu sehen und ein paar Leute haben gelächelt weil sie das auch gemacht haben. Es ist nicht nur für Kinder sondern für jeden der sich für Handwerk interessiert. Die Anlage hat über tausend Züge die gleichzeitig rollen und das läuft so präzise dass man fast vergisst dass es Modelle sind.
Danach bin ich ins Gewürzmuseum gegangen das nur ein paar Minuten entfernt liegt. Dort gibt es mehr als neunhundert Exponate und du darfst riechen und anfassen. Ich habe Kardamom zwischen den Fingern zerrieben und plötzlich war da dieser intensive Duft der mich an alte Handelsschiffe denken ließ. Die Ausstellung zeigt wie Gewürze früher gelagert wurden genau in diesen Speichern. Das hat für mich den Ort lebendig gemacht. Du lernst dort nicht nur Fakten sondern merkst wie der Handel früher funktioniert hat. Ich habe mir ein paar Proben mitgenommen und zu Hause ausprobiert. Es war nichts Besonderes nur ein kleiner Sack Pfeffer aber er hat mich an den Besuch erinnert.
Zwischendurch bin ich einfach nur gelaufen. Von der Kehrwiederstraße runter zum Zollkanal und wieder zurück. Die Brücken verbinden alles und du kannst ohne Plan losgehen. Einmal habe ich eine Route genommen die am Traditionsschiffhafen vorbeiführt wo alte Schiffe liegen. Das Wasser hat leise geplätschert und ein paar Möwen waren unterwegs. Es war kein perfekter Tag das Wetter war grau aber genau das hat die Farben der Backsteine hervorgehoben. Ich bin mir nicht sicher ob es für jeden die gleiche Wirkung hat aber bei mir hat es funktioniert. Die Speicherstadt wirkt nicht überladen. Es gibt keine großen Schilder die alles erklären und das finde ich gut.
Wenn du länger bleibst dann schau dir das Speicherstadtmuseum an. Dort erfährst du wie die Lager früher genutzt wurden für Kaffee Tee und andere Güter. Ich habe dort eine halbe Stunde verbracht und bin mit dem Gefühl rausgegangen dass ich einen kleinen Teil der Geschichte verstanden habe. Praktisch ist es günstig und nicht überfüllt. Du kannst danach weiterlaufen ohne dass der Tag zu voll wird. Ich habe auch das Deutsche Zollmuseum besucht wo sie zeigen wie der Zoll früher gearbeitet hat. Die Ausstellung ist übersichtlich und du brauchst nicht ewig. Ein paar Schmuggelgeschichten haben mich zum Schmunzeln gebracht weil sie so konkret erzählt werden.
Was mir noch aufgefallen ist wie ruhig es in manchen Ecken bleibt. Obwohl Touristen da sind verteilen sie sich auf die Wege und die Kanäle schlucken den Lärm. Du hörst dann vor allem deine eigenen Schritte und das Wasser. Ich habe einmal abends eine Runde gemacht als die Lichter angingen. Die Gebäude leuchten dann anders und die Brücken werfen Schatten. Das war schön aber ich bevorzuge die Tageszeit weil man die Ziegelstruktur besser sieht. Du kannst das selbst ausprobieren und entscheiden was dir besser gefällt. Nimm eine Karte mit oder nutze dein Handy aber verlass dich nicht zu sehr darauf weil der Empfang zwischen den hohen Mauern manchmal schwächelt.
Ein Tipp der mir geholfen hat war einfach mal stehen zu bleiben und hochzuschauen. Die Giebel haben diese gotischen Verzierungen die nicht gleich auffallen wenn man nur geradeaus läuft. Ich habe Fotos gemacht aber nicht zu viele weil ich lieber schauen wollte. Wenn du mit Kindern unterwegs bist dann ist das Wunderland der Hit. Ohne Kinder lohnt sich trotzdem ein Besuch weil die Szenen so aufwendig sind. Ich habe dort einen Mann getroffen der schon zum dritten Mal da war und immer neue Details entdeckt hat. Das zeigt wie viel Arbeit drinsteckt.
Die Speicherstadt geht nahtlos in die HafenCity über und du merkst den Übergang an den modernen Gebäuden die plötzlich auftauchen. Ich finde das spannend weil es zeigt wie der Hafen sich verändert hat ohne dass das Alte verschwindet. Du kannst den Spaziergang dort ausklingen lassen oder eine Hafenrundfahrt machen die an den Speichern vorbeiführt. Ich habe das einmal gemacht und von unten gesehen wie die Gebäude aus dem Wasser ragen. Das war eine andere Perspektive und hat mir gefallen.
Insgesamt habe ich an dem Tag fast sechs Stunden verbracht und bin mit müden Beinen aber zufrieden zurück zur U-Bahn. Du kannst das kürzer halten wenn du nur eine Stunde hast aber ich würde dir raten dir Zeit zu nehmen. Die praktischen Dinge wie Tickets im Voraus kaufen oder Schuhe wechseln machen den Unterschied. Ich bin mir nicht sicher ob du genau das Gleiche erlebst wie ich aber die Kanäle die Brücken und die Backsteine bleiben. Sie sind da und warten darauf dass du sie siehst.
