Welches Holz ist zum Kanubau geeignet?

 Holz hat einige Eigenschaften, durch die es sehr gut zum Kanubau geeignet ist:

Die Nachteile von Holz sind:

Ist Holz gleich Holz?

Natürlich nicht. Nicht jedes Holz ist für alles geeignet. Verschiedene Teile des Kanus brauchen teilweise unterschiedliche Hölzer und es ist nicht ganz einfach zu entscheiden, welche man wofür nimmt. Weil das auch von der Bauweise abhängt, gibt es hier eher allgemeine Informationen. In jedem guten Kanu-Bauplan findet man auch genaue Informationen zu den Hölzern.

Das Holz soll stabil sein, resistent gegen Wasser und Fäulnis und zugleich möglichst leicht, weil man das Kanu ja hin und wieder tragen muss. Aus ökologischen Gründen ist es sinnvoll, einheimische Holzarten zu verwenden.

Inwiefern spielt nun die Kanu-Bauweise bei der Wahl des Holzes eine Rolle? Wer ein Kanu in Leistenbauweise baut, wird vor allem auf das Gewicht (und vielleicht das Aussehen) des Holzes achten, denn Kanus in Leistenbauweise werden mit Epoxy verleimt. Der Epoxy-Leim schützt das Holz vor Fäulnis, so dass man diesen Aspekt bei der Auswahl des Holzes vernachlässigen kann.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Vollholz und Sperrholz.

Vollholz

Vollholz hat im Bootsbau eine lange Tradition und bei guter Verarbeitung eine lange Lebensdauer. Es ist aber etwas schwieriger zu verarbeiten als Sperrholz - und relativ teuer. Auf die verschiedenen Hölzer werde ich unten eingehen.

Sperrholz

Sperrholz entsteht, indem man mehrere Holzschichten kreuzweise verleimt, das heißt die Richtung der Maserung wird gegeneinander verdreht. Tischler nennen das Absperren, deshalb auch der Name Sperrholz. Durch das kreuzweise Verleimen ist Sperrholz in verschiedene Richtungen stabil - während Vollholz nur in Faserrichtung wirklich stabil ist und die Festigkeit und Härte quer zu den Fasern viel geringer ist.

Nach DIN muss Sperrholz aus mindestens drei Lagen bestehen; die Anzahl der Lagen ist immer ungerade, damit die außen liegenden Schichten einen gleichgerichteten Faserverlauf aufweisen.

Wichtig für den Kanubau ist: die Sperrhölzer müssen koch- und wasserfest verleimt sein! Diese Verleimart erkennt ihr an der Kennzeichnung AW100 (sie ist meistens direkt auf das Holz auf die schlechtere Seite gedruckt): für Außensperrholz, das bei erhöhter Feuchtebeanspruchung beständig ist.

 

Noch eine Unterscheidung spielt eine Rolle: Es gibt sogenanntes Industriesperrholz und Bootsbausperrholz. Welches ihr verwendet, kommt auf den Einsatzzweck an. Industriesperrholz ist günstiger und genügt für den Kompositbau mit glasfaserverstärktem Kunststoff. Bootsbausperrholz wird oft eingesetzt, wenn es sich um Sichtholz handelt.

Bootsbausperrholz ist erheblich teurer, dafür hat es eine bessere Qualität und wird sorgfältiger kontrolliert. In der Regel zeigt es keine oder sehr wenige Fehlstellen, während Industriesperrholz innen häufig aus billigem Material besteht.

Ein Vorteil von Sperrholz ist, dass es sich weniger leicht verzieht als Vollholz. Deshalb ist es einfacher, damit zu arbeiten und die Bootshaut ist später weniger anfällig. Trotzdem sollte man auch bei Sperrholz - und noch viel mehr bei Vollholz - darauf achten, dass das Holz gut gelagert wurde und nicht bereits verzogen ist. Sucht euch das Holz möglichst selbst einzeln aus. Und natürlich sollte man es dann auch zuhause ordentlich lagern. (Zur Verarbeitung selbst kommen wir später.)

