Bernkastel-Kues
Als ich das erste Mal in Bernkastel-Kues ausstieg habe ich den Moselwind im Gesicht gespürt und gedacht dass es hier irgendwie ruhiger wirkt als auf den Fotos. Die Brücke zwischen den beiden Orten Bernkastel und Kues liegt direkt vor dir und du siehst schon von weitem die engen Gassen auf der einen Seite und die etwas offeneren Straßen auf der anderen. Ich habe mein Auto am Moselufer geparkt weil das Parkhaus in der Altstadt oft voll ist und der Preis pro Stunde niedrig bleibt. Du zahlst dort meist unter fünf Euro für den halben Tag und läufst dann nur fünf Minuten in die Stadt hinein.
Der Marktplatz hat mich sofort gepackt. Die Fachwerkhäuser stehen so eng dass du den Kopf in den Nacken legen musst um die oberen Stockwerke zu sehen. Ich habe mich an das Kopfsteinpflaster gewöhnt das unter den Schuhen knirscht und habe beobachtet wie die Leute langsam durch die Gassen gehen ohne dass jemand hetzt. Du findest dort das alte Rathaus mit dem Pranger davor und ein paar Meter weiter das schmale Spitzhäuschen das wirklich so spitz ist wie es klingt. Ich habe dort eine halbe Stunde einfach nur gesessen und den Leuten zugesehen die ihren Kaffee trinken und dabei über den Fluss schauen.
Von dort aus bin ich zur Burg Landshut hochgelaufen. Der Weg führt durch die Weinberge und du spürst schon nach den ersten hundert Metern wie die Steigung in den Beinen zieht. Oben angekommen steht die Ruine da und du hast einen Blick über das ganze Tal. Ich habe mich auf die Mauer gesetzt und den Fluss beobachtet wie er sich unter dir durchschlängelt. Die Burg selbst ist nicht riesig aber die Reste der Mauern und der Ausblick machen den Aufstieg wert. Du kannst dort auch etwas essen im Restaurant das direkt angebaut ist und ich habe eine Portion Flammkuchen genommen der mit regionalem Speck belegt war. Es schmeckte einfach und satt.
Danach bin ich runter in die Stadt und habe eine Weinprobe gemacht. In einer der kleinen Winzerhöfe in Bernkastel habe ich drei Gläser Riesling probiert und der Winzer hat mir erzählt dass der Boden hier Schiefer ist und deshalb die Weine so mineralisch werden. Ich habe nicht alles verstanden was er über die Lagen gesagt hat aber der Bernkasteler Doctor hat mir besonders zugesagt. Du kannst solche Proben meist für zehn bis fünfzehn Euro buchen und bekommst dazu Brot und etwas Käse. Ich habe danach gemerkt dass der Wein hier nicht schwer im Kopf liegt sondern leicht und frisch bleibt auch nach dem dritten Glas.
Am nächsten Morgen bin ich über die Brücke nach Kues gelaufen. Die Brücke selbst ist nichts Besonderes aber der Blick von der Mitte auf beide Ufer hat mir gefallen. In Kues steht das Cusanus-Stift und dort gibt es eine Vinothek im Keller wo du über hundertvierzig Weine aus der Region findest. Ich habe dort eine Flasche mitgenommen die ich später zu Hause aufgemacht habe und sie hat den Moselgeschmack genau getroffen. Du kannst die Vinothek einfach so besuchen ohne Führung und der Verkäufer erklärt dir gerne was du gerade in der Hand hältst.
Ich habe dann eine Wanderung ausprobiert die vom Kurgastzentrum in Kues startet. Der Schöpfungsweg ist etwa sechs Kilometer lang und führt dich durch die Weinberge und ein Stück Wald. Ich habe den Weg genommen weil er nicht zu steil ist und du trotzdem ordentlich Höhe gewinnst. Unterwegs siehst du Schilder die dir die Rebsorten erklären und einmal habe ich eine Bank gefunden von der aus du direkt auf die Moselschleife schauen kannst. Du brauchst feste Schuhe weil es nach Regen rutschig werden kann aber ansonsten ist der Weg gut ausgeschildert und du kommst ohne Karte aus.
