Westport
Du steigst aus dem Zug und die Luft riecht schon nach Meer. Ich habe die Strecke von Dublin genommen und nach gut drei Stunden war ich da. Der Bahnhof liegt direkt in der Stadt und du brauchst keinen weiteren Transport. Das hat mir gleich den ersten Stress genommen. Ich bin einfach losgelaufen ohne Plan und habe mich treiben lassen.
Die Straßen sind eng und die Häuser haben frische Farben. Du gehst an kleinen Läden vorbei und plötzlich nickt dir jemand zu. Ich habe das mehrmals erlebt. Kein großes Hallo nur ein kurzes Hallo das reicht. Die Stadt fühlt sich überschaubar an und doch ist immer etwas los ohne dass es drängelt.
Vom Zentrum aus läufst du in ein paar Minuten zum Hafen. Clew Bay liegt da und die kleinen Inseln verteilen sich im Wasser. Ich habe gehört es sollen 365 sein eine für jeden Tag. Ob das stimmt weiß ich nicht aber es sieht danach aus. Der Wind kommt direkt vom Atlantik und bringt Kälte mit. Ich habe mich auf eine Bank gesetzt und einfach nur geschaut. Du merkst wie die Wellen gegen die Kaimauer schlagen und die Boote leise knarren.
Wenn du mit dem Auto unterwegs bist dann nimm einen der Parkplätze im Zentrum oder am Mall. Ich habe gesehen dass es genug Plätze gibt und die Gebühren bleiben überschaubar. Kein langes Kreisen nötig. Das hat mir geholfen weil ich später öfter hin und her gefahren bin ohne Frust.
Westport House liegt nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Du gehst durch die Gärten und siehst den Fluss der durch das Gelände fließt. Ich bin reingegangen und habe die alten Räume angeschaut. Die Ausstellung über Grace O’Malley hat mich länger festgehalten als gedacht. Sie war Piratin und Herrscherin und die Familie die das Haus gebaut hat stammt direkt von ihr ab. Du kannst stundenlang durch die Gärten laufen ohne Eintritt und die Schwäne auf dem See beobachten. Ich habe dort Kaffee getrunken und gedacht dass es hier ruhiger ist als in vielen anderen großen Häusern.
Der Croagh Patrick liegt nur neun Kilometer außerhalb. Ich habe den Aufstieg gemacht und es hat knapp drei Stunden gedauert bis oben. Der Weg ist steil besonders am letzten Stück wo die Steine lose liegen. Ich habe feste Schuhe gebraucht und eine Jacke weil der Wind oben richtig zieht. Oben siehst du die ganze Bucht unter dir. Ich bin mir nicht sicher ob es immer so klar ist aber an meinem Tag war die Sicht weit und das Wasser glitzerte. Nimm Wasser mit und einen Snack. Der Abstieg geht schneller doch du passt besser auf die Knie auf. Viele Pilger machen den Weg barfuß aber ich habe das nicht gewagt. Der Parkplatz kostet ein paar Euro und ist groß genug.
Am nächsten Tag bin ich auf ein Boot gestiegen. Die Touren starten direkt vom Hafen und dauern etwa anderthalb Stunden. Du kommst nah an die Inseln heran und siehst eine Robbenkolonie. Eine der Inseln hat früher John Lennon gehört. Der Kapitän hat Geschichten erzählt über die Bucht und die alten Zeiten. Ich habe mich gefragt wie viele Touren er schon gemacht hat weil er so ruhig blieb während das Boot schaukelte. Das war günstig und hat mir einen anderen Blick auf die Landschaft gegeben als vom Land aus.
Abends bin ich in die Pubs gegangen. Matt Molloy’s ist der bekannteste und die Musik läuft jeden Abend. Ich habe mich hingesetzt und die Fiddle und die Bodhrán gehört. Die Sessions starten meist gegen neun und die Leute singen mit ohne dass es aufgesetzt wirkt. Du brauchst keinen Tisch reservieren aber komm früh wenn du sitzen willst. Essen gibt es dort nicht doch in den Lokalen am Hafen findest du frischen Fisch und gute Portionen. Ich habe in einem davon gegessen und der Preis war fair. Die Bedienung hat mir einen Tipp gegeben für den nächsten Tag und das hat sich ausgezahlt.
