Aran Islands
Ich habe die Aran Islands nicht geplant besucht. Es war einfach die nächste Fähre, nachdem ich genug vom Lärm des Festlands hatte. Der Wind war stark und hat jedes Gespräch auf dem Deck zerstäubt. Schon kurz nach der Abfahrt sah das Meer anders aus, dichter, dunkler, nicht mehr wie Wasser, eher wie etwas, das man nicht versteht.
An Land hat mich keiner erwartet. Die Straßen auf Inis Mór waren leer, nur ein paar Fahrräder standen schief an den Mauern. Ich habe eines gemietet, obwohl der Sattel zu niedrig war. Nach ein paar Minuten war klar, dass man hier nichts beschleunigen kann. Der Wind entscheidet.
Ich habe auf dem Weg zur Dún Aonghasa-Festung angehalten. Kein Schild, das erklärt, kein Souvenir. Nur Steine im Gras, ein paar Schafe, ein Geräusch von Flügeln, das nicht aufhört. Ich habe mich gefragt, wer hier bleiben will. Dann habe ich jemanden getroffen, der wirklich hier lebt. Ein älterer Mann, wetterhart, freundlich, nicht neugierig. Er hat gesagt, der Winter sei schlimmer als jede Einsamkeit. Ich habe genickt, ohne zu wissen, was er genau meint.
Im Café habe ich eine Suppe gegessen, Brot dazu. Es hat einfach geschmeckt, wie etwas, das jemand für sich selbst gekocht hat. Die Wände waren feucht, aber warm. Die Frau hinter der Theke hat mich gefragt, ob der Nebel am Vormittag schlimm war. Ich habe gesagt nein, aber meine Jacke war noch klamm.
Wenn du dorthin willst, nimm feste Schuhe und keine Pläne. Das Wetter ändert sich, manchmal noch bevor du merkst, dass du nass bist. Die Zimmer sind einfach, aber sauber. Der Strom kann ausfallen. Das Meer hört man nachts, selbst mit geschlossenen Fenstern. Ich habe keine Musik gebraucht. Nur diesen gleichmäßigen Druck der Luft, das Schlagen des Winds gegen die Mauer.
Ich habe am letzten Abend versucht, mir ein paar Wörter Gälisch zu merken. Es hat nicht geklappt. Aber ich erinnere mich an das Geräusch, mit dem sie sie aussprechen. Irgendwie härter, aber ehrlicher. Wie die Insel selbst.


