Passau

Ich habe Passau zum ersten Mal mit dem Zug erreicht und stand gleich am Bahnhof, wo der Inn schon zu sehen war. Das Wasser zog ruhig vorbei und ich habe mich gefragt, ob ich gleich weiterlaufen oder erst einmal stehen bleiben soll. Die Stadt liegt genau dort, wo Donau, Inn und Ilz aufeinandertreffen. Ich habe das von der Brücke aus beobachtet. Die Strömungen bleiben eine Weile getrennt, bevor sie sich vermischen. Du siehst die unterschiedlichen Farbtöne im Licht. Das hat mich länger festgehalten, als ich geplant hatte.

Ich bin dann zu Fuß in die Altstadt gegangen. Die Gassen sind schmal und die Häuser stehen dicht. Nach dem großen Brand vor Jahrhunderten hat man alles barock wieder aufgebaut. Die Fassaden wirken einheitlich, aber jede hat kleine Unterschiede in den Fenstern oder den Türen. Ich habe eine Stunde gebraucht, bis ich mich zurechtgefunden habe, weil die Straßen kurvig sind und immer wieder zum Wasser führen. Wenn du das erste Mal dort bist, nimm dir Zeit. Ein Stadtplan hilft, aber du verläufst dich trotzdem ein bisschen und das ist in Ordnung.

Im Dom St. Stephan habe ich die Orgel gehört. Sie hat über siebzehntausend Pfeifen und ich habe bei einem Mittagskonzert gesessen. Der Klang füllte den ganzen Raum, ohne dass es laut wurde. Ich habe gefühlt, wie die Töne durch den Boden gingen. Die Bänke waren halb voll, hauptsächlich Einheimische und ein paar Studenten. Du kannst die Konzerte einfach am Eingang nachschauen. Sie kosten fast nichts und dauern meist vierzig Minuten. Danach bin ich noch eine Weile in der Kirche geblieben. Die Stille danach war fast genauso stark wie die Musik.

Von dort aus bin ich zur Veste Oberhaus hochgelaufen. Der Weg ist steil, aber gut ausgeschildert. Ich habe zwanzig Minuten gebraucht und oben angekommen den Blick über die drei Flüsse gehabt. Die Stadt liegt wie in einer Schüssel. Du siehst die Dächer, die Brücken und wie der Verkehr über die Donau fließt. Ich habe dort oben ein paar Brote gegessen, die ich mir am Morgen gekauft hatte. Es gab keinen großen Andrang. Nur ein älteres Paar saß auf der Bank neben mir und hat leise geredet. Der Ausblick lohnt sich besonders, wenn die Sonne tief steht. Dann werden die Farben der Häuser wärmer.

Ich habe in einem Gasthaus am Inn-Ufer gegessen. Der Wirt hat mir einen Zander empfohlen, der noch am Morgen aus der Donau kam. Der Fisch war einfach gebraten, mit etwas Petersilie und Salzkartoffeln. Nichts Aufwendiges, aber genau richtig. Du findest solche Lokale in den Gassen hinter dem Rathaus. Sie haben meist nur wenige Tische und die Bedienung kennt die Gäste beim Namen. Ich habe zweimal dort gesessen und beim zweiten Mal hat der Koch mir eine kleine Portion mehr gegeben, weil ich erzählt habe, dass ich aus der Stadt komme. Solche Momente bleiben hängen.

Die Stadt hat eine Universität und das merkt man. Viele junge Leute sitzen an den Uferpromenaden und lernen oder reden. Ich habe mich in ein Café gesetzt, das direkt am Wasser liegt. Der Kaffee war stark und der Besitzer hat mir erklärt, welche Bootsfahrten man machen kann. Wenn du den Zusammenfluss richtig sehen willst, nimm die kurze Rundfahrt mit dem kleinen Schiff. Sie dauert eine Stunde und kostet wenig. Ich habe das gemacht und die Kapitänin hat an den Stellen, wo die Flüsse sich mischen, kurz angehalten. Du siehst dann, wie das Wasser wirbelt. Praktisch ist auch, dass du vom Bahnhof aus alles zu Fuß erreichst. Kein Auto nötig. Die Wege sind gut gepflastert und es gibt genug Bänke zum Ausruhen.

