Mit dem Kanu auf der Donau
Ich habe mir vor einiger Zeit in Passau ein Kanu gemietet und bin einfach losgepaddelt. Die Donau hat mich gleich mitgenommen. Du spürst die Strömung unter dem Boot und merkst nach den ersten Minuten wie wenig Kraft du brauchst um voranzukommen. Ich habe das Paddel nur leicht eingetaucht und schon hat das Wasser die Arbeit übernommen.
Am ersten Tag bin ich von Passau aus gestartet. Das Kanu lag stabil im Wasser auch wenn ein paar Wellen von den größeren Schiffen kamen. Ich habe gesehen wie die Ufer langsam wechseln von engen Tälern zu offeneren Landschaften. Nach etwa zwei Stunden habe ich eine kleine Bucht gefunden und angelegt. Dort habe ich den Drybag geöffnet und festgestellt dass alles trocken geblieben ist. Das war mein erster praktischer Tipp den ich dir mitgebe. Nimm zwei große wasserdichte Säcke. Einen für Kleidung und Schlafsack den anderen für Essen und Kleinkram. Ich habe meine Sachen so verstaut dass ich sie schnell greifen konnte ohne das ganze Boot umzupacken.
Du wirst merken dass die Donau nicht überall gleich fließt. In manchen Abschnitten zieht sie mit rund sechs Kilometern pro Stunde dahin. Ich habe das an einem Morgen gemessen indem ich einfach die Zeit nahm für eine markierte Strecke am Ufer. Dann hast du Zeit zum Schauen. Ich habe Eisvögel gesehen die wie Pfeile über das Wasser schossen und einmal sogar einen Biber der am Ufer werkelte. Das hat mich still gemacht. Kein großes Spektakel nur diese ruhige Präsenz von Tieren die ihren Alltag leben.
Nach dem ersten Tag habe ich in einem kleinen Ort angelegt. Es gibt dort Zeltplätze direkt am Wasser die einfach zu finden sind wenn du auf die Schilder achtest. Ich habe mein Zelt aufgebaut und den Schlafsack ausgerollt. Die Nacht war kühl aber trocken. Am nächsten Morgen habe ich gemerkt dass die Schultern ein bisschen wehtun. Deshalb habe ich das Paddeln angepasst. Nicht mit den Armen ziehen sondern aus dem Rumpf heraus. Das hat sofort geholfen und ich bin den ganzen Tag ohne Krämpfe gefahren. Wenn du das ausprobierst achte auf deine Haltung. Setz dich aufrecht hin und lass die Beine leicht angewinkelt.
Die Schleusen waren für mich am Anfang ungewohnt. In Österreich musst du die Umsetzanlagen nutzen. Ich habe an einer Staustufe den Wagen genommen und das Kanu über die Rampe geschoben. Es hat vielleicht zehn Minuten gedauert aber es war machbar allein. Ich habe gesehen wie andere Paddler zu zweit schneller waren. Nimm dir also Zeit und schau dir die Schilder an bevor du reinfährst. Die großen Schiffe haben Vorfahrt und du willst nicht in ihrem Sog landen.
In der Wachau wurde es dann besonders schön. Die Weinberge steigen steil an und die Dörfer liegen eng am Ufer. Ich habe in Spitz eine Pause gemacht und mir Brot und Käse geholt. Die Leute dort sind freundlich und fragen oft woher du kommst. Ich habe erzählt dass ich aus Deutschland bin und sofort ein paar Tipps bekommen wo die nächste gute Anlegestelle ist. Das hat mir geholfen denn du findest nicht überall einen sicheren Platz zum Aussteigen. Halte Ausschau nach den grünen Schildern oder den kleinen Buchten mit flachem Ufer.
Du fragst dich vielleicht ob das Wetter eine Rolle spielt. Bei mir hat es einmal geregnet. Ich habe die Regenjacke übergezogen und weitergemacht. Das Kanu hat sich nicht verändert es lag weiterhin ruhig. Nur die Sicht wurde kürzer. Deshalb habe ich früher angelegt und den Rest des Tages im Zelt verbracht. Am nächsten Morgen war alles wieder klar und die Luft roch frisch. Ich habe dann doppelt so viel Strecke geschafft weil die Strömung nach dem Regen etwas stärker war.
