Im Moseltal
Ich bin in Cochem aus dem Zug gestiegen und habe sofort diesen Fluss gerochen. Die Mosel lag da ruhig vor mir, nicht breit und mächtig, sondern schmal und klar, mit den Weinbergen, die sich rechts und links die Hänge hinaufzogen. Du nimmst die Promenade und läufst ein paar Minuten, schon siehst du die ersten Terrassen. Ich habe einen schmalen Pfad genommen, der direkt hinter dem Bahnhof beginnt, und bin hochgestiegen. Die Stufen sind steil, die Schuhe rutschen manchmal auf dem Schiefer, aber oben am Pinnerkreuz stehst du plötzlich mittendrin. Unter dir das Tal, die Schiffe wie Spielzeug, und die Reben in Reihen, die Menschen seit Jahrhunderten mit Mauern gestützt haben. Ich habe dort gesessen und einfach nur geschaut. Es fühlt sich nicht wie ein großes Spektakel an, eher wie etwas, das einfach da ist und bleibt.
Die Weinberge hier heißen Terrassenmosel. Viele Lagen gehen über dreißig Grad Neigung, manche sogar bis achtundsechzig. Ich habe das mal nachgelesen und gedacht, das kann nicht stimmen, bis ich selbst einen der steileren Pfade runter bin. Die Arbeiter binden die Reben per Hand, kein Traktor kommt da hoch. Riesling wächst hauptsächlich, auf blauem und rotem Schiefer. Der Boden speichert die Wärme des Tages und gibt sie nachts zurück. Ich habe in einem kleinen Weingut am Hang eine Probe gemacht, drei Gläser, nichts Besonderes, nur das, was sie selbst trinken. Der erste Schluck war trocken, fast steinig, dann kam diese leichte Frucht. Du kannst das nachmachen. Geh einfach in eine der Straußwirtschaften in den Dörfern um Cochem, die Schilder hängen draußen, wenn sie offen haben. Nimm dir ein Stück Brot dazu und setz dich auf die Bank. Es kostet fast nichts und du redest mit den Leuten, die den Wein gemacht haben.
Von den Weinbergen aus siehst du die Burgen. Sie stehen nicht einzeln, sondern tauchen immer wieder auf, als wären sie Teil der Landschaft. Die Reichsburg in Cochem thront direkt über der Stadt, hundert Meter hoch auf dem Felsen. Ich bin nicht mit dem Bus gefahren, sondern zu Fuß über den alten Weg durch den Wald. Die Treppe windet sich, und plötzlich bist du vor dem Tor. Die Mauern sind dick, bis zu dreieinhalb Meter an manchen Stellen. Drinnen gibt es den Rittersaal mit den geschnitzten Stühlen und dem großen Kamin. Ich habe eine Führung mitgemacht und die Räume gesehen, das Jagdzimmer, den Speisesaal. Manchmal veranstalten sie ein Rittermahl, vier Stunden, mit Handwaschschüssel und Holzbrett. Ich habe einmal mitgemacht und fand es seltsam echt, nicht wie Theater. Du isst und hörst die Geschichten der Burg, die im neunzehnten Jahrhundert wieder aufgebaut wurde. Von den Zinnen guckst du runter auf die Mosel und die Dächer der Altstadt. Ich habe dort oben gestanden und mir vorgestellt, wie es früher war, als die Schiffe noch Segel hatten.
Die Flusskreuzfahrten starten direkt an der Promenade in Cochem. Ich habe eine kurze Tour genommen, eine Stunde, mit einem der weißen Schiffe, die hier liegen. Du kaufst das Ticket am Schalter, setzt dich auf Deck und fährst los. Die Schleusen kommen, das Schiff hebt oder senkt sich, und die Ufer ziehen vorbei. Weinberge, dann wieder eine Burg, dann ein Dorf mit Fachwerkhäusern. Ich habe gesehen, wie die Sonne auf dem Wasser lag und die Hänge beleuchtete. Es gibt längere Routen, die bis nach Bernkastel-Kues gehen oder zurück nach Koblenz. Praktisch ist, dass die Schiffe regelmäßig fahren und du nicht viel planen musst. Nimm dir eine Jacke mit, auch wenn es warm aussieht, auf dem Wasser zieht es. Und schau dir die Karte an, die sie austeilen. So weißt du, welche Burg gerade rechts auftaucht.