Ein anderes Mal bin ich den Maria-Zill-Panoramaweg gegangen der etwa sechs Kilometer misst und am Ende der Römerstraße in Bernkastel beginnt. Der Pfad geht erst am Bach entlang dann über eine Holzbrücke und später durch den Wald hoch. Ich habe dort oben gestanden und gedacht dass die Weinberge von hier aus wie ein grünes Meer wirken. Der Weg endet wieder am Graacher Tor und du kannst direkt zurück in die Altstadt laufen ohne dass du den gleichen Weg nimmst. Es gibt auch einen kürzeren Familienweg von vier Komma fünf Kilometern der mit Kindern gut machbar ist.
Du solltest dir unbedingt Zeit für den Mosel-Radweg nehmen wenn du ein Rad dabei hast oder eines vor Ort leihst. Ich habe ein normales Cityrad genommen und bin ein Stück flussaufwärts gefahren. Der Weg verläuft direkt am Ufer und du kommst an kleinen Orten vorbei wo du eine Pause einlegen kannst. Die Steigungen sind überschaubar und du siehst die Weinberge aus einer anderen Perspektive. Ich habe den Radweg mit einer kurzen Schiffsfahrt kombiniert und bin später mit dem Schiff zurückgefahren was den Tag entspannt hat.
Essenstechnisch habe ich in einer Straußwirtschaft in Bernkastel gesessen die nur ein paar Tische hatte. Dort gab es hausgemachte Wurst und Brot und natürlich den eigenen Wein. Die Portionen sind groß und du zahlst wenig. Einmal habe ich in einem Café am Marktplatz einen Apfelkuchen probiert der mit Zimt bestreut war und der hat perfekt zum Kaffee gepasst. Du findest solche Orte ohne große Suche einfach indem du in eine der Gassen abbiegst und schaust wo die Tische draußen stehen.
Parken ist in Bernkastel-Kues kein großes Problem wenn du weißt wo. Ich habe das Altstadtparkhaus benutzt und war schnell drin. Alternativ stehen Plätze direkt an den Moselufern zur Verfügung und von dort läufst du bequem. Wenn du mit der Bahn kommst nimmst du den Zug bis Wittlich und steigst dort in den Bus der dich in zwanzig Minuten in die Stadt bringt. Das Ticket für den Bus kostet wenig und du sparst dir den Stress mit dem Auto in den engen Straßen.
Ich habe einmal den Skywalk im Weinberg ausprobiert der etwas außerhalb liegt. Der Steg ragt hoch über den Reben hinaus und du stehst plötzlich frei über dem Tal. Der Wind hat dort oben gezogen und ich habe mich einen Moment festgehalten aber der Blick hat sich gelohnt. Du siehst Bernkastel-Kues von oben und den Fluss der sich durch die Landschaft windet. Der Weg dorthin ist ausgeschildert und du brauchst nur zwanzig Minuten zu Fuß vom Ortsrand.
In Kues habe ich das Nikolaus-Cusanus-Museum besucht das im Stift untergebracht ist. Die Ausstellung ist klein aber ich habe mir Zeit genommen und die alten Bücher und Karten angesehen die dort liegen. Danach bin ich wieder raus und habe am Flussufer gesessen und den Schiffen zugeschaut die vorbeifahren. Die Stimmung dort ist ruhig und du merkst wie die Zeit langsamer wird.
Ein praktischer Tipp den ich dir geben kann ist dass du dir im Mosel-Gäste-Zentrum eine Karte mit allen Wanderwegen holst. Die Mitarbeiter dort kennen die aktuellen Bedingungen und sagen dir ehrlich ob ein Weg nach Regen noch gut begehbar ist. Ich habe das gemacht und es hat mir geholfen den Doktorberg-Wanderweg zu finden der durch die berühmte Weinlage führt und nur kurz ist aber schön steil.
Ich habe in Bernkastel-Kues gemerkt dass die Kombination aus Stadt und Natur hier passt ohne dass eines das andere stört. Du kannst morgens durch die Gassen laufen mittags in den Weinbergen stehen und abends am Fluss sitzen. Der Ort fühlt sich echt an und nicht wie eine Kulisse. Ich bin mit dem Gefühl weggefahren dass ich nochmal kommen möchte um genau die gleichen Wege nochmal zu gehen nur ein bisschen langsamer.