Das FSC-Siegel für Holz

Das FSC-Siegel ist das einzige weltweit von den großen Umweltverbänden anerkannte Zeichen, das eine ökologisch nachhaltige, sozial verträgliche und ökonomisch machbare Waldnutzung garantiert. Es sind zwar noch zahlreiche andere Siegel in Verwendung, diese sind jedoch fast ausschließlich Siegel der Holzindustrie selbst. Greenpeace empfielt deshalb, in Geschäften nach FSC-Produkten zu fragen und gibt weiterführende Informationen zur Tropenholz-Problematik und zum FSC-Siegel. (Quelle: Greenpeace Einkaufsnetz)  

Insgesamt ist Sperrholz günstiger und leichter zu verarbeiten - klare Vorteile? Zwei Probleme gibt es bei Sperrholz, ökologisch und gesundheitlich:

Damit will ich nicht sagen, dass Vollholz generell besser wäre als Sperrholz: Ein ökologischer Vorteil von Sperrholz liegt darin, dass weniger Rohstoffe verbraucht werden. Letztlich müsst ihr für euch selbst abwägen, was euch geeigneter erscheint.

Holzarten für den Kanubau 

Wer sich dafür entscheidet, ein Vollholz-Kanu zu bauen, steht vor der Wahl geeigneter Hölzer. Beachten sollte man dabei, dass es an unterschiedliche Teile des Kanus unterschiedliche Anforderungen gibt. Um diese optimal zu erfüllen, verwendet man unterschiedliche Hölzer dafür. Um die Kanu-Bauteile eindeutig zu benennen, verwende ich in der folgenden Tabelle viele Fachbegriffe aus dem Kanubau - schlagt sie bei Bedarf in unserem Glossar nach, dort sind sie mit Bild dargestellt. Die Liste ist nicht umfassend, sondern gibt nur einen Überblick über die wichtigsten Holzarten für den Kanubau.

Aus ökologischen Gründen ist es empfehlenswert (und sehr gut möglich), einheimische Hölzern zu verwenden. Wer aus irgendeinem Grund Tropenholz verwenden möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass es FSC-zertifiziert ist (siehe oben). Greenpeace weist jedoch auch darauf hin, dass nicht alle einheimischen Hölzer unproblematisch sind: die Fichte wächst zwar in Deutschland, wird aber dennoch oft aus nördlichen Urwäldern importiert (vor allem aus Russland, Finnland und Schweden).

Ein Hinweis zu den Bildern: Das Aussehen des Holzes kann unterschiedlich sein, zum Beispiel aufgrund unterschiedlicher Sägewinkel. Außerdem dunkeln manche Hölzer stark nach, andere kaum. 

Holzart

Vorkommen

Eigenschaften

Verwendung im Kanubau

Bild

Birke

Eurasien, Nordamerika

sehr leicht, sehr haltbar, geringe Tragkraft

Duchten, Tragejoch, Deck

Eiche

Eurasien, Asien, Amerika

Kerbholz sehr verrottungsbeständig, wertvolles Bauholz

Duchten, Tragejoch, Weger

Esche

Eurasien, Amerika

fest und elastisch, eher wenig witterungsbeständig

Duchten, Tragejoch, Tragegriffe, Weger, Spanten, Stringer

Fichte

Eurasien, Nordamerika, sehr verbreitet

vielfältige Verwendung

Planken, bedingt für Stringer

Kiefer

Nordhalbkugel, inzwischen weltweit angebaut

leichtes Bauholz, dauerhafter als Fichte

Weger, Stringer, Planken, Spanten, Deck

Lärche

Europa, Nordamerika

dauerhaft und wasserbeständig

Duchten, Tragejoch, Steven, Weger, Stringer, bedingt für Planken

Mahagoni

Südamerika (echtes Mahagoni), Afrika (Sapelli, Sipo). Achtung Tropenholz! Nur selten mit FSC-Siegel zu bekommen.

dauerhaft und verrottungsbeständig

Meranti (Shorea)

Südostasien. Achtung Tropenholz! Nur selten mit FSC-Siegel zu bekommen. Vom Aussterben bedroht.

unterschiedlicher Einsatz

Red Cedar (Riesen-Lebensbaum, Riesen-Thuja)

Nordamerika, inzwischen auch Europa

leicht, dauerhaft

Robinie

Nordamerika, heute auch Europa, Nordafrika und Asien

widerständsfähig gegen Fäulnis, biegsam und fest

Duchten, Tragejoch, Tragegriffe, Weger, Spanten, Stringer; Längen über 4 Meter sind selten zu bekommen

Weymouths- Kiefer (Strobe, Seiden-Kiefer)

Nordamerika und Europa

leicht, weich, harzreich und gut zu bearbeiten

Die meisten Fotos in der Tabelle wurden von Lamerie zur Verfügung gestellt; das Foto des Birkenholzes und der Weymouth-Kiefer stammen von Philipp Zinger und stehen unter des GFDL, das Red Cedar Foto von CEMOI vom 21.10.2006 und steht unter der Free Art License v 1.2.