Ein Besuch des Glasnevin Cemetery
Ich bin mit dem Bus von der O’Connell Street aus hingefahren. Die Linien vier neun elf oder dreizehn halten direkt gegenüber dem Eingang. Zwanzig Minuten hat es gedauert und schon stand ich da. Du steigst aus und siehst das Tor vor dir. Es fühlt sich an wie ein normaler Tag in Dublin nur dass du gleich in etwas anderes eintauchst.
Ich habe das Tor durchschritten und gleich die Weite gespürt. Hundertvierundzwanzig Hektar Fläche. Fast eineinhalb Millionen Menschen liegen hier begraben. Im Besucherzentrum habe ich das gelesen und es hat mich kurz innehalten lassen. So viele Schicksale auf einem Fleck. Ich weiß nicht ob das bei jedem so wirkt aber für mich war es kein schwerer Gedanke eher einer der zeigt wie viel Leben hier weitergeht in Stein und Erinnerung.
Der erste Weg führte mich zu Daniel O’Connells Grab. Der runde Turm steht da wie ein Orientierungspunkt. Ich bin die Treppe hochgestiegen. Die Stufen sind eng und ein bisschen steil. Oben angekommen habe ich die Stadt gesehen die Dächer die Straßen das Grün dazwischen. Es hat sich angefühlt als würde alles ein Stück zurücktreten. Du kannst dort oben stehen und einfach schauen. Ich habe das gemacht und den Wind im Gesicht gespürt. Kein besonderes Wetter nur ein normaler Tag aber es hat gereicht.
Danach bin ich mit der Führung weitergezogen. Der Guide hat uns zu den Gräbern von Michael Collins und Charles Stewart Parnell gebracht. Namen die man kennt aus Geschichtsbüchern. Hier liegen sie. Ich habe den Stein berührt nicht weil ich musste sondern weil es sich richtig angefühlt hat. Die keltischen Kreuze überall. Es heißt die größte Sammlung weltweit. Manche sind schlicht andere mit feinen Mustern verziert. Ich habe vor einem gestanden und mir die Handwerkskunst angeschaut. Wer hat das gemacht und warum genau diese Form.
Der Friedhof ist wie ein Garten gestaltet. Es gibt Wege die sich zwischen den Gräbern schlängeln. Über hundertfünfzig einheimische Pflanzenarten wachsen hier. Die Eibenbäume fallen besonders auf. Sie stehen da als hätten sie schon immer hier gewartet. Ich habe Vögel zwischen den Ästen gesehen und wie das Licht durch die Blätter fällt. Es macht den Ort ruhig ohne dass es bedrückend wird. Du kannst einfach spazieren gehen und es fühlt sich an wie ein Park nur dass jede Bank eine Geschichte hat.
Ich habe gute Schuhe getragen und das war gut so. Die Wege sind lang und du läufst leicht zwei Stunden oder mehr. Nach der Tour bin ich allein weitergegangen. In einer Ecke habe ich Gräber gefunden die schlichter sind. Keine großen Monumente nur Steine mit Namen. Ich habe mich gefragt wer diese Menschen waren. Der Guide hatte vorher von den Massengräbern aus der Hungersnot erzählt. Es hat mich berührt ohne dass ich es gesucht habe.
Im Besucherzentrum gibt es eine Datenbank. Ich habe meinen Nachnamen eingegeben und tatsächlich einen Treffer gefunden. Nicht meine Familie aber nah genug um zu staunen. Du kannst das auch machen. Es dauert ein paar Minuten und plötzlich hast du einen Grund mehr hier zu sein. Die Ausstellung daneben zeigt ungewöhnliche Lebensläufe. Eine Frau die zweimal begraben wurde. Ein Löwenbändiger dessen Ende tragisch endete. Solche Details bleiben hängen. Ich habe sie mir gemerkt weil sie zeigen dass hinter jedem Stein etwas Einzigartiges steckt.
