Die Dingle-Halbinsel
Ich bin in Tralee gestartet. Früh, noch vor sieben. Kaum Autos, nur ein paar Lieferwagen. Die Straße Richtung Dingle zieht sich. Nach etwa einer halben Stunde beginnt das, was alle den Connor Pass nennen. Ich hatte Angst, zu spät zu bremsen. Die Kurven eng, kaum Platz für zwei Wagen. Als ich auf der Aussichtsstelle anhielt, stand dort nur ein anderer Mensch. Es roch nach nassem Stein. Der Wind war stärker als ich gedacht hatte.
In Dingle habe ich mein Quartier über einem Pub gefunden. Kein Meerblick, aber ein Bett. Der Wirt erzählte mir, früher seien Delfine hier gewesen, jetzt nicht mehr so oft. Ich habe das hingenommen, ohne zu fragen.
Im Hafen liegen Boote mit abgeblätterter Farbe. Kleine Krabbenkörbe, Plastikseile, Spuren von Arbeit. Ich bin die Pier abgelaufen, habe mir Kaffee geholt, der zu heiß war. Kein Ort, an dem man stillsitzen möchte. Der Wind zwingt einen zum Weitergehen.
Die Straße Richtung Slea Head war fast leer. Ich habe überall angehalten, wo man ein Stück Grasrand fand. Die Halbinsel ist voller kleiner Buchten. Ventry Beach, Inch Strand, Coumeenoole. Das Wasser dort kalt, auch im Sommer. Viele gehen trotzdem hinein. Ich habe nur bis zu den Knöcheln gestanden.
An den Steilküsten stehen Schilder mit jahrzehntealten Hinweisen. Manche Pfade sind abgesperrt, trotzdem geht jeder hindurch. Ich auch. Der Boden gibt leicht nach, trocken sieht er nie aus. Ich bin bis weit oben gelaufen, bis die Straße kaum noch sichtbar war.
Gegessen habe ich oft einfach irgendwas: Brot, Käse, ein Apfel. In Dunquin ein kleines Café, das nur bar nimmt. Ich hatte Glück, dass ich noch Münzen dabei hatte. Von dort Blick auf die Blasket Islands, aber kein Boot fuhr an dem Tag.
Dingle ist kein Ort für Routen oder Ziele. Man kommt langsam voran, weil man ständig halten muss. Ich habe gelernt, dass die Kilometer hier weniger zählen als die Pausen, die man dazwischen macht.