Praktisch gesehen lohnt es sich leichtes Gepäck mitzunehmen. Ich hatte nur das Nötigste dabei. Ein Kocher für morgens Kaffee eine kleine Isomatte und Kleidung zum Wechseln. Die Sachen die ich nicht brauchte habe ich in einem Ort deponiert und später wieder abgeholt. Viele Vermieter bieten so einen Service an. Das hat mir den Rücken frei gehalten und ich konnte das Kanu besser trimmen. Vorne leicht hinten schwerer damit es geradeaus läuft.
Einmal bin ich früh am Morgen los und habe die Sonne aufgehen sehen. Das Wasser war spiegelglatt und die Vögel haben begonnen zu rufen. In solchen Momenten habe ich gefühlt wie die Donau mich trägt. Kein Stress kein Plan nur das nächste Stück Fluss. Ich habe ein paar Kilometer einfach getrieben und das Paddel quer über die Knie gelegt. Du kannst das auch tun. Die Strömung bringt dich weiter als du denkst.
In Krems habe ich die Tour beendet. Das Kanu zurückgegeben und noch einen Kaffee getrunken. Die Beine waren schwer vom Sitzen aber der Kopf war klar. Ich habe insgesamt rund hundertzwanzig Kilometer geschafft in vier Tagen. Nicht viel im Vergleich zur ganzen Donau aber genug um zu merken wie der Fluss dich verändert. Du paddelst nicht gegen ihn du lässt dich mit ihm treiben.
Wenn du das selbst machst nimm eine gute Karte mit. Ich habe eine einfache gefaltete dabei gehabt die die Kilometerangaben zeigt. So wusste ich immer wo die nächste Brücke oder der nächste Ort kommt. Und achte auf die Schiffe. Sie sind groß und schnell. Ich habe immer einen Sicherheitsabstand gehalten und sie vorbeiziehen lassen. Die Wellen schaukeln dich ein bisschen aber danach ist es wieder ruhig.
Die Landschaft wechselt ständig. Mal enge Schluchten mal weite Auen. Einmal habe ich eine Gruppe Reiher beobachtet die im flachen Wasser standen. Sie haben sich nicht gestört gefühlt von meinem Kanu. Ich bin langsam vorbeigeglitten und habe nur zugeschaut. Solche Begegnungen bleiben hängen.
Du wirst Hunger bekommen unterwegs. Ich habe mir Brot eingepackt und an den Anlegestellen frisches Obst gekauft. In manchen Dörfern gibt es kleine Läden die genau das anbieten was du brauchst. Einmal habe ich sogar frische Eier bekommen und sie abends auf dem Kocher gebraten. Das hat besser geschmeckt als jedes Restaurantessen.
Die Nächte am Fluss sind anders. Du hörst das Wasser leise plätschern und ab und zu ein Schiff in der Ferne. Ich habe gut geschlafen auch wenn das Zelt einfach war. Am Morgen war ich schnell wieder im Boot. Die Routine hat sich eingespielt. Aufstehen packen paddeln anlegen ausruhen. Einfach und klar.
Ich bin mir nicht sicher ob jede Tour gleich verläuft. Die Donau ändert sich mit dem Wasserstand. Bei mir war es mittel und alles lief glatt. Wenn du unsicher bist fang mit einer kürzeren Etappe an. Zehn bis zwanzig Kilometer am Tag reichen für den Einstieg. Du baust Kraft auf und lernst dein Boot kennen.
Am Ende habe ich gemerkt dass es nicht um die Kilometer geht. Es geht um die Zeit auf dem Wasser. Die Art wie du den Wind spürst die Sonne auf der Haut und die Stille wenn du allein bist. Ich habe das Kanu zurückgebracht und schon überlegt wann ich wieder losfahre. Vielleicht weiter flussabwärts. Vielleicht nur ein Wochenende. Es gibt immer einen nächsten Abschnitt der wartet.
Du kannst das auch. Nimm dir die Zeit pack die richtigen Sachen und lass den Fluss den Rest machen. Ich habe es getan und es hat sich gelohnt.