Das Café liegt gleich nebenan. Ich habe dort einen Tee genommen und kurz gesessen. Der Tower Café heißt es. Nichts Aufwendiges aber die Tische draußen laden ein. Du schaust über die Gräber und trinkst in Ruhe. Ich habe das gemacht und überlegt was ich bisher gesehen habe. Der Shop verkauft Karten mit den wichtigsten Stellen. Ich habe eine mitgenommen um später nachzuschlagen.
Wenn du von der Stadt aus kommst kannst du auch zu Fuß gehen. Zweieinhalb Kilometer sind es. Ich habe das nicht probiert aber es klingt machbar. Der Bus ist einfacher besonders wenn du noch andere Pläne hast. Die Busse fahren regelmäßig alle zehn Minuten oder so. Du sparst Kraft für das Herumlaufen.
Mir ist aufgefallen wie gepflegt alles ist. Frische Blumen an manchen Gräbern. Die Wege sauber. Es zeigt dass der Ort lebt. Ich habe eine Familie gesehen die ein Grab besucht hat und gleich daneben Touristen die Fotos gemacht haben. Beides passt. Niemand stört den anderen. Du spürst den Respekt.
Es gibt verschiedene Führungen. Ich habe die allgemeine Geschichtstour genommen. Sie führt zu den großen Namen und erklärt den Hintergrund. Du könntest die Tour über Frauen in der Geschichte wählen oder eine über weniger bekannte Personen. Der Guide passt die Geschichten an die Gruppe an. Ich habe zugehört und Fragen gestellt. Es hat geholfen die Orte besser zu verstehen.
In einer stilleren Ecke habe ich den Pfad genommen der abseits der Hauptwege liegt. Dort liegen Gräber die weniger besucht werden. Die Steine sind älter das Moos wächst schon. Ich habe mich hingesetzt und einfach die Ruhe gespürt. Die Autos hört man nur leise im Hintergrund. Die Bäume schlucken den Lärm. Es hat sich angefühlt als wäre die Zeit hier langsamer.
Luke Kelly liegt hier begraben und Brendan Behan auch. Ich habe ihre Gräber gefunden. Als Fan ihrer Musik hat es mich gefreut. Du siehst wie unterschiedlich die Menschen waren die hier ruhen. Politiker Sänger Schriftsteller ganz normale Leute. Alles mischt sich.
Praktisch gesehen plane genug Zeit ein. Der Ort ist groß und du willst nicht hetzen. Die Tower Tour mit dem Aufstieg braucht extra Minuten. Die Treppe ist nicht für jeden aber wer kann der sollte hoch. Die Aussicht lohnt. Ich habe oben gestanden und die Stadt mit dem Friedhof darunter gesehen. Ein Bild das bleibt.
Im Winter oder bei Regen ist es ruhiger. Ich war an einem gewöhnlichen Tag da und hatte genug Platz. An Feiertagen könnte es voller sein. Aber auch dann geht es. Nimm eine Jacke mit falls es kühl wird. Der Wind zieht manchmal durch.
Was mich am meisten beschäftigt hat ist die Vielfalt der Monumente. Von schlichten Platten bis zu großen Grüften mit Statuen. Manche Inschriften sind kurz andere erzählen in Worten. Ich habe Fotos gemacht aber nicht zu viele. Ich wollte mehr schauen als festhalten.
Du kannst auch ohne Führung kommen und einfach streifen. Die Wege sind ausgeschildert und du findest dich zurecht. Aber die Tour gibt den Zusammenhang. Ich habe sie genutzt und es hat den Besuch bereichert. Der Preis hält sich im Rahmen und das Geld geht in die Pflege.
Nach ein paar Stunden bin ich zurück zum Bus gegangen. Der Tag hat länger gedauert als gedacht. Ich habe im Café noch gesessen und die Karte studiert. Zu Hause habe ich die Notizen durchgesehen. Die Namen die Kreuze die Bäume. Es hat sich gelohnt.
Solche Orte zeigen dir dass Geschichte nicht nur in Büchern steckt. Sie liegt unter deinen Füßen und wartet darauf dass du hinschaust. Ich habe das Schöne darin gefunden die Geschichten die weiterleben die Ruhe die du mitnimmst. Du gehst hin und kommst mit etwas zurück das du nicht erwartet hast.