Einmal bin ich frühmorgens am Ilz-Ufer entlanggelaufen. Der Fluss ist schmaler und dunkler als die anderen beiden. Die Bäume reichen fast bis ans Wasser und es war still. Nur ein paar Jogger und ein Angler waren unterwegs. Ich habe gesehen, wie der Angler einen kleinen Hecht rausgezogen hat. Er hat ihn vorsichtig zurückgesetzt. Solche Beobachtungen machen die Stadt für mich lebendig. Du kannst den Weg mit dem Fahrrad machen. Es gibt Verleihstationen am Bahnhof und die Uferwege sind flach. Ich habe mir eines geliehen und bin bis zur österreichischen Grenze gefahren. Die Strecke ist einfach und du kommst an ein paar kleinen Dörfern vorbei, wo du frisches Brot kaufen kannst.

Ich habe auch gemerkt, dass das Wetter hier schnell wechselt. Einmal hat es geregnet, während die Sonne schien. Die Tropfen haben auf dem Fluss getanzt und ich habe unter einem der alten Brückenbögen gestanden. Nach fünf Minuten war es wieder trocken. Deshalb habe ich immer eine leichte Jacke dabei. Praktisch ist auch, dass die meisten Sehenswürdigkeiten nah beieinander liegen. Du brauchst keinen strengen Plan. Geh einfach los und schau, wohin der Weg führt. Ich habe so den kleinen Platz mit dem Brunnen entdeckt, wo Kinder mit Papierbooten gespielt haben. Niemand hat sie gestört. Die Atmosphäre bleibt entspannt.

In der Altstadt gibt es einen Laden, der regionale Produkte verkauft. Ich habe dort einen Honig aus der Umgebung mitgenommen und einen kleinen Topf Senf, den sie selbst machen. Die Verkäuferin hat mir erzählt, welche Bauern die Zutaten liefern. Solche Geschichten höre ich gern. Du kannst dort auch Brot kaufen, das noch warm ist. Ich habe es am nächsten Morgen am Fluss gegessen und dabei zugeschaut, wie die ersten Boote rausgefahren sind. Die Stadt fühlt sich nie überlaufen an, auch nicht an Wochenenden. Vielleicht liegt es daran, dass viele Besucher nur einen Tag bleiben und dann weiterfahren.

Ich habe mich gefragt, warum mir Passau so gut gefallen hat. Es ist nicht die eine Sache. Es sind die kleinen Abläufe. Der Weg vom Dom zur Brücke, der Geruch nach Wasser und frischem Brot, die Art, wie die Leute grüßen. Ich bin nicht sicher, ob das immer so ist oder ob ich einfach zur richtigen Zeit dort war. Aber ich habe es so erlebt. Wenn du hinfährst, probiere den Zander und laufe zur Veste hoch. Setz dich ans Wasser und schau den Flüssen zu. Du brauchst keine große Ausrüstung. Feste Schuhe, etwas zu essen für unterwegs und offene Augen reichen.

Einmal bin ich abends noch einmal über die Brücke gegangen. Die Lichter der Stadt haben sich im Wasser gespiegelt. Nicht dramatisch, einfach klar. Ich habe ein paar Minuten dagestanden und nichts Besonderes getan. Genau das hat mir gefallen. Passau gibt dir Raum dafür. Du kannst den Tag langsam ausklingen lassen, ohne dass jemand etwas von dir erwartet. Ich habe das Gefühl mitgenommen, dass ich jederzeit wieder hinfahren könnte und es würde ähnlich sein, nur ein bisschen anders. Die Flüsse fließen weiter und die Stadt bleibt. Das hat etwas Beruhigendes.

white and brown house near trees
buildings near foret
A large boat traveling down a river next to a city