In der Altstadt von Cochem selbst läuft alles langsam. Du gehst durch die Gassen, vorbei am Rathaus von 1739, am Martinsbrunnen. Die Fachwerkhäuser stehen eng, die Giebel schief. Ich habe den Weg durch das Fuchsloch genommen, einen alten Durchgang, der früher das kleinste Stadttor war. Oben am Klosterberg steht das ehemalige Kapuzinerkloster, jetzt Kulturzentrum. Von dort siehst du wieder den Fluss. Ich habe mich gefragt, wie es wohl ist, hier zu wohnen, mit fünftausend Leuten, und jeden Tag diese Aussicht. Die Stadtmauerreste sind noch da, das Enderttor, der Wehrturm. Du kannst sie einfach so ablaufen, ohne Eintritt. Nimm dir Zeit dafür, am besten am Vormittag, wenn die Touristen noch nicht alle da sind.
Wenn du wandern willst, gibt es Wege durch die Weinberge, die markiert sind. Ich habe einen genommen, der vom Marktplatz hochführt, über das Tummelchen, einen alten Grabhügel. Oben steht ein nachgebautes Weinbergshäuschen. Du siehst die Reben aus nächster Nähe, die Pfähle, die Drahtspaliere. Im Herbst riecht es nach Trauben, aber auch im Frühling, wenn die Blätter kommen, hat es etwas Beruhigendes. Praktischer Tipp: feste Schuhe und Wasser mitnehmen. Die Wege sind gut, aber sie gehen bergauf. Wer nicht laufen mag, nimmt die Sesselbahn zum Pinnerkreuz. Die Kabinen schaukeln leicht, und in fünf Minuten bist du oben. Von da kannst du runter zum Wildpark laufen, wenn du magst, oder einfach nur sitzen und schauen.
Ich habe einmal ein Fahrrad gemietet und bin ein Stück die Mosel entlanggefahren. Der Radweg ist flach, direkt am Ufer. Du kommst durch kleine Orte, siehst die Burgen aus anderer Perspektive. In einem der Dörfer habe ich angehalten und Brot und Käse gekauft, dazu einen halben Liter Wein aus der Region. Es war nichts Besonderes, nur Brot, Käse, Wein und der Fluss neben mir. So etwas bleibt. Du kannst das nachmachen, die Vermieter sind an der Promenade, die Räder sind in gutem Zustand. Nimm dir einen Korb mit, dann hast du alles dabei.
Die Burgen sind nicht nur in Cochem. Wenn du auf dem Schiff weiterfährst, tauchen sie auf, eine nach der anderen. Ich habe von Deck aus die Ruine der Winneburg gesehen, weiter hinten im Tal. Sie liegt auf einem Bergrücken, nicht so prächtig wie die Reichsburg, aber stiller. Manche sind nur noch Mauerreste, andere restauriert. Du kannst aussteigen und eine besuchen, dann wieder aufs nächste Schiff warten. Das System funktioniert, auch ohne Auto.
Was mir am meisten geblieben ist, sind die kleinen Dinge. Der Moment, als ich in einem der Weinberge stand und der Wind durch die Blätter ging. Oder der Blick von der Burg runter auf ein Schiff, das gerade eine Schleuse passierte. Es ist nichts Großes, nichts, das man in Reiseführern fett druckt. Aber es fühlt sich echt an. Du kommst hin, läufst die Wege, probierst den Wein, fährst den Fluss. Und irgendwann merkst du, dass du langsamer atmest. Ich weiß nicht, ob es am Wasser liegt oder an den Hängen oder einfach daran, dass hier alles seit langer Zeit so gemacht wird. Es funktioniert einfach. Nimm dir zwei, drei Tage, mehr braucht es nicht. Steig in Cochem aus, geh hoch, fahr mit dem Schiff, trink ein Glas. Der Rest ergibt sich.

