Slieve League
Ich habe vor einiger Zeit in Donegal gestanden und mir gedacht, dass diese Klippen hier oben im Nordwesten etwas ganz Eigenes sind. Du fährst von Teelin aus eine schmale Straße hoch, die sich durch grüne Hügel schlängelt, und plötzlich öffnet sich der Blick. Ich habe den unteren Parkplatz genommen, weil der obere in der Hauptsaison nur für Leute mit eingeschränkter Mobilität frei ist. Fünf Euro für drei Stunden oder fünfzehn für den ganzen Tag, bar oder mit Karte, das war es schon. Kein großes Tamtam, nur ein paar Schilder und ein kleiner Kiosk mit Kaffee.
Der Weg zur Aussichtsplattform dauert etwa fünfundvierzig Minuten bergauf, zwei Kilometer auf geteertem Asphalt. Ich habe ihn zu Fuß genommen und war froh darüber. Der Wind kam von der Seite, nicht stark genug, um zu stören, aber genug, um mich wach zu halten. Oben angekommen, siehst du, wie die Klippen 601 Meter senkrecht ins Meer fallen. Ich habe das gemessen gefühlt, nicht nur gelesen. Die Zahl klingt abstrakt, bis du dort stehst und merkst, dass die Boote weit unten wie Spielzeug wirken.
Ich habe den Pilgrim’s Path ausprobiert, weil mir jemand in Teelin davon erzählt hat. Du startest am Ende der Dorfstraße, wo ein kleiner Parkplatz liegt. Drei Kilometer hin und zurück, zwei bis drei Stunden, je nachdem, wie oft du stehen bleibst. Der Pfad ist steil, aber nicht technisch schwierig. Ich habe unterwegs zwei kleine Wasserfälle passiert und eine Brücke überquert, wo das Wasser klar über die Steine lief. Oben auf den Klippen angekommen, öffnet sich der Blick nach Westen über den Atlantik. Ich habe dort gesessen, den Rucksack abgestellt und einfach nur geschaut. Keine Menschenmassen wie anderswo, nur ein paar Wanderer, die still blieben.
Was mir aufgefallen ist: Das Wetter wechselt schnell. Ich hatte morgens Sonne, mittags leichten Regen und später wieder Blau. Deshalb habe ich immer eine leichte Regenjacke und eine zweite Schicht im Rucksack. Gute Wanderschuhe sind Pflicht, weil der Boden nach Regen glatt wird. Ich habe einmal Turnschuhe getragen und es bereut. Der Pfad ist teilweise mit Steinen ausgelegt, aber nicht überall. Wenn du den Cliff Path nimmst, der etwa zweieinhalb Kilometer lang ist, brauchst du drei Stunden für die Runde. Er führt dich näher an den Rand, ohne dass du dich unwohl fühlen musst, solange du nicht bei starkem Wind gehst.
Ich habe mich gefragt, ob ich den One Man’s Pass wagen soll. Es ist dieser schmale Grat, auf dem nur eine Person Platz hat. Ich habe ihn mir von Weitem angeschaut und entschieden, nein. Nicht weil ich Angst hatte, sondern weil ich den Tag entspannt genießen wollte. Stattdessen bin ich ein Stück weiter entlang der Klippen gelaufen, wo der Weg breiter bleibt. Dort habe ich ein paar Schafe gesehen, die völlig unbeeindruckt grasten, obwohl der Abgrund nur Meter entfernt war. Das hat mich zum Schmunzeln gebracht. Die Tiere hier oben leben ihr Leben, als wäre nichts Besonderes.
Von Teelin aus kannst du auch den Shuttle nehmen, wenn du nicht laufen magst. Ich habe das nicht gemacht, weil ich den Weg erleben wollte. Aber für dich, wenn du mit Kindern oder älteren Leuten unterwegs bist, lohnt sich das vielleicht. Der Bus fährt regelmäßig und spart dir die steile Straße. Ich bin später zurückgefahren und habe in Carrick einen Tee getrunken. Dort gibt es ein paar kleine Läden und ein Pub, wo die Leute freundlich sind und dir Tipps geben, ohne dass du fragen musst.