Die Great Western Greenway ist ein Radweg der von Westport aus startet. Ich habe ein Fahrrad in der Stadt gemietet und bin ein Stück gefahren. Der Weg ist etwa vierzig Kilometer bis Achill Island und führt durch offenes Land mit Meerblick. Es ist nicht zu steil und du kommst gut voran auch wenn du nicht täglich radelst. Nimm Proviant mit weil unterwegs nicht viel ist. Ich habe den Wind im Rücken gespürt und gedacht dass das hier die entspannteste Art ist die Küste zu sehen. Du kannst auch nur einen Teil machen und wieder umdrehen.
Das Wetter wechselt hier schnell. Ich habe eine Regenjacke immer im Rucksack gehabt und war froh drum. Auch im Sommer kann es kühl werden und plötzlich regnen. Pack Schichten ein und gute Schuhe. Ich habe das unterschätzt am ersten Tag und bin nass geworden. Danach habe ich besser geplant.
Du kannst von hier aus mit der Fähre nach Clare Island fahren. Ich habe es nicht geschafft aber die Leute haben mir erzählt dass es ruhig dort ist und die Wanderwege gut. Stattdessen bin ich an einem der Strände entlanggelaufen. Bertra Beach ist nah und der Sand ist hell. Ich habe dort ein paar Stunden verbracht und die Wellen beobachtet. Keine großen Menschenmengen nur ein paar Spaziergänger.
In der Stadt selbst findest du alles was du brauchst. Die Geschäfte haben lokale Sachen und du kannst ohne großen Aufwand einkaufen. Ich habe mir eine Jacke gekauft weil meine alte nicht mehr gereicht hat. Der Verkäufer hat mir erklärt wo die besten Spots für den nächsten Tag sind. Solche Gespräche passieren hier öfter.
Ich habe mich in Westport wohl gefühlt weil alles nah beieinander liegt. Du kannst morgens wandern nachmittags radeln und abends Musik hören ohne dass du stundenlang unterwegs bist. Die Kombination aus Bucht Bergen und der kleinen Stadt hat mir gefallen. Ich habe nicht alles gesehen und das ist in Ordnung. Es bleibt genug für einen zweiten Besuch.
Wenn du den Hafen entlanggehst siehst du die Boote die morgens rausfahren. Ich habe dort Fischer getroffen die Netze geflickt haben. Sie haben kurz gegrüßt und weitergemacht. Das hat mir gezeigt wie normal das Leben hier weiterläuft auch wenn Touristen kommen.
Der Fluss Carrowbeg fließt durch die Stadt und du kannst ihm folgen. Ich bin einem Stück gefolgt und habe die alten Brücken gesehen. Es ist ruhig dort und du hörst nur das Wasser. Praktisch wenn du einen ruhigen Moment brauchst nach einem vollen Tag.
Ich habe in einem der kleineren Pubs gesessen und mit einem Einheimischen geredet. Er hat mir von der Musikszene erzählt und warum Matt Molloy’s so besonders ist. Der Musiker selbst hat den Pub und die Sessions sind echt. Ich habe das gespürt als die Band gespielt hat. Kein Showbusiness nur Leute die zusammen musizieren.
Du kannst den Tag mit einem Spaziergang am Quay beginnen. Ich habe das oft gemacht und die Luft hat mich wach gemacht. Dann entscheidest du spontan was als Nächstes kommt. Das hat mir am besten gefallen. Kein fester Plan sondern einfach schauen was der Tag bringt.
Die Bucht verändert sich mit dem Licht. Morgens ist sie grau und abends golden. Ich habe das von verschiedenen Stellen aus gesehen und jedes Mal war es anders. Du brauchst nur Geduld und gute Schuhe.
Am Ende meiner Zeit dort habe ich den Zug zurück genommen. Der Bahnhof war wieder der gleiche und doch fühlte sich alles vertraut an. Ich habe gedacht dass Westport genau die richtige Größe hat. Groß genug für alles was du brauchst und klein genug dass du es nicht verlierst.
Du wirst wahrscheinlich ähnlich empfinden wenn du hinfährst. Die Wege die Bucht die Musik und die Leute die einfach so grüßen. Ich habe das alles mitgenommen und es hat sich gelohnt.