Was ich dir mitgeben kann: Plane genug Zeit ein. Ich habe den halben Tag dort verbracht und hätte noch länger bleiben können. Nimm Wasser und etwas zu essen mit, denn oben gibt es nur einen Foodtruck, der nicht immer da ist. Und schau auf die Vorhersage, aber vertraue ihr nicht blind. Ich habe gelernt, dass Donegal sein eigenes Wetter macht. Wenn du früh startest, hast du die Klippen fast für dich. Ich war um acht Uhr morgens schon unterwegs und hatte die Plattform eine halbe Stunde lang allein.
Der Abstieg war dann leichter. Ich habe den gleichen Weg genommen, weil mir der Kreislauf gereicht hat. Unten am Parkplatz habe ich mir die Beine ausgeschüttelt und den Blick noch einmal hochgeworfen. Die Klippen wirken von unten noch größer. Du siehst die ganze Wand, die sich kilometerweit hinzieht. Ich habe mich gefragt, wie viele Menschen schon genau dort gestanden haben, wo ich stand, und wie unterschiedlich ihre Eindrücke waren. Für mich war es dieser Moment der Weite, der alles andere klein erscheinen ließ.
Wenn du weiterwandern möchtest, gibt es den längeren Loop, der über den Pilgrim’s Path hochgeht und dann über die Klippen zurück. Vier bis fünf Stunden insgesamt. Ich habe das nicht gemacht, weil mir die kürzere Version schon gereicht hat. Aber ich habe mit einem Paar gesprochen, das den Loop gegangen ist. Sie sagten, der Ausblick auf Donegal Bay sei der lohnendste Teil. Und sie hatten recht. Du siehst bis nach Sligo hinüber, wenn es klar ist.
Praktisch gesehen: Von Letterkenny brauchst du etwa eineinhalb Stunden mit dem Auto. Von Sligo zwei. Die Straßen sind gut, aber schmal in den letzten Kilometern. Ich habe keinen Bus genommen, aber es gibt welche von Donegal Town aus. Tank den Wagen vorher voll, weil Tankstellen hier draußen rar sind. Und lass den Hund zu Hause, wenn du einen hast, weil auf den Klippen keine Hunde erlaubt sind.
Ich habe auf dem Rückweg in Teelin gehalten und ein paar frische Muscheln gegessen. Die Leute dort kennen die Gegend und erzählen dir gern, wann die beste Zeit für den Sonnenuntergang ist. Ich habe es nicht geschafft, aber ich weiß jetzt, dass es sich lohnt, wenn du den Abend einplanst. Die Klippen färben sich dann orange und das Meer wird ruhig.
Was mir am meisten geblieben ist, war diese Mischung aus Anstrengung und Ruhe. Du gehst hoch, schwitzt ein bisschen, und oben merkst du, wie klein deine Alltagssorgen werden. Nicht weil die Klippen dich klein machen, sondern weil sie dir zeigen, wie groß die Welt noch ist. Ich habe das Gefühl mitgenommen und es hält bis heute. Wenn du nach Donegal kommst, nimm dir Zeit für Slieve League. Du wirst nicht enttäuscht sein, auch wenn das Wetter nicht perfekt spielt. Es gehört einfach dazu.
Ich habe später in meinem Notizbuch notiert, dass ich den Weg noch einmal gehen würde, vielleicht im Herbst, wenn weniger los ist. Die Farben ändern sich dann, das Grün wird brauner, und der Wind kälter. Aber die Klippen bleiben gleich. Du kannst sie nicht verpassen, wenn du einmal da bist. Und du wirst merken, dass ein paar Stunden dort mehr wert sind als viele andere Ausflüge. Ich habe das so erlebt und teile es mit dir, weil es einfach funktioniert hat. Nimm gute Schuhe, etwas Geduld und offene Augen. Der Rest ergibt sich von allein.

